Freie Falter

Wahl Ignoranz? Entmündigung? Protest? Kurz vor der Wahl geht es um Bekenntnisse - als demokratische Glaubensformel
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„Es ist peinlicher geworden, als das in den 70er Jahren noch der Fall war, über das eigene politische Bekenntnis zu sprechen, was wählt man eigentlich." Hat Historiker Paul Nolte im DLF gesagt. Er wünscht sich mehr Mut zum Bekenntnis.

Gibt es. Allerdings geht es dabei gar nicht mehr um Inhalte, sondern nur noch darum: wählen oder nicht wählen. Wen oder was? Warum? Egal:

Jürgen "Kummerkasten" Domian kritisiert prominente Nichtwähler, weil "unsere Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern" das "allgemeine Wahlrecht bitter erkämpft" haben. Die Meinung prominente Nichtwähler wie Peter Sloterdijk, Moritz Bleibtreu und Richard David Precht solle man "ignorieren". Denn "mit ihrer Verweigerungshaltung propagieren sie eine Form der Selbstentmündigung."

Eher von Fremdentmündigung würde Regisseur Dieter "Der Schattenmann" Wedel am liebsten träumen. Er hat zwar nichts gegen freie Wahlen, aber: „Wenn ich sehe, wie uninformiert manche Menschen sind, finde ich es zwar nicht gerade gerecht, dass sie genauso eine Stimme haben wie die Menschen, die sich die Mühe gemacht haben, sich zu informieren". Immerhin: "Niemand will zur Oligarchie zurück, wo nur eine bestimmte Gruppe wählen darf."

Und dann ist da noch André Heller. Der Österreicher hat ebenfalls "kein Verständnis für Menschen, die die Wahl schwänzen". Man könne auch einen poetischen oder einen Wut-Satz auf den Stimmzettel schreiben. "Aber diese winzige Mühe, dass man in die Wahlzelle geht und dort seinen Protest wenigstens deponiert, den schuldet man den Lehren aus der Geschichte."

Nur zu wählen, um zu wählen, weil man eben wählt - dafür gab es in der DDR einen Begriff: „Falten gehen“. Und der ehemalige DDR-Bürger Joachim Gauck nannte neulich das Ersatzwort für Freiheit: „Freiheitsgefühl“. Was auch immer am Sonntag passiert, es soll wohl ein Dekokratiegefühl sein.

(Zitate: dpa)

13:31 20.09.2013
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