Mein Toaster liebt mich ( aber das liegt nicht an mir)

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Als Gott die Erde aus dem Boden stampfte, muss ihm kurz vor Schluss etwas dazwischen gekommen sein. Er brachte zwar mehr oder weniger Adam und Eva zustande, doch bei der Verteilung des Hirns blieb die Vollendung aus.


Seitdem gibt es dumme und kluge Menschen. Später wurden daraus intelligente und weniger intelligente Menschen. .Schließlich teilte sich die Intelligenz in emotionale, soziale und künstliche. Und jetzt kommt sie den Menschen ganz abhanden. Sie wird nämlich nicht mehr gebraucht.

Wozu sich einen Kopf machen, wenn es andere viel besser können? Telefonnummern stehen im Speicher, Geburtstage bei Facebook, den Weg weiß das Navi und alles andere Google. So wäre eigentlich wieder Platz auf der Bio-Festplatte für irgendetwas Schönes, Wichtiges, Kluges. Doch das können wir vergessen.

Damit die digitale Demenz garantiert jeden befällt, werden auch Jacken und Häuser geschult. Intelligente Kleidung wird „zu einer Schnittstelle für Information und Kommunikation“, freut sich das Fraunhofer-Institut über eine Serie von Hemden und Armstulpen, die beispielsweise mitteilen, „ob ein Funknetz (WLAN) verfügbar ist oder ob Personen in der Nähe eingeschaltete Mobiltelefone bei sich tragen“. Selten war so wahr, dass Kleidung etwas über ihren Träger aussagt.

Wenn High-Tech-Jacken entwickelt werden, die im Winter wärmen und im Sommer kühlen, muss die Frage gestattet sein, ob die Menschen noch alle Socken in der Kommode haben. Zumindest haben sie bald eine Kommode, die elektronisch die Socken zählt und der Waschmaschine ein Zeichen gibt, wenn die Vorräte schmelzen.

Intelligentes Wohnen heißt das Horrorszenario, in dem Haushaltgeräte miteinander vernetzt sind. Wenn die Sonne scheint, fahren die Jalousien runter, wenn dem Fernseher das Programm nicht passt, gibt er dem Radio einen Wink, wenn dem Kühlschrank das Bier ausgeht, schickt er eine Mail an lieferheld.de. Der Toaster denkt sich seinen Teil.

(zuerst unter www.lvz-online.de)

00:15 19.02.2012
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