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RE: Volkseigentum Kunst? Mir fehlt die Fantasie, Piraten! | 05.04.2012 | 09:31

Noch ein, zwei Nachbemerkungen, lose kombiniert:

Dieser Aspekt - das sie Denkanstösse liefern - ist mir noch etwas durch den Kopf gegangen, und meines Erachtens liegt dort eine mögliche Erklärung für den Erfolg der Piraten: dass den standardmässig angeblich alternativlosen Sachzwängen in der Politik so geistige Durchdringung von Sachverhalten und Gestaltungswille entgegengesetzt wird. Kann natürlich auch ne Flucht vor Realitäten bedeuten.

BGE: Wollte ich nicht unbedingt als Ersatz ins Spiel bringen, sondern nur bemerken, dass es die Bedingungen, unter denen Kunst entstehen kann, womöglich sehr verändern könnte.

Ca 1000 €/Monat im Schnitt beträgt wohl das monatliche Einkommen von Künstlern hierzulande, und wenn ähnliche Grössenordnungen auch ohne Vermarktung erreichbar wären, würde sich 'Verwertung' automatisch verändern, was weiter 'Leistung in der Kunst' ein Stück weit von Konsum befreien könnte.

Bei guten Platten ist ja nicht nur einer beschenkt (als Kind der 70er weiss ich, wovon ich spreche), und insofern interessiert es mich sehr, in dieser Hinsicht bei den Piraten kommunitaristische Ansätze zu entdecken.

Kaspar Hauser: Andererseits tut das Sturm-und-Drang Genie doch genau so, als schöpfe es einzig und allein aus eigenen Quellen, während es tatsächlich, z.B. als Superstar, oft eher Projektionsfläche ist (Traumgagen dann als Schmerzensgeld für den Verzicht auf Individuation).

Und, zuletzt am Rande, weil sie gestern beim Abendessen sozusagen von selbst dort auftauchten: Manche Assemblagen etwa von Rauschenberg oder Kollagen/Gemälde von Picasso oder Braque würden heute wahrscheinlich sofort zu Abmahnungen wegen
Urheberrechtsverletzungen führen oder vielleicht aus Angst davor gar nicht entstehen...
Usw.

RE: Volkseigentum Kunst? Mir fehlt die Fantasie, Piraten! | 03.04.2012 | 23:52

Interessante und wichtige Einwände, die Sie hier vorbringen.

Etwas zu kurz kommt mir aber, diese Positionierung derPiraten als Denkanstoss aufzufassen.

Mehrere Ansätze kommen mir da in den Sinn.

Zunächst: Es gibt in einem in mancher Hinsicht vergleichbaren Bereich - Patentwesen - Diskussionen darüber, ob Patente Innovationen befördern oder doch eher behindern (und weiter würde sich lohnen zu hinterfragen, ob 'Neu!' ein Wert an sich ist, anhand dessen sich ihr Sinn beurteilen lässt).

Und dann: Könnte man eigentlich, etwa bei einem Gemälde, von einem Kunstwerk sprechen, wenn es nicht rezipiert würde?

Wie lässt sich, sollte man zu dem Schluss kommen, der Beitrag des Rezipienten sei unerlässlich, dieser angemessen honorieren? Oder warum lässt man das besser?

Diskutiert wird bei den Piraten - so weit ich weiss, sogar gefordert - das bedingungslose Grundeinkommen, und bezieht man das in die Betrachtung mit ein, stellt sich die Sache auch wieder anders dar.

Die Piraten gehen mir auf die Nerven. Immer. Sei es im persönlichen Kontakt mit Einzelnen (etwa als Moderatorinnen in Internetforen) und auch sonst.

Leider genauso immer ein untrügliches Zeichen, jedenfalls für mich, dass am jeweiligen Punkt Neudenken angesagt ist (dieser elende Schmerz zwischen den Ohren!).

RE: Der Bobby-Car-Effekt | 01.04.2012 | 01:01

„Nur der Skandal, so Hondrich, ermögliche es der modernen, verunsicherten, aus vielen Teilöffentlichkeiten bestehenden Gesellschaft, durch Aufarbeitung einzelner Normverletzungen Grundwerte zu redefinieren“ – schön und gut, solange dabei nicht ‚gesundes Volksempfinden’ rauskommt.

‚Redefinition’ hört sich ausserdem schön theoretisch, nach Diskurs, an, als blieben reale Auswirkungen zunächst aussen vor. Das stimmt aber nicht immer: während Sarrazins ‚Thesen’ so, wie sie da standen, in ihrer inhaltlichen Nähe zur Denkweise beispielsweise der Zwickauer Zelle dringend diskussionsbedürftig waren und sind, wurde diese Auseinandersetzung von der Bildzeitung für unzulässig erklärt – Presse- und Meinungsfreiheit - und effektiv sehr weitgehend verhindert, während die Vorwürfe und Verdächtigungen gegen Wulff eben nicht viel mehr waren: schwer nachprüfbare Behauptungen teilweise justiziabler Verfehlungen, die legaliter selbst dann keinen Rücktritt zwingend erfordert hätten, wären sie erwiesen.

Was inhaltlich klar auf dem Tisch liegt – Sarrazin – wird also am besten nicht erörtert, was einer angeblich getan hat – Wulff – wird zur Grundlage seiner Verurteilung. Kein, wie mir scheint, so furchtbar modernes Phänomen, sondern die alte Methode Sündenbock: immerhin kein menschliches Wesen - wenn auch aus tierschützerischer Perspektive heutzutage völlig inakzeptabel.

de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCndenbock

Die „Normverletzung“ aus dem Hondrich-Zitat oben, die am dringendsten ‚aufgearbeitet’ gehört, ist die Missachtung der Unschuldsvermutung. Der Lynchmob (!), der gerade erst vor jener Polizeizelle in Emden aufgetaucht ist

www.rp-online.de/panorama/deutschland/polizei-muss-17-jaehrigen-beschuetzen-1.2774952

unterscheidet sich in diesem Grundsatz nicht von dem Flashmob zur Verabschiedung Wulffs vor dem Schloss Bellevue.

Wuwuzelas, die die Ode an die Freude niederdröhnen, finde ich von einer grauenhaften Symbolik, direkte Demokratie oder einen freiheitlichen Impetus, der an die Erstürmung der Bastille erinnert, kann ich darin nicht erkennen.

RE: Wie lässt sich Gauck noch verhindern? | 28.02.2012 | 13:01

Vor zig Jahren behauptete mein Geigenlehrer, die Zukunft seiner Kunst liege bei den Amateuren und Dilettanten, also ihren Liebhabern und denen, die sich an ihr erfreuten, und er stellte sich damit gegen den zunehmenden Wettbewerbsbetrieb, in dem Violinisten zu Hochleistungssportlern degradiert würden.

Paradoxerweise gewannen viele seine Schüler solche Wettbewerbe mit Leichtigkeit...

Ihr Optimismus ist ja sagenhaft! So oder so, alles hängt an Gauck?

Oder sind wir nicht doch eher Schäfchen, die eine Herde bilden wollen und einen Pastor brauchen?

P.s. Oder geht's vielleicht darum, dass die Klarsfeld sich daneben benehmen könnte? Dem ersten Staatsgast, der es verdient, eine langt? *g*

RE: Wie lässt sich Gauck noch verhindern? | 28.02.2012 | 12:54

Soso, sind wir also wieder beim 'Grüssaugust' angekommen?

www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/der_herr_der_binse1/

Und korrupt ist nicht der, dem das vor einem Gericht nachgewiesen wurde, sondern wen BILD dazu erklärt?

Na, wenn sogar Jutta Ditfurth glaubt, was in der ZEITUNG steht...

'Nach oben buckeln, nach unten treten' - da bin ich wieder bei Ihnen, in diesem Zusammenhang sei an den 'Genossen der Bosse' erinnert, der diese Methode perfekt beherrschte (und glaubte, mit BILD, BamS und Glotze zu regieren, es war aber umgekehrt).

Kennen Sie noch den Begriff 'Gesundes Volksempfinden'?

RE: Von Paul Merker zu Beate Klarsfeld | 28.02.2012 | 02:05

Hallo SuzieQ! Nett, von Ihnen zu hören!

Wissen Sie, ich habe den Eindruck, dass dieses Geschrei - 'Gauck ist gefährlich' - gar nicht ernst gemeint ist.

Sie und ich gehörten zu denen, die von vorneherein nicht auf die allgemeine Linie 'Wulff ist ein Schuft' einschwenken wollten, und das scheint uns beiden die ausdauernde Aufmerksamkeit GvGs eingebracht zu haben (s. auch Archinauts Hausthread).

Ne flankierende Massnahme, sozusagen.

Herzliche Grüsse (und danke für das Lob neulich!)

RE: Von Paul Merker zu Beate Klarsfeld | 28.02.2012 | 00:19

Huhu?

(Sie haben hier, seit Sie am 10.1.2012 Mitglied geworden sind, insgesamt 1072 Komentare und Blogbeiträge eingestellt, über 20 am Tag also - und jetzt schweigen Sie schon 2 1/2 Stunden?)

RE: Noch mehr, vom Meer-Was Zeitungsdruck kann | 28.02.2012 | 00:02

Bevor Sie's vielleicht wirklich in den falschen Hals kriegen: Evidenz - als Arzt ist Ihnen der Begriff vermutlich geläufiger als mir - kann hier schon eine 50%ige Klarheit bringen: 'keiner liest' (die Sachen) lässt sich ja ganz offensichtlich (so gesehen;) nicht bestreiten.

Wenn Sie dann noch erfahren -croix de bois, croix de fer-, dass die ersten 5 Asterixe von mir kamen, ist der Rest auch geklärt, oder?

RE: Von Paul Merker zu Beate Klarsfeld | 27.02.2012 | 22:48

Na, Schreibblockade? Sie scheinen immerhin schon über eine Stunde keinen Kommentar mehr eingestellt zu haben, und in Ihrem Fall... Müssen wir uns Sorgen machen?

RE: Von Paul Merker zu Beate Klarsfeld | 27.02.2012 | 21:55

Die - Klarsfeld - hält es allerdings für eine Ehre, nominiert zu sein, Butterwegge und Jochimsen wollen - und das ist ihnen abzunehmen - aus Respekt nicht gegen sie antreten.

Und es heisst, dass sie gute Chancen habe, auch aus den Reihen der restlichen Oppositionsparteien Stimmen zu erhalten.

Gauck verhindern, sich aber gleichzeitig in die Mehrheitsverhältnisse schicken? Und bitte nicht durch eine Gegenkandidatur?

Wie dann? Erschiessen?