Schlichtweg vergessen

Intensiv Quo Vadis Pflege
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Das jüngst getroffene Grundsatzurteil des Bundesarbeitsgerichts sorgt mit seiner Entscheidung unter den von Pflege Betroffenen, den Familien und Angehörigen für grosse Verunsicherung. Mit diesem Gerichtsurteil wird die häusliche Pflege für etwa 600 000 Menschen unbezahlbar werden.

https://www.lto.de/recht/nachrichten/n/bag-5azr505-20-auslaendische-pflegekraefte-privathaushalte-mindestlohn-bereitschaftsdienst/

Sind 2016 in etwa 1,9 Pflegebedürftige zu Hause versorgt worden, so sind es laut Statistischem Bundesamt aktuell in etwa 3,3 Millionen Menschen, welche nicht in Pflegeheimen sondern in häuslicher Pflege leben.

Verlorene Kindheit:

geschätzte 230 000 (hohe Dunkelziffer) Kinder und Jugendliche pflegen ihre Angehörigen. Sie bleiben in der Schule zurück und werden mit ihren Sorgen und Nöten im Stich gelassen. Dies ist nicht nur skandalös, sondern verdeutlicht, dass diese Koalition für seine Menschen nichts übrig hat!

https://netzfrauen.org/2015/06/01/young-carers-pflegende-kinder-verlorene-kindheit/

Die starken Jahrgänge der 1960iger Jahre werden dem Pflegesystem die nächsten Jahre auf die Füsse fallen. In 5 bis 10 Jahren werden in der häuslichen Pflege in etwa 5 Millionen Pflegebedürftige zu versorgen sein. Es ist unter den jetzigen Bedingungen (Pflegenotstand) kaum vorstellbar, dass unsere politischen Entscheidungsträger die Sache in den Griff bekommt. Um die Pflege zu gewährleisten müssen bis Ende 2030, 400 000 Pflegekräfte zusätzlich ausgebildet und eingestellt werden. Doch coronabedingt drängt sich aktuell eine gegenteilige Entwicklung auf. Der Krankenstand unter den Pflegenden ist hoch, nicht wenige halten der Überbeanspruchung nicht mehr stand und flüchten in andere Jobs. Diese politische Agonie - sprengt den innersten Kern (Pflege) des Sozialstaats und gefährdet den sozialen Frieden seiner offenen Gesellschaft.

Pflege bis zum Umfallen:

https://www.youtube.com/watch?v=Bx_YHr-ul7U

Umfrage zur häuslichen Pflege

Der VdK startete im April eine Umfrage über das Internet, an der Angehörige und zu Pflegende teilnahmen. So ist endlich eine aussagefähige Ist-Analyse über die Qualität der Leistungen und Versorgung der zu Pflegenden in der häuslichen Pflege in Auftrag gegeben. Befragt wurden Angehörige und zu Pflegende gleichermassen. Die Ergebnisse zur Studie werden mit Spannung erwartet und von der Hochschule in Osnabrück im August veröffentlicht. Danach ist geplant die aus der Studie gewonnenen Erkenntnisse den Parteien aller Couleur in einer Pressekonferenz zu präsentieren.

Die Parteien werden zum Thema Pflegenotstand vor der Bundestagswahl Farbe bekennen müssen!

Diese Initiative einer Umfrage zur häuslichen Pflege vom April 2021 kommt zur rechten Zeit. Sie ist umso wertvoller, weil es keine Lobby für von häuslicher Pflege Betroffener gibt.

Die heute (Stand 23.08.2021) von VdK Präsidentin Verena Bentele in Berlin veröffentlichten Ergebnisse der Umfrage über häusliche Pflege trifft den Sozialstaat ins Mark:

Sie wurden schlichtweg vergessen. Leben unter Angst und Isolation. Wurden im Stich gelassen.

Zur Studie:

Verängstigt und vergessen - so fühlten sich die meisten Pflegebedürftigen und pflegenden Angehörigen zu Hause während der Corona Pandemie. Dies zeigen die Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie der Hochschule Osnabrück, die der Sozialverband VdK in Auftrag gegeben und am Montag auf einer Pressekonferenz vorgestellt hat. Mehr als zwei Drittel der 60 000 Befragten gaben an, sehr unter den psychischen Belastung in dieser Zeit gelitten zu haben. Gleichzeitig waren für viele dringend benötigte Entlastungsangebote weggefallen.

https://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/pflege/81569/pflegestudie?dscc=ok

VdK-Präsidentin Verena Bentele zog am Montag in Berlin eine bittere Bilanz:

"Für die Pflegeheime legte die Große Koalition millionenschwere Rettungsschirme auf, für die Pflegekräfte gab es immerhin Applaus und Boni. Nur für die pflegenden Angehörigen zu Hause gab es mal wieder nix. Damit bestätigte die Politik erneut: Die Pflegenden und Gepflegten zu Hause sind nicht nur die Vergessenen der Pandemie, ihre Belange werden dauerhaft sträflich vernachlässigt."

Dabei werden 80 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt!

Der VdK kündigt als Konsequenz aus der politischen Ignoranz der häuslichen Pflege nun juristische Schritte an.

"Deswegen werden wir jetzt die unter anderem einkassierte Erhöhung des Pflegegeldes einklagen - notfalls bis zum Bundesverfassungsgericht", sagte Bentele. Die Erhöhung aller Pflegeleistungen im Umfang von 1,8 Milliarden Euro war bereits angekündigt, wurde aber bei der Pflegereform im Juli nicht umgesetzt. Damit sollte der Wertverlust der vergangenen Jahre für alle Pflegeleistungen ausgeglichen werden. Das Geld wird nun zweckentfremdet und umgeleitet, um die Eigenanteile in der stationären Pflege zu bezuschussen.

https://www.vdk.de/bayern/pages/presse/82892/vdk-studie_im_lockdown_litten_zwei_drittel_der_zu_hause_gepflegten_unter_angst_und_isolation

Zur Politik

CDU/CSU, FDP, Grüne und SPD sind nicht Willens den Zug nach Nirgendwo zu stoppen. Sie setzen Millionen Bedürftige und engagierte Fachkräfte dem Spiel eines freien Markt aus, deren Investoren sich an den Börsen die Rendite abholen. Vom demographischen Trend begünstigt, handelt es sich um ein lukratives Geschäftsmodell, also eine sichere berechenbare Einnahmequelle, welche nicht so schnell versiegt. Mit dem neuen Mindestlohn werden Hunderttausende nicht mehr zuhause gepflegt werden können. Das politische Establishment stagniert ...

... doch hier geht es um den Kern des Sozialstaats. Und der VdK mit seinen über 2,2 Millionen Mitgliedern hat eine Reichweite bis weit in die Mitte der Gesellschaft. Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland e.V., Frau Verena Bentele fordert unter anderem die Einführung der Bürgerversicherung und ein Rentensystem in dem Alle einzahlen.

Jetzt kommt es darauf an - dass die Linke geschlossen auftritt und mit Sachpolitik punktet. Denn es ist unverantwortlich, die Pflege und diesen Sozialstaat in die Hände von Alice Weidel oder Friedrich Merz zu überantworten. Welche nur darauf warten mit ihrer Initiative "Neue Soziale Marktwirtschaft" unseren Sozialstaat zu versenken.

https://www.sterbehilfe-debatte.de/themen/pflege-pflegemissstaende-pflegereform/

"Wollen wir wirklich die Schwächsten (Pflege) vom Schlitten werfen - damit wir den Wölfen (Rendite) entkommen?"

Zur aktuellen Pflegesituation im Allgemeinen:

https://www.youtube.com/watch?v=BPIWGGtCaiY&t=107s

Der Kampf um den Sozialstaat, seinem innersten Kern - der Pflege, hat begonnen!

21:08 30.07.2021
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Chuwawa

Neugierig- skeptisch- kritischer Freigeist mit auch unbequemer Lebenserfahrung aus sozialer, gesundheitlicher wie ökonomischer Realität.
Chuwawa

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