Klimakrise? Menschheitskrise!

Umdenken Eine pragmatische Betrachtungsweise der Handlungsunfähigkeit klimapolitischer Entscheidungsträger und die subtile Darstellung eines überlegenswerten Auswegs aus der Krise
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Geschätzt 7,7 Milliarden Menschen leben derzeit auf dem Planeten Erde. Allen ist eines gemein, die Bedrohung durch die Klimakrise. Unser Co2-Budget, um die drohende massive Erderwärmung einzubremsen, rinnt uns rasend schnell durch die Finger. Trotzdem brennen wir weiter Wälder nieder und verprassen vorhandene Ressourcen, als müsste man nur mit besagten Fingern schnippen, um sie wieder aufzufüllen. Weltweit gehen Jugendliche für mehr Weitblick und Nachhaltigkeit auf die Straßen, unterstützt von ihren Eltern, Wissenschaftlern und Prominenten aller Art. Doch Signale aus der Politik, etwas Wesentliches zu verändern, bleiben häufig aus. Die Proteste hingegen werden schärfer. Zahlreiche weitere Gruppen und Rebellionen formieren sich. Zurecht - die Zeit läuft uns allen davon. Nicht dem Klima, dem ist es egal, was wir Menschen hier auf dem Planeten veranstalten. Uns Menschen läuft die Zeit davon. Die Zeit, weltweit einen gemeinsamen Konsens darüber zu finden, ob nachkommende Generationen überhaupt noch das Recht von uns bekommen, auf diesem Planeten zu existieren. Wir haben keine Klimakrise, wir haben eine Menschheitskrise, die generationsübergreifend bald schon größer ist als jeder bisher von uns geführte Krieg. Jeder, der das nicht verstanden hat und nicht bereit ist, sein bisheriges Denken aufzugeben, macht sich schuldig. Schuldig im Sinne des Wegsehens. Gerade wir Deutschen sollten durch unsere Geschichte besser wissen, was es bedeutet wegzusehen. Diesmal schreiben wir das 21. Jahrhundert und die Menschheit befindet sich inmitten eines schleichenden globalen Krieges gegen sich selbst. Klimakrise? Nein, Menschheitskrise!

Verwunderlich ist es schon. Die Evolution hätte vielleicht auch eine andere Geschichte schreiben können. 7,7 Milliarden Menschen, deren größtes Ziel es ist, gemeinsam ihren Heimatplaneten zu erhalten. Schließlich ist er ja die Lebensgrundlage allen Lebens. Klingt logisch, doch irgendwo sind wir wohl falsch abgebogen. Vermeintlich war spätestens in Zeiten des industriellen Fortschritts und des Wirtschaftswachstums kein Platz mehr für Nachhaltigkeit. Doch auch davor hatte die Menschheit schon vielerorts ihre greifbaren Ressourcen geplündert und ausgerottet. Wenngleich es auch immer wieder Ausnahmen in der Geschichte gab, insgesamt scheint Nachhaltigkeit nicht die größte Stärke der Menschen zu sein. Doch nun nähern wir uns dem Punkt, an dem wir alle nachhaltig handeln sollten. Im Weg steht uns womöglich nicht weniger als die Abkehr von der Weltordnung, die wir heute kennen. Denn das jetzige Geflecht aus Politik und Wirtschaft ist vollkommen festgefahren und klimapolitisch offensichtlich nicht handlungsfähig. Um wirklich Veränderung erwarten zu können, muss dieses System schnellstens auf den Prüfstand. Sehen wir uns die Situation genauer an.

Weltweit fordern immer mehr Umweltaktivisten sinnvolle klimapolitische Maßnahmen von ihren Entscheidungsträgern. Das globale System weiß jedoch seit etwa 40 Jahren, wohin die Reise gehen wird. Immer rascher ansteigende Temperaturen, schmelzende Gletscher, steigende Meeresspiegel, auftretende Dürreperioden und andere Wetterextreme haben sich bereits lange angekündigt. Die aus diesem Blickwinkel augenscheinliche Handlungsunfähigkeit attestiert unserem System nicht weniger als das totale Versagen. Setzen, sechs! Jeder der heute glaubt, er könne mit Forderungen an dieses System nachhaltig etwas verändern, wird sich bald enttäuscht sehen. Denn die Entscheidungsträger hatten bereits zahlreiche Gelegenheiten zu intervenieren. Sicherlich war die klimapolitische Reise so nicht beabsichtigt, sie war eben lange eine leicht kleinzuredende Nebenwirkung des Medikaments „Fortschritt für Wachstum und Wohlstand“. Leider ein Medikament mit enormem Suchtpotential und bei jeder noch so kleinen Gelegenheit wurde es verschrieben. Doch trotzdem erwarten sich gerade jetzt viele Menschen eine Veränderung, herbeigeführt von genau diesem System? Naiv!

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Fakt hingegen ist: Ein Stopp des Klimawandels wird enorme Mengen Geld kosten. Geld, das keiner ausgeben möchte. Die rasche Einführung einer ausreichend hohen Co2-Steuer ist in vielen Ländern nötig. Hier und da mag diese nach und nach auch kommen. Jedoch nicht in dem Tempo, wie es in Bezug auf anstehende Klimaveränderungen sinnvoll wäre. Sondern stets in dem Tempo, wie sie der Bürger verträgt zu bezahlen. Denn eines ist sicher, die Wirtschaft, die große Verantwortung am Klimawandel trägt, wird sicher nicht dafür aufkommen. Großkonzerne wie Exxon Mobil werden höchstens über Jahre und Jahrzehnte Rechtsstreitigkeiten führen, bevor sie nur einen einzigen Dollar berappen. Verändern wird sich nichts, zumindest nicht aus klimapolitischer Sicht. Doch was tun, wenn das Geld nicht da, die Veränderung aber nötig ist? Genau an dieser Stelle liegt der Hund begraben. Dieses Mal wird es nicht funktionieren, die Probleme wieder auf den Schultern der Bürger abzulegen. Zu groß und zu global sind die Probleme, zu groß ist der Zeitdruck zu handeln. Was dringend benötigt wird, ist eine Alternative, von wo das Geld dieses Mal kommt. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Werfen wir einen Blick auf das Geld im Allgemeinen. Gerne wird es ja als die Wurzel allen Übels bezeichnet, aber man sollte es doch etwas differenzierter betrachten. Ist es wirklich immer das Geld, was für das Übel sorgt? Oder ist es manchmal auch der zentrale finanzpolitische Einfluss, der zu Spannungen führt? Streng genommen gibt es ja keinen Grund, weshalb Wirtschaft, Politik und Geld so eng aneinandergekoppelt sind. Warum bestimmt zum Beispiel die Europäische Zentralbank (EZB), wieviel Geld neu gedruckt wird oder wie hoch der Leitzins ist? Warum bestimmt die EZB also indirekt, wie viele Zinsen wir bekommen oder - heutzutage richtiger - wie viele Negativzinsen wir demnächst für unser Erspartes bezahlen? Die Antworten findet man auf der hauseigenen Webseite, man konnte sie sich ohnehin schon denken: „Die EZB ist ein offizielles Organ der Europäischen Union und die zentrale Institution des Eurosystems …“; „Unsere Arbeit dient dem Wohl der Menschen in Europa“; „Unser Auftrag besteht darin, den Menschen ... zu dienen, indem wir den Wert des Euro erhalten und Preisstabilität gewährleisten“. Aber was genau sind das für Dienste, wenn wir nebenher unsere Lebensgrundlage verlieren? Wie wohl werden wir uns auf der Erde fühlen, wenn eine Existenz darauf kaum möglich ist? Was können wir uns von der gegebenen Preisstabilität kaufen, etwa einen neuen Heimatplaneten? Sollten wir nicht lieber versuchen, diesen zu erhalten und das Klima hier zu stabilisieren?

2007/08 versagte das zentrale Finanzsystem, was die Immobilienkrise zur Folge hatte. Ausgelöst in den USA, leiden bis heute zahlreiche Bürger europäischer Staaten unter den Auswirkungen. Zum Beispiel in Spanien oder in Griechenland. Auf die obige Frage, ob denn zentraler Einfluss auf das Geld überhaupt nötig ist, wenn das einflussnehmende System seine Aufgaben nicht ausreichend erfüllt, entstand als Antwort 2009 das Bitcoin-Netzwerk. Dezentrales digitales Geld, wesentlicher Einfluss von zentralen Instanzen wie Banken und Politik ausgeschlossen. Gemacht für den p2p-Zahlungsverkehr, kryptografisch gesichert und per Code eine vorhergegebene Inflation programmiert. Der Wert sollte sich durch Angebot und Nachfrage bestimmen, also einzig durch den Glauben der einen Partei, der anderen Partei einen Gegenwert zu begleichen, der angemessen ist. Doch das Experiment ging (je nach Perspektive) reichlich schief. Es entstand eine sich zunehmend zentralisierende Industrie um das Mining von neuen Bitcoins, die den Preis abartig in die Höhe trieb und Bitcoin dadurch zum Inbegriff eines Spekulationsobjektes machte. Die Tragödie aus umweltpolitischer Sicht gab es in Folge dessen oben drauf. Das Netzwerk verschwendet heute jeden Tag mehr Energie als ganz Österreich oder die Schweiz verbraucht. Eine einzige Transaktion kostet etwa die monatliche Energie eines Fünf-Personen-Haushalts in der westlichen Welt. Um Gottes Willen! – nein, sicher nicht in seinem.

Die Idee vom dezentralen Geld mag gut gewesen sein, die Nutzung von Bitcoin hingegen, als weltweit adaptiertes Zahlungsmittel, ist größtenteils gescheitert. Trotzdem kann man aus dieser Geschichte lernen. Frühe Investoren wurden enorm reich, da quasi aus dem Nichts ein Wert generiert wurde, der vorher nicht da war. Könnte sich diese Geschichte wiederholen, diesmal mit einem umweltverträglichen Design und einem wirklichen Nutzen für die Welt? Zahlreiche mehr oder weniger dezentrale Projekte für den Zahlungsverkehr gibt es heute, die das Bitcoin-Netzwerk über kurz oder lang völlig obsolet machen wollen - was aus ökologischen Gründen auch hoffentlich bald gelingt. Aufgrund seines besonders effizienten Designs und seiner zukunftsweisenden Technologie, gibt es aber nur ein einzig Nennenswertes, das NANO-Projekt.

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Etwa 0,12 Wattstunden Energie verbraucht das NANO-Netzwerk für eine Transaktion. Damit ist NANO viele Millionen (!) Mal effizienter als Bitcoin. Durchgeführt und verifiziert in durchschnittlich 0,25 Sekunden. Nutzungsgebühr? Fehlanzeige! Jede Transaktion ist gebührenlos und jeder kann das Netzwerk nutzen, es bedarf keinerlei Erlaubnis. Das Beste aber ist: Niemand verdient am NANO-Netzwerk. Hier gibt es keine sich zunehmend zentralisierende Industrie, da es keinerlei Mining gibt. Die Macht über das Netzwerk verteilt sich deshalb mit der Zeit auf immer mehr Schultern. Jeder Nutzer entscheidet dafür in einem demokratischen Wahlverfahren, welchem Validierungsknoten er seine Stimmen schenkt. Die Idee ist genial und die zugrundeliegende Technik revolutionär. Das ausgelobte Ziel: purer finanzieller Frieden. Man darf also durchaus gespannt sein, wohin die Reise des NANO-Projekts geht. Die Möglichkeiten eines energieeffizienten, dezentralen Systems für den Zahlungsverkehr haben in jedem Fall wahrlich das Potential der Welt zu nutzen. Zumindest dann, wenn man Folgendes berücksichtigt:

Die Märkte für dezentrale Währungen sind nach wie vor größtenteils unreguliert und werden vermutlich hochgradig manipuliert. Bitte verstehen Sie die Ausführungen in diesem Text also nicht als Investitionsaufruf. Bei der Recherche zu diesem Artikel, in den Foren der Projekte, wurde man häufig an das Lesen im Alten Testament erinnert. Kaum ein Projekt lässt auch nur ein gutes Haar an einem anderen. Auch hier geht es vielen Leuten hauptsächlich um das schnell verdiente Geld und weniger um die tatsächlichen Chancen solcher Projekte. Hier den Überblick zu behalten, ist schwierig und Investitionen sind riskant. Trotzdem sollte man sich aber den nützlichen Möglichkeiten, die zum Beispiel das NANO-Projekt mit sich bringt, nicht verschließen. Ein halber Cent für das Hören eines Songs eines unabhängigen Künstlers im Internet oder zehn Cent für das Lesen eines Artikels ohne störende Werbung oder lästigem Monatsabo. Das sekundenschnelle Schicken von Geld an die hilfsbedürftigen Verwandten im Krisengebiet oder an die zurückgelassene Familie ohne Bankenzugang im Heimatland. Oder einfach nur die Gewissheit, sich sein Vermögen nicht von drohenden Negativzinsen oder einer unerwarteten Inflation auffressen zu lassen, wie es gerade in Venezuela oder Argentinien passiert ist. Das Ganze ohne den üblichen Ressourcen-Vernichtungs-Wahnsinn, zentrale Bestimmungen oder fragwürdige Restriktionen.

Vielmehr soll dieser Artikel also ein neues Bewusstsein schaffen, wie es in der Welt weitergehen könnte, wenn unsere Entscheidungsträger, aus Politik und Wirtschaft, weiter bei allen Klimafragen versagen, so wie in den letzten Jahrzehnten. Welchen Wert haben denn Organisationen wie Fridays For Future oder Extinction Rebellion? Welchen Wert haben sie, wenn sie gegen ein System kämpfen, dem sie selbst angehören? Sollten sie nicht lieber versuchen, die Welt, wie wir sie heute kennen, mit revolutionären Ideen auf den Kopf zu stellen? Ihre eigene Politik erfinden, um weiteres mögliches Versagen des etablierten Systems zu verhindern? Ihre eigene verfeinerte Version von Demokratie ausarbeiten? Ist es am Ende tatsächlich eine sinnvolle oder gar notwendige Maßnahme, Geld zu dezentralisieren? Sinkt dann der Einfluss der Wirtschaftslobbyisten und die weltweite Anfälligkeit für Korruption und Versagen in der Politik? Was würde passieren, wenn sich Umweltschutzorganisationen wie FFF oder XR mit ihrer gebündelten Kraft hinter ein dezentrales Projekt, wie das grüne NANO-Netzwerk, stellen würden? Würden Politiker anfangen, unter dem entstehenden Druck, sinnvoller zu handeln? Aus Angst ihre Macht zu verlieren, weil ihr Geld dann gegenüber der neuen Währung abgewertet werden würde? Was wäre die Menschheit letztlich bereit alles aufzugeben, um sich und die nachfolgenden Generationen noch zu retten? Die scheinbare Sicherheit eines zentralen Systems, das im entscheidenden Moment offensichtlich nicht handelt? Ist die Menschheit denn überhaupt bereit, irgendetwas Bekanntes und Gewohntes aufzugeben? Oder führen wir lieber weiterhin einen schleichenden Krieg gegen uns und unsere Nachfahren, bis wir ihn für immer verloren haben?

Klimakrise? Nein, Menschheitskrise! - die schnellstens nach revolutionären grünen Lösungen verlangt.

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Dieser Artikel ist kein Aufruf für Investitionen in digitale Währungen. Diese Märkte sind unübersichtlich, manipuliert und in hohem Maße volatil.
19:26 02.11.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Keller

Schnurrpfeiferei: Wenn man ein zukünftiges Ereignis vorab in seinem Gefühl erspürt, ist diese Geschichte dann schon vergangen, bevor sie passiert?
Martin Keller

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