Frischer Wind im Neuköllner Kulturleben

Neuköllner Kultur Sie ist ein Wirbelwind, voller Elan und neuen Ideen: Katharina Bieler trat Anfang August ihr Amt als neue Leiterin des Fachbereichs Kultur an.
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Sicherlich keine leichte Aufgabe, das Erbe von Dorothea Kolland anzutreten, die 30 Jahre als Kulturamtsleiterin in Neukölln tätig war. Bieler: “Ich habe große Hochachtung vor ihr. Sie hat ein enormes, kulturell vielseitiges Programm auf die Beine gestellt und hat von der Pieke auf angefangen.“

Neukölln bezeichnet die dynamische Neuberlinerin aufgrund der Vielseitigkeit und der kulturellen Unterschiede, die aber auch ihre Probleme mit sich bringen, als besonders interessant. „Hier gibt es wirklich Möglichkeiten, etwas zu verändern, einzugreifen, was anzupacken. Gerade der kulturelle Bereich bietet ganz viele Möglichkeiten, Verbindungen zu schaffen, die auf anderer Ebene schwer zu erreichen sind. Kultur hat auch immer ein sehr verbindendes Element.“ Erzählt sie im Interview und dabei strahlen ihre Augen. Eine Frau, der man ansieht, sie stellt sich ihren neuen Aufgaben und freut sich sichtlich über die neuen Herausforderungen.

Wichtig sei ihr, den Menschen die Schwellenangst vor der Kunst zu nehmen. „Kunst wird oft sehr elitär betrieben. Das finde ich wirklich ein großes Problem, auch in der Sprache. Der Sprachgebrauch ist oft sehr intellektuell.“ Bielers Anliegen ist es, Kunst so zu vermitteln, dass sich möglichst viele angesprochen fühlen.

Als Leiterin des Fachbereichs Kultur ist Bieler direkt für die Galerien im Körnerpark und im Saalbau verantwortlich. Bei der Auswahl der Künstler achtet sie sehr darauf, dass Neuköllner Künstler berücksichtigt werden. Künstlerisch aufgearbeitete politische Themen sollen dabei auch in der Galerie im Saalbau vertreten sein. Ein Vorhaben, das sich kommerzielle Galerien nicht zwangsläufig leisten können. Katharina Bieler möchte, dass die kommunalen Galerien wie kommerzielle Galerien geführt werden. Das heißt, die Art, wie Kunst präsentiert wird, wie Galerien geführt und betreut und Gäste empfangen werden. „Nur, wenn eine kommunale Galerie wie eine kommerzielle geleitet wird, ist dies ein Markenzeichen für den Künstler und nur so kann es eine ernsthafte und gute Förderung sein“, unterstreicht sie ihr Anliegen.

Ausgesprochen positiv empfindet Bieler die unterschiedlichen kulturellen Standorte Neukölln. Durch die verschiedenartige Bevölkerungsstruktur und Wohnart sei es wichtig, für jeden Stadtteil ein spezifisches Angebot auszuarbeiten. Dabei wünscht sie sich eine größere Teilhabe an kulturellen Ereignissen von Neuköllnern mit Migrationshintergrund. „Um das zu erreichen, muss man viel Geduld mitbringen, mit den Menschen reden und viel vermitteln." Es sei wichtig, die scharfe Trennung zwischen öffentlichen und privaten Bereichen aufzuheben. Der öffentliche Raum soll für jeden gleichermaßen zur Verfügung stehen und von allen Bevölkerungsgruppen mitgestaltet werden.

Wer ist die neue Frau in Neukölln?

Nach ihrem Studium der Neueren Geschichte, Kunstgeschichte und Europäischen Ethnologie an der Georg-August-Universität Göttingen studierte Bieler an der Università degli Studi di Perugia Kunstgeschichte und reiste durch Italien, um die italienische Kunst für sich zu entdecken und zu erleben. 1993 kam sie das erste Mal nach Berlin und studierte hier bis 1997 an der TU Genderstudies, bevor sie im Fach Geschichte zum Thema „Segensreiche Tätigkeit im Dienste unserer Jugend“ promovierte. Nach einem Volontariat im Museum Europäischer Kulturen begann sie ihre wissenschaftliche Tätigkeit im Archiv der Stiftung Topographie des Terrors. Ab 2006 arbeitete sie als Museumspädagogin im überparteilichen Willy-Brandt-Haus Lübeck.

Paul Schwingenschlögl, Kena Maier
14:07 07.09.2013
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Geschrieben von

Nasci

Fachjournalistin Alternativmedizin Themen: - Gesund leben - Glück und Erfolg - Psychologie - Stadt und Land
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