Begründung des Wissenschaftsglaubens

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Man kann nicht alles prüfen und ist auf Glauben und Vermutungen angewiesen. Manches ist unwahrscheinlich, anderes plausibel.

Zunächst betrachte ich die Grundlagen der Technik.

Seit 50 Jahren erlebe ich technischen Fortschritt. In meiner Jugend erschienen die ersten Casettenrecorder mit der Qualität der heutigen Anrufbeantwortern. Vorher gab es so etwas nicht. Die Ingenieure können immer bessere und effektivere Geräte bauen, weil Physik und Chemie, sowie deren praktischer Ableger Materialforschung immer mehr Erkenntnisse über die leblose Materie gewinnt. Manches Wissen stammt aus Grundlagenforschung, aufgrund neu gefundener magnetischer Effekte konnte die Kapazität der Festplatten in den Gigabytebereich erweitert werden.

Dieses Wissen ist zutreffende Wissenschaft, unser gewohnter Haushaltkomfort beruht darauf.

Es gibt niemanden, der alternative Erklärungen fordert, keinen Elektro-Homöopathen, Wünschelrutenantrieb für Autos oder einen Propheten, der vom Herrn einen Hinweis zur Textilherstellung empfängt.

Man kann also von einem großen Kernbereich abgesicherter wissenschaftlicher Kenntnisse ausgehen, der durch Alltagserfahrung bestätigt wird und nichts mit Glauben zu tun hat. Sonst müßten die ganzen Ingenieure lügen und Technik vorflunkern, die in Wahrheit auf Beschwörungen und Glaubensriten beruht.

In den Extrembereichen der Physik und Astronomie gibt es verschiedene Ansichten und Ansätze, die aber aus der gleichen Methodik kommen.

Der Staat würde kaum Milliarden in Teilchenbeschleuniger und Forschungssatelliten stecken, wenn keine glaubwürdigen Anliegen da wären. Also müßten sich auch tausende von Forschern auf gemeinsame Lügen einigen.

An der Uni lernte ich einige zukünftige Naturwissenschaftler kennen. Die haben, wie ich, einen starken Drang nach Wissen, einfach wissen was los ist. Denen Tricks und Täuschung zu unterstellen ist einfach Unsinn.

Es wäre für diese Menschen unerträglich, ihr Leben mit Lüge und Täuschung zu verbringen, selbst wenn sie dafür gut bezahlt würden.

Die technischen Erfolge beweisen die Wahrheit der Wissenschaft.

Ich gehe davon aus, daß die Geschichte, die wir so lernten, zutreffend ist, so weit das möglich ist. Im wesentlichen, daß die Technik erst die letzten 200 Jahre entwickelt wurde, und nicht schon immer da war, die Wissenschaftler keinen Fortschritt vorflunkern, um ihre Stellen zu sichern.

Klingt ein wenig seltsam, aber die Einwände, die ich hier erhielt, eigen das Fehlen solche Überlegungen an.

www.freitag.de/community/blogs/kenua/schulmedizin--wissenschaft-oder-religion-

Methode der Medizin.

Durch Mikroskope wurden zuerst Bakterien als Krankheitserreger entdeckt, später Viren. Vor 100 und vor 200 Jahren gab es Homöopathie und alternative Heilmethoden, vielleicht nicht so pseudotechnisch wie heute, aber es gab sie. Natürlich auch Kräuterkunde und viele hilfreiche Methoden, deren Wirksamkeit heute erklärt werden kann. Aber trotz Homöopathie und sonstigen Beschwörungen starben sehr viele Menschen an Seuchen und Epedemien, litten Leid und Schmerz. Die Medizin, die wir heute kennen, wurde mit der Forschung entwickelt, die sich bewährte. Deshalb setzten die Menschen weiter auf diese Methode, um sich diverser Plagen zu entledigen.

Der menschliche Organismus ist sehr komplex, und noch lange nicht genau entschlüsselt, da habe ich in meinem vorherigen Blog etwas übertrieben.

Inzwischen werden fast alle Menschen sehr alt, und es bleiben die Krankheiten und Beschwerden übrig, die mit der wissenschaftlichen Methode noch nicht zu erfassen sind. Die Betroffenen wünschen sich Abhilfe und greifen zu jedem Strohhalm, den manche Spezialisten gerne reichen.

Aber diese Spezialisten verweisen auf Erfolge, die sie nicht genau dokumentieren. Werden deren alternative Methoden ernsthaft geprüft, liegt die Wirksamkeit im Placebobereich.

In der Medizin werden in großem Stil die gleichen Methoden benutzt wie in der Naturwissenschaft, und auch deren Wissen. Dies als Glaube abzutun bedeutet, daß man Tausenden und Zehntausenden von Menschen gezielte koordiniert Lüge unterstellt, um sich Geld zu sichern. Irgendwoher müssen die unstrittigen Erfolge ja kommen. Ähnlich wie oben: wenn es also Beschwörung von Naturgeistern und Austreiben von Dämonen wäre, oder einfach der Ritus der Arbeitskleidung und des Stethoskops wäre, dann müßte man keine so komplexen Maschinen, sondern neue Fetische einführen, um die Fortschritte zu erwirken und dem Patienten zu dokumentieren.

Wie Columbus richtig formulierte, sind die Naturwissenschaften die Basis der Medizin. In der Praxis mag exakte Methodik nicht möglich sein, aber das prinzipielle Vorgehen ist wissenschaftlich und nicht religiös oder mythisch oder magisch.

Die Medizin auf solches zu reduzieren ist Unfug.

17:15 01.04.2012
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