Homo occidentalis Prolog

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0 Prolog S. 13 - 32

Die Fragen lauten: wann genau, unter welchen Umständen ist es zu jener Form des Denkens gekommen, die zu Mathematik und Naturwissenschaft führte ? Wo genau, was waren die Beweggründe ?

Fachübergreifende Untersuchungen mit den unterschiedlichsten Erklärungsansätzen, hochspekulative Vermutungen und Querverweise aller Art waren nötig, um diesem komplexen Thema gerecht zu werden.

Die Wurzeln des europäischen Sonderwegs finden sich in Griechenlan bei den Vorsokratikern, bei Parmenides, Heraklit und anderen „Denkern zweiter Ordnung“. Protowissenschaftliches Denken spielt eine zentrale Rolle.
Es wurde eine Fülle sehr heterogener Literatur benutzt. Wichtig waren Alfred Sohn-Retels „Soziologische Theorie der Erkenntnis“ (1985) und Gotthard Günters „Idee und Grundriss einer nicht-aristotelischen Logik“ (1991), die sich gegenseitig ergänzen.
Für die Ansätze von David Bloors „Edinburgh Strong Programme“ und Bruno Latours „Neue Soziologie für eine neue Gesellschaft“ wurden der homerische Odysseus und Isaac Newton als Beispiele gefunden.

Die Entwicklung abendländischer Epistemologie kann man unter dem Gesichtspunkt des Wandels des Bewußtseins oder der Sozialstrukturen verfolgen. Gleichzeitige Betrachtung zeigt die koevolutionären Momente des Fortgangs: mit steigender Verfügungsgewalt über die Natur ändern sich die Herrschaftstrukturen und damit auch die kognitiven Grundlagen zur Deutung der Welt, des moralischen Urteils und der Interaktionsnormen. Spengler zeigte die Zusammenhänge zwischen griechischer Polis und euklidischer Geometrie, dem Staatsprinzips zur Zeit Ludwigs des XIV. und der Differentialrechnung, zwischen kontrapunktischer Instrumentalmusik und wirtschaftlichem Kreditsystem.

Der Autor gesteht das Fehlen genauer Kenntnisse aus vielen der involvierten Fachgebiete, für die er sich die Hilfe von Spezialisten in Anspruch nahm, und stellt wohl zu Recht fest, daß angesichts der Fülle seines Buches, des Umfangs seines Themas gewisse Grenzen nicht zu überwinden waren.

Er betreibt eine ergänzte oder ausgebaute Soziologie: ausdrücklich nennt er kognitionspsychologische, Sozialhistorik und vergleichende Ethnologie. Der soziologische Mainstream versucht Erklärungen aus dem Hier und Jetzt abzuleiten, allgemeine Mechanismen in der gewordenen Gesellschaft und reicht für sein Vorhaben nicht aus.

Bammé beschreibt sein Vorgehen so:
1. Wissenschaft ruht immer auf metaphysischen Grundlagen, auch wenn sie sich frei von solchen Strukturen glaubt.
2. Er will diese Grundlagen für die abendländische Wissenschaft in der Gesellschaft finden und darstellen.
3. Eine Gesellschaft ist nicht aus ihrer „objektiven“ Struktur zu erklären, sondern aus den Menschen und deren Bilder, die sie über diese Gesellschaft machen.
4. Diese Verkehrsformen und Deutungsmuster sind nur historischen Kontext zu verstehen.

Als Erläuterung zu 1. nennt er die philosophischen Grundsätze des Parmenides, daß etwas entweder sei oder nicht sei, und daß Denken und Sein in Eins falle. Daraus wurde die zweiwertige Logik.
Heraklits „Vorwärtsschreiten“ als Charakteristikum der Welt wird über Hegel zur mehrwertigen Logik. Seine Lehre vom Logos nahmen Stoa und Christentum auf, Hegel sah sie als Vorläufer seiner Dialektik.
Zu 2. benennt er Max Webers Beschreibung der Eigenrationalisierung und -reflexion, die bei Piaget als kognitives Entwicklungsstadium der „formalen Operationen“ beschrieben wird.
Damit sind wir bei 3. Beispiel ist Luhmanns „Gesellschaft der Gesellschaft“, die Durkheims Diktum Soziales nur durch Soziales zu erklären, aufnimmt. Das Diktum gibt der Ambivalenz im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts seinen Namen.

S 19 Soweit, es fehlen noch 14 Seiten.

Arno Bammé: Homo occidentalis mein Projekt: Kurzfassung


Anschluß: 1. Wissenschaftssoziologie
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16:13 02.02.2012
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