Tränen, Reue und ein kleiner Denkzettel

GERICHTSREPORTAGE Im Schnellgericht geben sich Ladendiebe und Schwarzfahrer die Klinke in die Hand. Urteile fallen im 20-Minuten-Takt
Exklusiv für Abonnent:innen

Einen Rechtsanwalt braucht Roswitha S. nicht. Allein und entschlossen geht die 54-Jährige in den Gerichtssaal. »Ich fühle mich schuldig«, bekennt sie vor dem Richter. Der ist zwar zuständig für so genannte beschleunigte Verfahren, aber die Angeklagte S. ist ihm nun doch zu schnell. Roswitha S. soll sich erst einmal setzen. Es ist 9.24 Uhr, ein ganz gewöhnlicher Fall im Berliner Schnellgericht beginnt. Hier sind Kleindelikte wie Ladendiebstahl, Fahren ohne Führerschein, Erschleichen von Leistungen oder häusliche Gewalt das tägliche Verhandlungsprogramm. Es sind Fälle, bei denen die Beweislage klar erscheint und das zu erwartende Strafmaß unter einem Jahr liegt. Im 20-Minuten-Takt gehen die meisten »beschleunigten Verfahren