Neuer unsozialer Arbeitsmarkt

Langzeitarbeitslosigkeit Warum der vermeintliche soziale Arbeitsmarkt in Wirklichkeit ein Geschenk an die Wirtschaft ist und wie er wirklich aussehen sollte.
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Bereits als der Berliner Bürgermeister Müller seinen Vorschlag für einen sozialen Arbeitsmarkt vorstellte war ich skeptisch, denn ich befürchtete das es damit zu Lohndumping bei niedriglöhnigen Jobs im öffentlichen Dienst kommen würde. Schließlich sah sein Modell den Mindestlohn als Grundlage vor und es wirkte so als wolle man so im öffentlichen Dienst gestrichene Jobs in einen parallelen Arbeitsmarkt auslagern.

Doch kam es weit schlimmer, denn jetzt werden so wie ich es verstanden habe reguläre Jobs mit bis zu 75 % gefördert, das aber führt zu einer Wettbewerbsverzerrung besonders zwischen Langzeitarbeitslosen und prekär Beschäftigen auf dem Arbeitsmarkt. Das neue Konzept gegen Langzeitarbeitslosigkeit ist ein reines Geschenk an die Wirtschaft, dabei scheint man zu ignorieren wie weit unsere Gesellschaft bereits gespalten ist und wie gefährlich eine solche Maßnahme ist. Bereits im Rahmen der öffentlichen Programmdiskussion der SPD stellte ich mein Modell der Bürgerarbeit vor, das vorsah neue Arbeitsplätze zu schaffen die auch den sozialen Zusammenhalt besonders in sozialbenachteiligten Stadtteilen fördern sollten. Besonders hier ist die Nachbarschaftshilfe besonders in den letzten 20 Jahren mehr und mehr weg gebrochen, aber die Zahl der Hilfe Bedürftigen drastisch gestiegen. Mein Konzept schlug vor über solidarische Nachbarschaftsvereine diese Lücke zu schließen, so gibt es Menschen die zum Beispiel Hilfen brauchen um den Alltag bewältigen zu können aber sich solche Dienstleistungen nicht leisten können. Aber auch vielen Vereinen und Initiativen fehlen die Mittel um kulturelles und soziales Leben in sozialen Brennpunkten aufrecht zu erhalten. Übrigens gibt es in meiner Stadt zwei gute Beispiele wie Bürgerarbeit den Zusammenhalt fördern. So entschied ein Kleingartenverein zusammen zu legen um ein hilfsbereites Mitglied als er ins ALG II ab zu rutschen drohte fest als Nachbarschaftshelfer einstellten, durch sein Job ermöglicht Senioren und anderen Mitgliedern mit Handycaps das sie ihren geliebten Kleingarten aufgeben müssen. Ein anderes ist die Vorlese Tante die ein Bürgerverein einstellen konnte weil viele bereit waren die Mittel dafür bereit zu stellen, jetzt kann die ehemalige Sekretärin die seit einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist mit ihrem Talent Kindern und Senioren vorlesen. Wäre es nicht auch schön wenn alleinerziehende Mütter für die Betreuung von Spielplätzen ein festes Einkommen bekommen würden und man ihnen damit Wertschätzung entgegen bringen würde? Ich könnte jetzt endlose Beispiele vorstellen mit denen man Menschen nach langer Erwerbslosigkeit in Arbeit bringen könnte die den sozialen Zusammenhalt fördern. Bei meinem Modell war mein Vorschlag ein dreijähriges Pilotprojekt zu schaffen, mit dem man testet ob sich mein Modell trägt.

08:36 10.11.2018
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