ancient-modern

Schreiber 0 Leser 0
Avatar
RE: "Schock-Studie" belegt: Junge Muslime fühlen sich ausgegrenzt. | 11.03.2012 | 18:24

Um den wichtigen Frieden ( aggressionsfreie Kommunikation und Kooperation) zu erhalten oder erneut zu etablieren, ist gegenseitiges, wohlwollendes analysieren unbedingt erforderlich. Wie immer ist es besser mit- als übereinander zu reden. Mein persönlicher Weg hat mich zwar emanzipiert von traditionellen Vorstellungen der etablierten Religionen, jedoch empfinde ich es immer noch als äußerst spannend, befruchtend und relevant an der Diskussion mit meinen religiösen Freunden teilzuhaben(Ich empfände es als grossen Verlust, wenn meine Haltung gegenüber anderen mich von einer Diskussion per se ausschliessen würde). Man könnte noch viel zu diesem Thema sagen, abgekürzt ist meine Aussage die, dass man eine Nicht-Existenz von Gott nicht beweisen kann. Diese Erkenntnis ist für mich viel wichtiger als all die gescheiterten Gottesbeweise in der Menschheitsgeschichte. Deswegen bleiben wir alle in Kontakt. Wir reden miteinander. Dies zu unterlassen bedeutet Krieg, früher oder später. Erst mit Worten, dann mit Waffen. Im Moment taumeln wir im sog. Westen noch an einem alten Problem, das Problem mit den nationalen Grenzen und den damit unmittelbar verknüpften Leitideologien. Das Gedankengut der letzten zwei Jahrhunderte taugt in vielerlei Hinsicht nicht mehr für die im positiven Sinne entfesselte Menschenrechte Revolution des neuen Jahrtausends. Allen Widrigkeiten zum trotz entsteht ein globales Verständnis von Menschenrechten und eine Sensibilität für Überschreitungen. Der Anblick von betenden Muslimen auf dem Tahrir-Platz, unbeeindruckt von den brutalen Wasserwerfer Attacken, hat mir die Tränen der Anerkennung in die Augen getrieben. Die Reden, die Worte und Gesten von Dr. Martin Luther King ringen mir den grössten Respekt ab. Albert Einstein war ein grosser Kämpfer für die Freiheit der Menschen. Ghandi´s gewaltloser Widerstand, und, und, und. Es gibt zig Beispiele die sich nicht an der religiösen Grenze „aufhalten“ lassen. Die Existenz des anderen nicht als Bedrohung wahrnehmen, das ist die wichtige Aussage. Als junger Mann war ich einige Jahre lang Stammbesucher einer bestimmten Diskothek. Irgendwann gesellte sich auch eine Gruppe von 4-5 Leuten zur Stammbesucherschar, mit Shirt-s auf denen stand: Odin statt Jesus. Springerstiefel und Glatze inklusive. „Wir“ waren die Schwarzköpfe(=Türken), scheinbar schienen alle auf Krawall gebürstet. Doch dem war nicht so, wir waren viel zu locker drauf um irgendwelche Typen anzufeinden (wie anstrengend wäre das denn!). Einfach auf die Typen zu und angeboten gemeinsam ein paar Pilsken zu trinken, die Rechnung ginge auf „uns“. Und siehe da: es wurde miteinander geredet, selbst hässliches konnte gesagt werden, ohne dass es hässlich wurde, wir haben gemeinsam gelacht und uns gegenseitig unsere Vorurteile vor den „Kopp gekloppt“, wie wir im Pott dazu sagen.
Ich persönlich habe auch feststellen können, dass viele orthodoxe Muslime sehr diskussionsfreudig sind, wenn man einen gebührenden Respekt und selbstverständlich auch Neugier und Wissen einbringt. Der gebührende Respekt ist keine devote Haltung, er sichert lediglich eine Diskussion auf Augenhöhe. Und diese Diskussion muss lebendig bleiben, und das kann sie nur, wenn es echtes Interesse für den jeweils anderen gibt. Dieses Interesse sollte soweit gehen, dass man im Laufe der Zeit erkennt, das vieles ähnlich oder gar gleich ist. Es gibt unsterbliche Themen: Tod, Fortpflanzung, Erziehung, Nahrung, Recht, Gemeinwesen vs. Individuum, das grosse und ganze gegen das kleine und detaillierte.
Tiere bellen, heulen und beissen. Menschen reden. Lasst uns reden.
PS: wenn die Grenzen fallen, fallen sie grenzenlos

RE: Die westliche Doppelmoral… | 17.01.2012 | 18:45

Wer vom Westen spricht, macht sich, mit Verlaub, lächerlich. Ich persönlich benutze diese Kategorien höchstens im Kurzschluss wenn ich mit engen Freunden diskutiere, um mir sofort gewahr zu werden, wie albern diese Kategorien sind (die UdSSR. lag westlich der USA, oder wie war das?).
Selbstverständlich gab es Imperialismus, selbstverständlich gab es diesen auch außerhalb von Europa. Auf dieser Tatsache zu pochen zeugt nicht von einer fortschrittlichen Haltung. Das sind „well known facts“. Bevor jetzt das Quellen-Gezerre wieder los geht: Auf YouTube gibt es sog. Beweise für jede Behauptung.
Hässliche Schlussfolgerung: die Verlierer der Kolonisation der Welt beschweren sich zurecht über die Konsequenzen, die ekelhafte andere Seite der Medaille ist aber die BEHAUPTUNG die ich aufstelle: in der gegebenen Zeit hätten andere Zivilisationen, die ähnliche Entdeckungen und Methoden zur Verfügung gehabt hätten, sie genau wie der sog. Westen angewendet. Mensch bleibt Mensch, egal ob Muslim, Jude, Christ, Atheist, Vegetarier, Rastafari etc.
Es gab und gibt in der Geschichte der Menschheit unzählbar viele imperialistische Bestrebungen, müßig sie aufzuzählen, derzeitiger Champion ist Nordamerika/ Appendix Europa. Doch die Uhren ticken gnadenlos, „die Asiaten“ und „die Afrikaner“ wollen wieder mitspielen. Und jetzt?
Mit der, die, das kommen wir nicht weiter. Die stärkere Fraktion trägt fast immer auch den größeren Teil der Schuld. Die Starken haben fast immer und überall in der jüngeren Geschichte „erfolgreich“ gemordet. Wenn Jünger Miltons Friedmans chinesischer Prägung den Jüngern amerikanischer Prägung Milliarden von Dollar leihen, dann verwischen alle alten „kolonialen“ grenzen, alles verwandelt sich schneller als man glauben mag in eine braune Suppe mit einem Schuss Ketchup.
Na denn, Prost!