Ein journalistischer Bärendienst

netzpolitik.org Die Generalbundesanwaltschaft hat mit Hilfe von Markus Beckedahl durch einen einzigen Brief erreicht was sie wollte = viele Journalisten / Informanten einzuschüchtern.
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Da zum Team (freier Mitarbeiter[1]) von Netzpolitik.org mit Ulf Buermeyer auch ein erfahrener Richter des Landgerichts Berlin gehört, von dem man hätte juristischen / strategischen Rat einholen können, muss man Marketingüberlegungen für netzpolitik.org hinter dem angezettelten medialen Rummel um ihn und seinen Blog vermuten.

Vielleicht besinnen sich noch einige Leser an den Fall des Soziologen Andrej Holm, der am 31. Juli 2007 auf Anordnung der Generalbundesanwaltschaft verhaftet wurde[2]. Nein Andrej Holm hatte keinen derartigen[3] Brief bekommen, dass man ein Ermittlungsverfahren eingeleitet habe, sondern da hämmerten plötzlich Polizisten / Ermittler an die Tür und nahmen ihn fest, was in so einem Verfahren auch das „Normale“ sein dürfte, denn wenn man glaubt genügend Beweise zu haben, denn ein Verdächtiger den man über die Ermittlungen informiert, wird ab dem Moment sicher (wenn er tatsächlich irgendetwas tut oder tun will) besondere Vorsicht walten lassen.

Anstatt also in Ruhe abzuwarten, ob überhaupt eine Klage eingereicht wird, hat Netzpolitik.org genau das getan, was die Generalbundesanwaltschaft mit ihrem Brief vermutlich bezweckt hat – einen riesigen medialen Rummel um die Geschichte zu einem Zeitpunkt angezettelt, wo eigentlich noch gar nichts passiert ist. Den Polizeipsychologen / Strategen der beteiligten BOS[4] die die Generalbundesanwaltschaft bei dem Vorgehen möglicherweise beraten haben, muss man ein Kompliment machen, denn sie haben das Naturell und die zu erwartenden Reaktionen der Betroffenen richtig eingeschätzt.

Ein weiteres Argument, dass die Reaktion von Netzpolitik.org falsch war ist der Umstand, dass allgemein bekannt ist, dass unsere Regierung über die diversen Behörden die Menschen in diesem Land mit Hilfe der Medien manipuliert. Es war schon zu oft offensichtlich, wann plötzlich Anschläge durch Verhaftungen verhindert wurden[5] wie bei der Sauerlandgruppe, nämlich immer dann, wenn kurz danach ein Gesetz mal wieder verschärft werden sollte und einem die nachvollziehbaren Argumente / Beweise für die Notwendigkeit der Verschärfung fehlten.

Resümee:

Mögliche Informanten werden sich nun zweimal überlegen, ob sie tatsächlich etwas an die Medien weiter geben was brisant sein könnte, denn man kann ja in so einem Fall nie wissen, ob man sich nicht damit in die Fänge von Ermittlern begibt weil aktiv observiert / überwacht wird.

Echte Journalisten lassen sich hoffentlich von den Lakaien (Generalbundesanwaltschaft) der Regierung mit derartig durchschaubaren Methoden nicht wirklich einschüchtern, sondern sie werden erst mal nur die Sicherheit und Anonymität „ihres Briefkastens“ für Informanten überdenken und wenn möglich steigern, indem sie z.B. so etwas wie SecureDrop[6] einrichten.


[1] https://netzpolitik.org/author/ulf-buermeyer/

[2] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/haftbefehl-nach-brandattentat-wissenschaftler-im-visier-der-linksterror-fahnder-a-497923.html

[3] https://i.imgur.com/Zr7vz5k.jpg

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Beh%C3%B6rden_und_Organisationen_mit_Sicherheitsaufgaben

[5] http://www.faz.net/aktuell/politik/kampf-gegen-terror/schlag-gegen-den-terror-wir-muessen-weiter-sehr-wachsam-sein-1462318.html

[6] https://securedrop.org/

19:56 31.07.2015
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