Das Restrisiko als Würfelspiel

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Das Restrisiko bei der Kernkraft ist tatsächlich klein:

Die Wahrscheinlichkeit eines schweren Reaktorunfalls in Deutschland ist 1989 in der sog. Reaktorsicherheitsstudie B bei 20 vorhandenen KKW mit einmal in rd. 13.500 Jahren ermittelt worden. Menschliches Versagen wurde dabei als auslösendes Ereignis mit berücksichtigt. Heute ist das sog. Restrisiko noch geringer. Denn die Studie bezog sich auf das ältere KKW Biblis B. Die deutschen KKW sind sicherer als bei ihrer Inbetriebnahme. Sie werden anhand der ständig wachsenden Erfahrungen und neuester Erkenntnisse laufend nachgerüstet.

schreiben die Betreiber. www.iavg.org/iavg051.pdf

Lassen wir uns auf das Spiel ein, nehmen wir es für bare Münze! Nehmen wir an, die Kraftwerke sind 2x sicherer als im Zitat behauptet. Dann bedeutet "Restrisiko" genau das folgende Spiel:

Stellen Sie sich einen kl assischen Wildwest-Saloon vor. Auf der einen Seite des Tisches sitzen wir: die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, auf der anderen Seite eine freundlich schauende Person: die Natur. Die Natur würfelt mit 7 Würfeln, ein Mal pro Jahr. Bei jedem Wurf bekommen wir einen Gewinn an Geld und Energie. Es ist also eine wahrhafte Gewinnstrategie.

Wir bekommen auch radioaktiven Müll, aber um den kümmern wir uns später, das spielt jetzt keine Rolle.

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wenn alle 7 Würfel des Spiels Sechsen zeigen, nimmt die mir gegenübersitzende freundlich lächelnde Natur einen Revolver und schießt mir vielleicht ins Bein, vielleicht in den Bauch, vielleicht in den Kopf. Wahrscheinlich werde ich das Ereignis überleben. Mein Körperschaden vererbt sich allerdings auch auf meine Kinder- und Kindeskinder. Die Gewinnstrategie wird ausbalanciert durch ein klitzekleines Risiko.

Aber die Wahrscheinlichkeit, dass das Risiko eintritt, ist so gering, dass ich für meine Bequemlichkeit, für meine Unabhängigkeit von Arabern und Russen, dieses Risiko auf mich nehme.

Wechsel der Perspektive!

Aus Sicht der Unternehmensleitung eines AKW-Betreibers sieht das Spiel noch ein klein wenig anders aus: Ich (als Unternehmen) bekomme bei jedem Wurf "der Natur" einen erheblichen Gewinn. Fallen sieben Sechsen, dann schießt die Natur der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland ins Bein oder anderswo hin. Dafür entschuldige ich mich dann in aller Form und das tut mir wirklich auch sehr leid. Meine Hochachtung vor den Menschen, die sich umbringen, um die Situation für Ihre Mitbürger zu retten! Das sind wahre Helden! Dosimeter liefern wir später.

Wenn die Bürger das Spiel beenden wollen, klagen wir den entgangenen Gewinn ein. Es ist also auch für uns eine wahrhafte Gewinnstrategie. Das klitzekleine Restrisiko tragen die anderen.

P.S. Meine Textverarbeitung erkennt das Wort "Tschernobyl". "Fukushima" wird allerdings als unbekannt markiert. Ich nehme an, beim nächsten Update wird sich das ändern.

14:50 03.04.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare 3