Irgendjemand muss es ja machen

Kirchenmedien Die "Funkkorrespondenz" hat die relevanten, manchmal auch knochentrockenen Medienthemen in der notwendigen Tiefe abgebildet. Ende Juni soll womöglich Schluss damit sein
Ausgabe 11/2013
Irgendjemand muss es ja machen

Foto: imago

Warum braucht die Welt Publikationen wie die Funkkorrespondenz? Der Name schon! Heute würde man höchstens eine Hipsterkneipe oder ein Kaninchen so nennen. Auf den 32 Seiten des wöchentlichen medienjournalistischen Fachdiensts gibt es Fotos zu rein dokumentarischen Zwecken, das Layout ist schlicht und die Themenwahl nicht die von TV Today.

Andererseits vereinfacht all das die Erklärung: Man braucht Publikationen wie die Funkkorrespondenz, weil der Sonntagskrimi schon überall sonst empfohlen wird. Ihr Daseinszweck besteht weniger darin, mit auflageorientierten Programmzeitschriften, mit Zeitungsmedienseiten oder mit, sagen wir, ganz Twitter um Themen und Leser zu konkurrieren, als vielmehr die relevanten, manchmal knochentrockenen Medienthemen in der notwendigen Tiefe abzubilden: „Akribisch recherchierte Hintergrundinformationen zu Medienpolitik, Fernsehen und Radio“, so steht es auf der Website. Irgendjemand muss es ja machen.

Gewinnorientiert war die Funkkorrespondenz dabei nie; seit 60 Jahren ist sie eine Dienstleistung der katholischen Kirche (die sie mitfinanziert) an der Gesellschaft. Auch die evangelische Kirche hat ihre Medien und Fachdienste. Kirchenmedien, das heißt nicht, dass in jede Hörspielbesprechung ein Bibelzitat geschmuggelt werden müsste. Das heißt erst einmal, dass es politik- und konzernunabhängige Fachorgane gibt, die sich mit Medienpolitik beschäftigen und mediale Entwicklungen begleiten.

Nun ist die Funkkorrespondenz, die eine zwar niedrige, aber seit Jahren stabile Auflage von etwa 800 Stück hat, in der Existenz bedroht. Sie erscheint bei der dreipunktdrei-Mediengesellschaft, einer Tochter der Katholischen Nachrichtenagentur, deren Mehrheitsgesellschafter der Verband der Diözesen Deutschlands ist. Wenn die katholische Kirche nun einen Betrag einspart, der laut Tagesspiegel pro Jahr „nicht einmal sechsstellig“ ist, könnte schon Ende Juni Schluss sein – die Entscheidung darüber dürfte im April oder Mai fallen. Der dreipunktdrei-Geschäftsführer Thomas Juncker, der sich derzeit nicht öffentlich äußern will, wurde vom Kölner Stadt-Anzeiger zitiert, er habe den „festen Willen“, die Funkkorrespondenz weiterzuführen, brauche von den Bischöfen dafür aber „Zeit und Geld“. Die dagegen denken wohl darüber nach, beides nicht zu investieren.

Man fragt sich, warum die Kirche aus einer vergleichsweise unaufwändigen, aber viel Reputation bescherenden Investition aussteigen sollte. „Mit der Herausgabe der ‚Funkkorrespondenz‘ nimmt die katholische Kirche eine wichtige Aufgabe als Treuhänderin der Öffentlichkeit wahr, so wie sie selbst auf vielen Feldern gesellschaftlich privilegiert ist“, heißt es in einem offenen Brief, der von bekannten Medienwissenschaftlern, -politikern und -schaffenden unterzeichnet ist. Anders gesagt, das Kerngeschäft der Kirche ist zwar nicht die Medienpublizistik, allerdings hat sie den Anspruch, in den Gremien öffentlich-rechtlicher Sender vertreten zu sein, also medial eine Rolle zu spielen. Und dieses Interesse bekräftigt sie über ihre Medien. Das nur für den Fall, dass die Bischofskonferenz eine Entscheidungshilfe benötigen sollte.

Klaus Raab ist freier Journalist. Er gehört zu den Autoren der Medienkolumne dasaltpapier.de, die vom Gemeinschaftswerk der evangelischen Publizistik finanziert wird

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