Nachverdichtung und Wahrheit

Satirekritik In München-Schwabing soll eine Gated Community für finanzielle Highperformer entstehen? Eindeutig: eine Gentrifizierungssatire. Obwohl: ganz so eindeutig eben doch nicht

Der Münchner Bauträger "Goldgrund" bietet ein traumhaftes Wohnobjekt für "finanzielle Highperformer" an, "L'Arche de Munich" geheißen, in einer Preislage bis zu 8,5 Millionen Euro pro Wohneinheit. Es handelt sich um ein Wunderwerk der "patentierten Stronghold-Architektur", mit "Doorman-Service" und eigenem U-Bahn-Zugang, wodurch eine Gated Community mitten in Alt-Schwabing entsteht. "Thomas Mann, die Bohème, Studentinnen – und Sie mittendrin. Wir entwickeln im Herzen des pulsierenden Künstlerviertels ein perfekt in sich geschlossenes Stadtquartier", heißt es auf goldgrund.org. München, hört man, werde durch die Erschließung des Filetgrundstücks nahe der Feelgood-Oase "Münchner Freiheit" innerstädtisch "nachverdichtet".

Klingt wie Satire? Ist zum Glück auch eine: Hinter "Goldgrund" steckt eine vierköpfige Abordnung der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Mit der gleichnamigen Website sowie 5.000 Flyern, ver­teilt in Schwabing, und goldenen Luftballons, verteilt an Kinder, hat sie ein Highend-Humorprodukt geschaffen.

Allerdings hat sie einige Münchner damit nachhaltig irritiert: Die Satire ist so gelungen, weil sie die Realität nicht umschreibt, sondern nur überzeichnet. Binnen 24 Stunden sei auf das Objekt bei Immoscout etwa 1.000 Mal zugegriffen worden, es hätten sich Interessenten und Makler gemeldet, heißt es. Alteingesessene Münchner schimpften, einige beschwerten sich bei der Stadtverwaltung. Denn es hätte ja sein können: Die Sales in Munichs Luxury-Segment sind ja keine Fiktion.

Was bleibt: ein unbebautes Filetgrundstück in Feelgood-Lage.

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