Sexismus ohne Rosenblatt

TV-Kritik Nicht die Show ist frauenfeindlich, sondern das Weltbild, das sie entlarvt: Über Christian Ulmens neues Format "Who wants to fuck my girlfriend?"
Sexismus ohne Rosenblatt

Na sowas! war eine ZDF-Show, in der Thomas Gottschalk den „Wahnsinn des Alltags“ präsentierte. Mal trat ein Hund auf, von dem sein Herrchen behauptete, er könne „Mama“ sagen, mal ein 14-jähriger Informatiklehrer. Das neue Tele-5-Format Who wants to fuck my girlfriend? mit Moderator Uwe Wöllner, einer Kunstfigur, hinter der der Fernsehliebhaber Christian Ulmen steckt, hat die Titelmelodie von Na sowas! übernommen. In diesem Verweis steckt die zweite Frechheit nach dem Sendungstitel: In Who wants to fuck ... stehen ja nicht sprechende Hunde, sondern Frauen im Zentrum.

Von der ersten Sekunde an ist das neue Format, dessen Konzeption Wöllner untergejubelt wird, einer Figur, die sich ihr Weltbild von Reality-TV-Formaten wie Der Bachelor und Girlscamp zurichten ließ, eine Irritation: Es gewinnt jener von zwei (realen) Kandidaten, dessen (reale) Freundin öfter im Imbiss angestarrt wird, auf dem Straßen-strich den höheren Preis heraushandelt oder Männer im Sexshop zu mehr schlüpfrigen Komplimenten verleitet. Das ist, eins zu eins gelesen, bodenlos, und kaum war die Show angekündigt, gab es starke Proteste; „sexistische Kackscheiße“ sei sie, produziert von „Arschlöchern“.

Wenn man aber drei Folgen vorab gesehen hat, wird man das Gefühl nicht los, dass sich die verfrühte Kritik selbst ins Bein geschossen hat. Die Show handelt nicht davon, dass Frauen wie Ware behandelt werden sollen. Sie leuchtet vielmehr mit den Mitteln der Reality-Gameshow aus, wie weit verbreitet dieses Frauenbild ist. Sexismus wird hier nicht mit Rosenbädern und Candle-Light kaschiert, wie im Bachelor, einer Sendung, die zwar nicht so heißt, aber tatsächlich davon handelt, dass Frauen von einem reichen Kerl flachgelegt werden wollen, sondern durch Überaffirmation entlarvt. Uwe Wöllner repräsentiert den der Realität abgeschauten Typus des Trampeltiers, das verbal toleriert („Bist du auch Veganerin und sowas, oder bist du nur lesbisch?“, fragt Wöllner in der ersten Folge, dem Spezial Who wants to fuck my lesbian girlfriend?), aber unfähig ist, sich selbst in einer anderen Position als jener des „Normalen“ zu verstehen.

Valide Kritikpunkte gibt es trotzdem. Eine Bloggerin der Mädchenmannschaft warf der Produktion vor: „Sexismus ist auch nicht gut, wenn er am Ende enttarnt wird“, was stimmt. Nur ist enttarnter Sexismus, von dem man als Zuschauer regelrecht Bauchschmerzen kriegt, nicht mehr derselbe wie ein nicht so benannter. Man kann die Aktivisten von den Yes Men als Vergleichsgröße heranziehen: Wenn die auf einer Wirtschaftskonferenz, verkleidet als Vertreter der Welthandelsorganisation, vorschlagen, Wählerstimmen zu versteigern und die Konferenzteilnehmer diesen Irrsinn beklatschen – sind dann die Yes Men undemokratisch?

Würde man Who wants to fuck…? in einem Theater spielen, würde niemand jene Flachgeistigkeit vermuten, die der Sendung unterstellt wird, weil sie auf einem Privatsender läuft. Man würde über eine medienkritische Performance faseln, sie würde aber niemandem weh tun und verpuffen. Es ist im Rahmen des Denkbaren, dass Who wants to fuck my girlfriend? im kommenden Jahr eine Grimme-Preis-Nominierung bekommt. Gründe gäbe es.

Who wants to fuck my girlfriend? Tele 5, Donnerstag, 23.10 Uhr

Klaus Raab beteiligt sich gerne an einem Shitstorm gegen Der Bachelor

15:30 13.02.2013

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