Wann kommt Google Wars?

Netzgeschichten Google ist schuld: an einem Konflikt zwischen Nicaragua und Costa Rica und möglicherweise daran, dass US-Bürger nicht gewählt haben – wären wir ohne Google besser dran?

Wäre die Welt besser, wenn es Google nicht gäbe? Dieser Tage gab es neues Futter für alle, die den Aufstieg des Suchmaschinenkonzerns zum Welt­wissensordner für einen Irrweg halten: Nicht nur dass der deutsche Dienst von Street View mit ungepixelten Häusern startete. Eine nicara­guanische Militäreinheit ist zudem in Costa Rica einmarschiert, weil der ­Kommandeur, so die offizielle Version, nach einem Blick auf Google Maps dachte, das Gebiet gehöre noch zu Nicaragua. Tatsächlich gab es einen Fehler im Kartenmaterial, den Google eingeräumt hat und nun korrigiert.

Ein weiterer Vorwurf an Google, aufgekommen nach den jüngsten US-Wahlen, lautet, das Unternehmen habe Wähler möglicherweise am Wählen gehindert: Die Google-Election-Center-App, die bei Bedarf den Weg zum Wahllokal anzeigt, habe eine beträchtliche Zahl von Leuten in die Irre geführt, kritisierte das Softwareunternehmen Aristotle (das ebenfalls einen Wahllokal-Lokalisierungsdienst anbot, also als Konkurrent zu verstehen ist). Was dazu führte, dass Google in großen Online-Medien wie Politico, verbreitet auch über den Drudge Report, als unzuverlässig kritisiert wurde.

Wenn man ein wenig tiefer googelt, verliert die Kritik aber an Fahrt: Google Maps zeigte zwar tatsächlich eine um 2,7 Kilometer verschobene Grenze zwischen Nicaragua und Costa Rica, allerdings hatte Google das Kartenmaterial vom US-Außenministerium bezogen. Und die Informationen über die Wahllokalstandorte erhielt das Unternehmen vom Voting Information Project, das nicht nur mit Google, sondern auch mit den Wahlbehörden zusammenarbeitet. Es will verhindern, dass Wähler nur deshalb nicht wählen, weil sie nicht wissen, wo sie das machen sollen – wie 2008, als nach Berechnungen knapp 1,9 Millionen US-Bürger ihre Urnen nicht fanden. Auch hier liegt der Fehler, falls es einen gab (das Blog Techpresident wies mittlerweile auf einige Unstimmigkeiten in der Kritik von Google-Kritiker Aristotle hin), höchstens indirekt bei Google.

Im Grunde sagen die Fälle also wenig über die Verlässlichkeit des Konzerns aus, der Inhalte in der Regel nicht kreiert, sondern verbreitet, als darüber, dass er zu mächtig ist – so mächtig, dass sich selbst das nicaraguanische Militär dahinter verstecken kann. Nur so erklärt sich auch die Kritik an Street View in Deutschland: Hier ist ja nicht das Problem, dass jemand Häuserfotos veröffentlicht – das geschieht in jedem Tourismusprospekt –, sondern dass es Google ist. Wäre die Welt ohne Google also besser dran? Kaum. Aber vielleicht mit mehr Googles.

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