Ottis Unterhosen

Triebphilosophie Der bekannte und beliebte Schauspieler lässt sich auf Frauen ein, bekommt die Rechnung dafür und erklärt sich "Bild": Betrachtungen zu Mensch, Männern und Trieben

Ach, die Welt! Sie wird von Männern beherrscht, und Männer von ihren Trieben. Die Triebe lassen den Mann unruhig hin und herwandern durch Nächte und Alleen, sie lassen ihn sich rüsten, lassen ihn zur Waffe oder sonstwohin greifen. Und wenn den Männern das Hin- und Herwandern zu anstrengend ist, dann leben sie ihre Triebe im Sitzen aus, in Sofas und an Theken, und wälzen jenen alles beherrschenden und so ungemein erhebenden Gedanken um: Man müsse besser als alle anderen sein, großartiger, umfangreicher und unwiderstehlicher. Und diese mächtige Idee, sie schrumpft für den Hausgebrauch auf Handhabbarkeit zusammen zur praktischen Dreifaltigkeit der Erkenntnis: „Grandios bin ich halt. Unwiderstehlich auch. Und ich muss da rein.“ Irgendwo rein beziehungsweise rauf zu müssen, das ist nämlich so die Grundphilosophie des Mannes: Neue Märkte warten darauf, erschlossen zu werden, neue Rendite-Gipfel wollen erklommen und fremde Länder wollen erobert sein, tausende hübsche Rehe freuen sich auf den Fangschuss. Das ist so des Lebens Sinn. Das ist der Ruf des Blutes, dem wir folgen müssen. Und wo die Rehe schon alle hingestreckt liegen, da tut es dann auch anderes Jagdwild, da tun es dann auch andere spannende Reviere, etwa „die Münchner Kneipenszene“, in welcher (O-Ton Mannsbild) „sich zu später Stunde die Milieus mischen und allenthalben die Unterdrückung des männlichen Jagdinstinkts auf eine harte Probe gestellt wird. Weil Mann und Frau sich, wenn auch alkoholverhangen, schöne Augen machen“.

Sie haben es natürlich längst gemerkt: Wir sprechen von Ottfried Fischer. Der hat die Kraft und die Herrlichkeit seines Geschlechts jüngst wieder ganz prachtvoll in die Medien reingeschoben: Denn das wollen die doch nur! Die Bild-Zeitung hat sich an ihn rangemacht und ihm ihre Seiten willig hingehalten, so dass der Otti, aber das ist man ja gewohnt als Erfolgsmann, nur noch ein bisschen am Griffel spielen musste, um der Jetztwelt ein paar erlesene Gedanken in den weit geöffneten Interviewplatz hinzuschlonzen, und die lesen sich dann so: „Der Mann neigt zum Trieb und leistet damit seinen Teil zum Erhalt der Menschheit.“ Oder, kleiner, süß zuckender Nachhöhepunkt: „Nichts Menschliches ist mir fremd – auch nicht das Irren.“ Was aber darf man vermuten, wenn Männer sich so schwülstig aus- zudrücken belieben, wenn sie ins all- gemeinmenschliche Philosophieren abzudriften beginnen? Genau. Sie haben gerade Mist gebaut.

In Ottis Fall sieht der so aus: Fischer, dick und verhaltensverlangsamt, wie man ihn hinlänglich kennt, und mittlerweile auch noch von der Parkinsonschen Krankheit geplagt, aber doch voll des edlen Bedürfnisses, seinen Teil zum Erhalt der Menschheit irgendwie beizutragen, er lernt in Münchner Feierkreisen eine Frau kennen, und da die Welt in der männlichen Wahrnehmung eine gut geordnete, um einen selbst herum zentrierte ist, fügt es sich mit großer Selbstverständlichkeit, dass diese Frau ihm binnen Kurzem erliegt, ihn tagelang zu Hause besucht und dann irgendwann dazu übergeht, auch noch eine Freundin mitzubringen. Otti wundert sich darüber kein bisschen. Otti genießt. Die Welt, wie es sich gehört, liegt ihm zu Füßen, das Jagdwild ist angesichts seiner waffenscheinfähigen Ausstrahlung einfach umgeplumpst, und ab und an schläft der Otti halt ein. Und die beiden supernetten Frauen, sie räumen seine Kreditkarte ab. Sie haben dem Otti gar nicht erzählt, dass sie Prostituierte sind. Und er das Jagdwild. Damit soll ein Mann nun rechnen!


Klaus Ungerer ist Autor und Mann, sein aktueller Roman trägt den Titel Alles über die Welt (2008).

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