Brasilien MUSS gar nichts!

Schutz des Regenwaldes Wir fordern von anderen Staaten die Bewahrung der tropischen Regenwälder. Doch welches Recht haben wir dazu?
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Brasilien muss seine Regenwälder vor Raubbau schützen. Indonesien ebenso. Weshalb müssen sie das?

Es ist wohlfeil, Andere für Fehler zu rügen, die man selbst nicht begeht. Die man gar nicht begehen kann, weil man sie schon begangen hat, und zwar vor langer Zeit. Die Rodungen im Mittelalter begründeten den Wohlstand, auf dem wir noch heute aufbauen. Welches Recht haben wir, anderen Ländern zu verbieten, dies ebenso zu tun?

Wald bedeckt in Brasilien fast 60 % der Landfläche, der größte Teil sind die ökologisch besonders wertvollen Urwälder. In Deutschland ist nur etwa ein Drittel der Landfläche mit Wald bedeckt, Urwälder gibt es keine mehr. Zwar reklamiert Deutschland gern für sich, die nachhaltige Forstwirtschaft erfunden zu haben, der Begriff „nachhaltig“ beschränkt sich jedoch auf wirtschaftliche Aspekte: nur so viel Holz einschlagen, wie im gleichen Zeitraum nachwächst, um eine nachhaltige Bewirtschaftung zu sichern. Ökologische Perspektiven waren dabei stets nachrangig.

Deutschland stößt 800 Millionen Tonnen CO2 aus, davon absorbieren unsere Wälder nur 52 Millionen Tonnen. Brasilien erzeugt 500 Millionen Tonnen CO2, die problemlos vom Regenwald aufgenommen werden können. Warum sollen sich die Brasilianer um das von den Deutschen verursachte CO2 kümmern und für uns eine grüne Lunge vorhalten? Unsere Forstwirtschaft läuft Sturm gegen die Forderung, 5 % der Waldfläche einer natürlichen Entwicklung zu überlassen. Was würden sie sagen, wenn die Weltöffentlichkeit uns auffordert, die grüne Lunge Deutscher Wald wieder herzustellen und wirtschaftliche Interessen hintenan zu stellen?

Was wir von anderen einfordern – den Schutz der Urwälder – sind wir selbst nicht zu leisten bereit. Brasilien rodet, um auf den Flächen Monokulturen anzubauen: Soja, Palmöl, Mais, Avocado. Wir haben Fichtenplantagen angelegt – wo ist der Unterschied?

Wir können die Fehler der Vergangenheit nicht gutmachen, jedenfalls nicht so schnell, wie es nötig wäre. Wenn wir nun von Anderen verlangen, diese Fehler nicht zu wiederholen, dann verlangen wir Verzicht auf ökonomischen Vorteil. Wie kommen wir zu diesem Anspruch? Wir können bestenfalls darum bitten. Und ein Angebot machen: Wir können zum Schutz der Urwälder nicht beitragen, weil wir sie vor langer Zeit vernichtet haben. Wenn ihr bereit seid, eure Wälder zu schonen und damit zum globalen Natur- und Klimaschutz beizutragen, dann werden wir euch den entgangenen ökonomischen Gewinn ersetzen.

Das wäre doch nur fair. Aber mit lächerlichen Millionenbeträgen ist das nicht getan, darüber sollten wir uns im Klaren sein.

14:18 27.08.2019
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Geschrieben von

Klaus Fürst

Es ist die unüberwindliche Irrationalität, die dem Menschen den Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit versperrt.
Klaus Fürst

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