Muss man auf Kommentare antworten?

Streitkultur Zum guten Ton gehört es, wenn Autoren das Kommentargeschehen zu ihren Beiträgen moderieren. Aber muss man dabei wirklich auf jede Meinung eingehen?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Beantworten Sie endlich meine Frage!

Warum gehen Sie auf meine Einwände nicht ein?

Das liest man häufig in den Kommentarspalten. Warum folgen Autoren nicht oder nur widerwillig solchen Aufforderungen? Vielleicht, weil nicht alle Kommentatoren so eingestellt sind wie BENNI, der meint:

Ich werde es so halten, dass, wenn mir Artikel oder Kommentare nicht passen sollten, ich mich auf Basis von Fakten oder in Meinungsumfeldern mit einer eigenen Meinung einbringe. Ich werde auch versuchen, anderen Autoren und Meinungen nicht auf die Füße zu treten. Das könnte ich für mich nur dann, wenn ich die einzige Wahrheit kennen würde und das auch belegen könnte. Das ist mir aber noch nicht untergekommen.

So viel Selbsterkenntnis bringen leider nur Wenige auf, bei Vielen ist die Gewissheit, im Besitz der einen Wahrheit zu sein, schon sehr deutlich ausgeprägt.

Alle hier Schreibenden opfern erhebliche Teile ihrer Freizeit einem Tun, das ihnen keinerlei Ertrag, stattdessen oft genug Enttäuschung und Frust bringt. Ist es deshalb nicht gerechtfertigt, dass man nur auf Erwiderungen antwortet, die zeigen, dass der Erwidernde sich ebenfalls Mühe gemacht hat, das Thema zu durchdringen? Der nicht einfach aus dem Bauch heraus seinen Senf dazu gibt, sondern sich mit Logik und Faktenlage des Beitrags auseinandergesetzt hat? Ich denke, dass jeder Autor das Recht hat, es abzulehnen, seine Zeit für die Beantwortung von Kommentaren zu opfern, die in die folgenden Kategorien fallen.

  • wenn der Grundton unhöflich bis beleidigend ist

In den meisten Blogs wird auf "Netiquette" geachtet. Man muss nicht unbedingt nett zueinander sein, es kann schon ruppig zugehen, aber auf die Grundformen des Anstands hat ein Jeder Anspruch. Den Grad der zulässigen Unhöflichkeit muss jeder Autor für sich bestimmen. Für mich bilden die folgenden Beispiele in etwa die Schwelle, ab der ich mich verweigere.

"und Sie selber noch mehr unterbelichtet sind als die von Ihnen verurteilte Masse."

"wenn ich sowas lese [...] weiß ich nicht, ob ich lachen oder kotzen soll.

Ich weiß, es geht noch viel schlimmer, aber für mich ist hier schon eine Ebene erreicht, auf die ich mich nicht ziehen lasse.

  • wenn Meinungen ohne Argumente geäußert werden

Jeder darf seine Meinung sagen. Oftmals ist diese aber mit keinerlei Argumentation verbunden. Nur der Hinweis, dass man die Position des Autors ablehnt und eine andere bezieht, ergibt keine Diskussionsbasis. Da muss schon begründet werden, warum man was ablehnt, und diese Begründung muss faktisch erfolgen, nicht allein mit dem Hinweis auf persönliche Ansichten. Um nicht missverstanden zu werden: das hier ist ein Meinungsmedium, Meinungen sind ausdrücklich erwünscht! Es geht nur darum, dass Autoren nicht jede Meinung beantworten müssen.

  • wenn die Fragen keine Fragen sind

Es gehört sich, auf Fragen zu antworten, denn der Fragesteller hat sich mit dem Beitrag auseinander gesetzt, und ihm ist einiges unklar geblieben. Hier muss auch mal ein Vorwurf an die Autoren gerichtet werden: viele machen sich nicht die Mühe, Fragen, die aus ehrlichem Interesse gestellt werden, zu beantworten.

Nun sind die Fragen aber oftmals rhetorischer Art, d.h. sie werden nur gestellt, weil man glaubt, die Antwort zu kennen, natürlich besser als der Autor. In diesem Falle handelt es sich um eine Meinungsäußerung, und dafür gilt das zuvor Gesagte.

  • wenn der Kommentar mit dem Thema des Beitrags nichts zu tun hat

Nicht Wenige versuchen, die Diskussion auf ein Thema zu ziehen, das ihnen besonders liegt, über das sie immer gern schreiben und streiten, das aber mit dem Anliegen des Beitrags nichts oder nur am Rande zu tun hat. Das ist oftmals sehr ärgerlich, da man ja auf eine Diskussion zu den angesprochenen Themen gehofft hat. Deshalb sollte es dem Autor gestattet sein, nicht nur die eigene Mitwirkung an diesem Nebenschauplatz abzulehnen, sondern auch diese Kommentare einzuklappen, um die Diskussion beim Thema zu halten. Schön fand ich, wie GEBE dies kürzlich handhabte:

Es bleibt mir der Zusammenhang verborgen. Eine Einladung zum etwaigen Gedankenpurzeln lehne ich höflichst ab.

  • wenn der Kommentar Anspruch auf alleinige Wahrheit erhebt

Dies ist sicher der heikelste Fall, leider aber auch der häufigste. Kommentatoren beharren auf einer Meinung, bringen immer wieder die gleichen Argumente in neuer Formulierung, und verlangen vom Autor, dass er sich endlich dazu positioniert. Der hat sich ja in aller Regel zuvor schon positioniert, aber nicht so, wie der Kommentator es gern sähe. Ich weiß, das ist eine schwierige Entscheidung, aber wenn der Autor das Gefühl hat, dass alle Argumente ausgetauscht sind, muss er auch das Recht haben, den Schlussstrich zu ziehen.

Mit BENNI habe ich begonnen, und er soll auch das Schlusswort haben:

Viele User hier - so ich das beurteilen kann - finden sich mit Argumenten gut zu recht. Es geht hier um die Inhalte, die Themen, nicht um das erwünschte Verhalten von anderen. Diskussion eben. Dafür ist das da. [1]

08:19 14.04.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Klaus Fürst

Es ist die unüberwindliche Irrationalität, die dem Menschen den Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit versperrt.
Klaus Fürst

Kommentare 32

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