Wagenknecht setzt Signal

LINKE Heute hat Sahra Wagenknecht ihrer Partei mitgeteilt, dass sie nicht mehr für den Fraktionsvorsitz kandidieren will. Es war ein längst überfälliger Schritt.
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http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/d/d6/DIE_LINKE_Bundesparteitag_10._Mai_2014-60.jpg/1280px-DIE_LINKE_Bundesparteitag_10._Mai_2014-60.jpgDen Ausschlag gab das Abstimmungsverhalten der Linksfraktion zum Hilfsprogramm für Griechenland im Bundestag. Doch der Schmerz sitzt tiefer.

Ich engagiere mich politisch, weil ich es unerträglich finde, wie dreist die Regierungen Europas die Ungleichheit vergrößern, wie selbstverständlich Armut und Hungerlöhne selbst in Deutschland wieder geworden sind und wie ignorant alle Traditionen einer friedlichen Außenpolitik in den Wind geschlagen wurden. Ich will, dass es dazu mit der Linken eine selbstbewusste, angriffslustige und vor allem eine stärker werdende Gegenkraft gibt, die den Trend irgendwann auch in Deutschland wenden kann.

In dieser Position, die nichts anderes als das beschreibt, was Kern linker Politik sein sollte, sieht sich Wagenknecht von ihrer Partei nicht mehr rückhaltlos gestärkt.

So wie jede Partei musste auch die LINKE irgendwann zwischen Etablierung und Bedeutungslosigkeit wählen. (Auf der Suche nach einer dritten Option scheitern sie alle.) Ebenso wie einst die GRÜNEN haben die LINKEN die Etablierung gewählt, und das bedeutet immer ein großes Stück Selbstaufgabe. Bei den LINKEN fiel die besonders heftig aus. Um in der parlamentarischen Konsenssoße mitschwimmen zu können, schwor man zunächst dem Kommunismus ab. Auch nur darüber nachzudenken, war nicht mehr erwünscht. So wurde schon 2011 Gesine Lötzsch geschasst, weil sie meinte "die Wege zum Kommunismus können wir nur finden, wenn wir uns auf den Weg machen und sie ausprobieren."

Was ist das Ende vom Lied? Es gibt keine wirksame politische Kraft mehr, die sich vor eine Bewegung zukunftsfähiger Gesellschaftsmodelle spannen ließe. Die überzeugend kommuniziert, dass es nicht reicht, kosmetische Operationen am gegenwärtigen System vorzunehmen, und die sich nicht auf die Spielregeln dieses Systems einlässt. So brauchen wir uns nicht zu wundern, dass auch das Volk die bestehende Ordnung für alternativlos hält. Es sieht nämlich, dass jede politische Kraft einknickt: die Linke distanziert sich vom Kommunismus, die Grünen vom Pazifismus, die Schwarzen von den Zehn Geboten. Was Wunder, wenn nur noch die Braunen glaubhaft machen können, klare Werte zu vertreten.

Hoffen wir, dass Sahra Wagenknecht nicht resigniert und bald eine neue politische Heimat findet (oder gründet). Das Zeug hätte sie dazu.

16:51 06.03.2015
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Geschrieben von

Klaus Fürst

Es ist die unüberwindliche Irrationalität, die dem Menschen den Ausgang aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit versperrt.
Klaus Fürst

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