Klaus Kosok

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Klaus Kosok
RE: Was suchen Erntemaschinen im Weinberg? | 13.11.2012 | 13:43

Lieber Weinsztein,

erklären kann man sich die entsprechenden Auffassungen z.B. dann, wenn man bedenkt, dass im maschinellen Lesegut (teils unreife) Trauben mit Grauschimmelbefall oder auch Restbestände der Weinbergsfauna anfallen können. Beides ergibt nicht gerade reintönige bzw. authentische Weine.

Die potentiellen Mängel der maschinellen Weinlese kann man allerdings weitgehend beseitigen, wenn man eine Vor- und eine Nachlese (per Hand), also wiederum Selektion betreibt.

Die Beispiele, die Sie nennen, können sehr leicht zu grünen Tanninen (erheblichen Bitternoten) im Wein führen. Auch diese sind wahrlich kein Genuss. Ich selbst würde z.B. auch nicht Stielmus dann als authentisch bezeichnen, wenn ich ihn mit jeder Menge Sand verspeisen müsste.

Herzlich

Klaus Kosok

RE: Was suchen Erntemaschinen im Weinberg? | 12.11.2012 | 14:34

Lieber Pl less,

soweit ich weiß, wird der weitaus größere Teil der Traubenernte weltweit maschinell gelesen. Der Vollernter macht dabei - trotz gegenläufiger Bemühungen - auch vor klassischen Grand Cru-Lagen (z.B. in Burgund) nicht halt. Und auch die Steillagen sind gegen diese Entwicklung nicht gefeit. Einzig bestimmte Formen der Reberziehung vertragen vorläufig noch keine Maschinenernte. Große Güter (vor allem der Neuen Welt) ernten fast ausschließlich mit dem grapeliner.

Herzlich

Klaus Kosok

RE: Wie steht es um Österreichs Nationalwein? | 04.10.2012 | 21:32

Liebe Denkfabrikantin,

der vorgegebene Umfang einer Kolumne wie meiner ist äußerst begrenzt. Allein aus diesem Grund müssen etliche interessante Aspekte des jeweiligen Themas ohne jede Erwähnung bleiben. Ansatzweise Antworten auf einige Ihrer Fragen sind dennoch in meinem Text enthalten.

Grüner Veltliner ist eine verhältnismäßig junge Bezeichnung für einen Wein, der einer nätürlichen Kreuzung aus Traminer und (vermutlich) St.Georgen-Rebe entstammt. Urkundlich gesichert ist die Existenz dieses urösterreichischen Weines erst seit dem 18. Jh.; einheimische Historiker sprechen diesbezüglich aber auch von einer erstmaligen Erwähnung im Jahr 1581.

Zumindest die Einteilung der Wachauer Weinberge in Riede geht auf den maßgeblichen Einfluss von Mönchen bzw. Klöstern zurück. Vor allem bayrische Klöster waren ab dem 10. Jh. in der Wachau mit Weinbau beschäftigt. Es gibt für die unmittelbare Nachbarschaft aber auch schon Nachweise für Weinanbau aus der Bronzezeit und für entsprechende Betätigungen der Kelten, später natürlich auch der Römer.

Sehr lange war Grüner Veltliner vornehmlich Schankware. Das hat sich in den letzten 50 Jahren vor allem durch entsprechende Initiativen kleiner Privatbetriebe geändert.

Herzlich

Klaus Kosok

P.S.: Interessant als Bedingung für die Qualität eines Weins ist vor allem der zuckerfreie Extraktwert. Unter den entsprechenden nicht-flüchtigen Substanzen spielt dann Glycerin eine besondere Rolle. Ein "dünner" Massenwein erreicht z.B. kaum 20 g/l zuckerfreien Extrakt.

Grob testen kann man den Extraktgehalt an den Schlieren, die ein Wein auf der Innenseite des Glases hinterlässt

RE: Wie steht es um Österreichs Nationalwein? | 02.10.2012 | 20:22

Lieber Grazer Denker,

ich bin angesichts vieler hunderter (verschiedener) Rezepte im Zusammenhang mit Blunzen nicht davon ausgegangen, dass die österreichische Gastronomie auf Sauerkraut als Beilage fixiert ist. Im Zweifelsfall nehmen Sie meinen Letscho-Zusatz als kulinarisch vielleicht nicht vollends unpassendes Produkt meiner Phantasie (natürlich aber nicht als Aufforderung zu Traditionsbrüchen).

"Stoffig" bedeutet üblicherweise "extraktreich".

Und schließlich: Ich schätze wie Sie auch so manchen steirischen Wein. Aber darüber ein anderes Mal!

Herzlich Klaus Kosok

RE: Vom Sterben großer Weine - und des gesunden Menschenverstands | 09.02.2012 | 11:41

Lieber Herr Supp,
wir sind uns vielleicht einig, dass es große, gute und andererseits mittelmäßige wie schlechte Weine gibt, dass Möglichkeiten existieren, zwischen diesen Weinen Unterschiede auszumachen, und dass solche Möglichkeiten von menschlichem Interesse sind. Vielleicht einigen wir uns auch darauf, dass große Weine unter anderem durch ihre Typizität und ihre Ausgewogenheit beeindrucken. Wenn Sie dem zustimmen können, dann könnte man sich in Konsequenz darüber verständigen, dass die beiden genannten Weineigenschaften nicht unter allen Bedingungen gewahrt bleiben bzw. zustande kommen können.
Sie haben recht: Barrique (oder Pièce) verunstaltet einen Wein, vor allem einen großen Wein nicht per se. Sie beziehen sich in diesem Zusammenhang ebenfalls zu Recht auf Henri Jayer. Dieser hat allerdings im Sinne eines distinkten Hinweises immer betont, dass das Barrique bzw. Pièce nur dann in Frage kommt, wenn der Wein mit dem Holz umzugehen imstande ist, und nicht umgekehrt. (Diese Frage entscheidet auch über die Konsequenz einer möglichen Übertünchung durch Vanille und andere Noten). Jayer war im übrigen durchaus eigensinnig, auch innovativ, aber niemals trendy.
Um letzteres sollte es in meinem Text aber gehen. Die Trends, die es im Piemont seit den 80er Jahren gibt, besprechen Sie als Trends auch in Ihren Artikeln. In meiner Kolumne zitiere ich (nicht ganz ungern) zwei Traditionalisten, die sich - recht couragiert - gegen diese Trends gestemmt haben, gegen eine Entwicklung, die sich durch ein Bündel von neuen Maßnahmen in der Vinifikation und im Ausbau ergab. Dieses Maßnahmenbündel lebte nicht von Innovationen, sondern von der Ausrichtung an vorgegebenen (maßgeblich französischen) Standards. Worum es darüber hinaus ging, hat Giorgio Rivetti, eine Galionsfigur der Modernisten, erstaunlich deutlich zugestanden. Wenn es um Märkte und Geld geht, geht es (verständlicherweise) nicht immer nur um die allerheiligsten Bedingungen (vor allem nicht immer nur um Qualität). Damit ist nicht gesagt, dass die neuen Weine "pfui" oder "untrinkbar" sind. Ich behaupte auch nicht, dass z.B. Voerzios Weine keine große Beachtung verdienen. Was ich behaupte, ist, dass die Weine der Modernisten an Typizität und Ausgewogenheit einbüßen etwa gegenüber Giovanni Conternos Weinen (was ich im übrigen schade finde und im übrigen auch renommierte italienische Experten wie Rino Fontana schade finden). Offensichtlich findet Voerzio etwas ähnliches, wenn er sich entschließt, zu längeren Maischestandzeiten zurückzukehren. Offensichtlich findet auch Chiara Boschis (die tatsächlich mit dem Rotofermenter arbeitet) etwas ähnliches, wenn sie mithilfe von neu angeschafften großen Gebinden wieder zu "klassischen Weinen" (Zitat!) zurückkehren will.
Die Kennzeichnung "Querköpfe" stammt nicht von mir, was Sie bei sorgfältiger Lektüre der Kolumne auch bemerken dürften. Die Bezeichnung "Der Trinker" stammt ebenfalls nicht von mir, dient aber, seien Sie versichert, nicht dem Versteckspiel. Die Beweiskraft Ihrer Verweise auf Probleme, in Blindproben Weine bzw. deren Qualitäten zu identifizieren, halte ich für relativ gering. Ich finde es z.B. auch nicht verwunderlich, dass die Stiftung Warentest behauptet, selbst Profis könnten in Tests nur schwerlich zwischen "großen Gewächsen" und Weinen aus dem Supermarkt unterscheiden. Ich hätte da auch meine Probleme.
Und da Sie so sorglos und flott mit meiner vita umgehen: Ich habe tatsächlich keine 3.000 unterschiedlichen Flaschen Barolo in meinen Leben verkostet, ich bin wahrscheinlich auch nicht so oft zu Gast bei "Starwinzern" und in "Sternerestaurants". Ich kenne aber z.B. Roberto Voerzio persönlich, ich kannte auch Henri Jayer persönlich. Ich bin weit davon entfernt, den Modernisten bestimmte parteipolitische Tendenzen nachzusagen. Und ich mache mich auch nicht anheischig, die Weinszene im Piemont durch meine kleine Kolumne ins Wanken zu bringen. Deshalb ist es auch nicht nötig, den Taliban Kosok bis zum Hindukusch zu bekämpfen. Nehmen Sie die Bemerkungen meiner Kolumne einfach als Bemerkungen eines Weinamateurs, der gelegentlich vor Ort ist, seine Einsichten nicht am Schreibtisch gewinnt, tatsächlich nicht immer den Common Sense gepachtet hat (das auch nicht will) und vor allem keine lobbyistischen Interessen verfolgt.
Prosit
Klaus Kosok

RE: Um ins Leben zu entkommen | 06.12.2011 | 10:33

Lieber weinsztein,
leider ist es mir erst jetzt möglich, auf Ihren Kommentar einzugehen.
Zu Ihren Hinweisen auf Weingläser: Natürlich wird man in bestimmten Lebenslagen nicht um einfache Wassergläser herumkommen. Auf einer Berghütte z.B. nach Riedel- oder Zaltogläsern zu fragen erzeugt zumindest Heiterkeit (falls dort überhaupt Wein angesagt ist). Grundsätzlich sollte man Wein aber aus dünnwandigen, tulpenförmigen Gläsern (z.B. so genannten INAO- oder ISO-Gläsern) trinken. Wenn Sie´s teurer haben wollen, ist Riedel wirklich nicht die erste Wahl (abgesehen vom Riesling-Glas). Da empfehlen sich Gläser wie Etoile de Bordeaux/de Bourgogne von Royale de Champagne oder entsprechende Zalto-Gläser (Denk´Art). Auch Schott liefert das eine oder andere brauchbare Glas (z.B. für den Beaujolais). Mit ordentlichen Degustationsgläsern kommen Sie aber immer zurecht. Schlechte Erfahrungen habe ich des öfteren mit Gläsern gemacht, an deren Herstellung (Design!) Sommeliers beteiligt waren. Da findet man viele Kunststöße am Wein vorbei. Ich kann Ihnen nur empfehlen, ein und denselben Wein einmal aus unterschiedlichen Gläsern zu probieren. Die Unterschiede sind mehr als deutlich. Schwenken Sie den Wein in den zu einem Drittel gefüllten Gläsern und halten Sie das Glas leicht schräg (der größeren Weinoberfläche wegen)!
Im übrigen: Mit Ihren Senfgläsern werden Sie einen Wein kaum in Form bringen (wenn er denn eine hat).
Um ein paar Dinge im Leben muss man sich halt kümmern (ohne daraus einen Aufstand zu machen).
Und noch eins: Gute Weine sind nicht identisch mit teuren Weinen! Und das gilt auch für Gläser.
Herzlich Klaus Kosok