Welcher deutsche Wein passt zum Sommer?

Der Trinker Klaus Kosok beantwortet alle Fragen rund um die Rebe. Diesmal empfiehlt er aus nicht wirklich gegebenem Anlass gute Sommerweine, von Kräutertwingert bis Iphöfer Kalb
Welcher deutsche Wein passt zum Sommer?

Illustration: Der Freitag

Der Sommer ist da und mit ihm, so das Wetter und andere Verhältnisse mitspielen, jene Leichtigkeit, von der Ringelnatz glaubte, man sei dazu aufgelegt, „Wölkchen aus dem sonnigen Himmel zu zupfen“. Die Menschen zieht es vor die Tür, und spätestens an lauen Abenden soll die Seele baumeln können. Zum Sommer gehören leichte Speisen und erfrischende Getränke. Wer nach passenden Weinen sucht, wendet sich leichteren Exemplaren zu, die dem Kopf keinen Summertime Blues bescheren.

Angesagt sind jetzt Weine, welche in Gehalt und Stilistik dem Bedürfnis nach Schwerelosigkeit gerecht werden, ohne wiederum die Geldbörse stark zu belasten. Es ist die Jahreszeit vor allem junger deutscher Rieslinge mit ihrer prägnanten Säure und Mineralität, ihrer geschliffenen Frucht und ihrer belebenden Frische. Nicht ohne Grund feierten US-Metropolen wie das hitzeträchtige New York im letzten Juli den summer of riesling ausschließlich mit Weinen aus Deutschland.

Unter den trockenen Rieslingen von 2011 findet man viele Weine, die zur heißen Jahreszeit passen. Formidabel sind die Erzeugnisse dreier Kultwinzer: Helmut Dönnhoffs eleganter Tonschiefer, Werner Schönlebers würziger Mineral, beide von der Nahe, sowie Klaus-Peter Kellers rassiger Von der Fels aus Rheinhessen. Preiswerter ist Timo Dienharts Kräuterwingert von der Mosel. Der junge Winzer verzichtet am Weinberg auf den Einsatz synthetischer Mittel und fördert bunte Rebhänge, auf denen auch Bienen zu Hause sind. Das Ergebnis „summt“ auf der Zunge: Der facettenreiche Riesling besticht durch mineralisch durchwirkten Stoff.

Trockener Silvaner zur Sommerlaune

Ebenfalls an der Mosel erzeugt der Paulinshof mit dem Urstück einen ausgezeichneten reintönigen Riesling von alten Rebstöcken, einen Wein mit Anklängen an Grapefruit und Rhabarber, mit Finesse, Nerv und einem Gehalt von nur 66 mg/l Schwefel total – für deutsche Verhältnisse erstaunlich wenig. Saftig präsentiert sich die Niederhäuser Hermannshöhle vom Weingut Schneider an der Nahe. Wer eigenwillige Weine mag, findet mit dem vollmundigen Saumagen 2009 aus den alten Holzfässern des Pfälzer Weinguts Koehler-Ruprecht einen barocken Riesling mit großer Komplexität. Ansprechend ist der biodynamisch hergestellte Schilfsandstein des Württembergers Jochen Beurer. Zur Sommerlaune passt auch trockener Silvaner aus Franken, markiert durch Apfelnoten, Kräuterwürze und erdigen Stoff. Genussreich präsentieren sich der Iphöfer Kalb von Hans Ruck, die Alten Reben von Armin Störrlein sowie der Rödelseer Küchenmeister von Paul Weltner. Schmackhafte Grauburgunder mit ausgeprägten Kräuternoten erzeugen Arne Bercher am Kaiserstuhl und Philipp Wittmann in Rheinhessen. Ausgesprochen charmant sind der feinnervige, nach Reineclaude schmeckende Weißburgunder des Moselaners Gernot Hain und der breitere, an Birnen und Walnuss erinnernde Weißburgunder Tradition von Philipp Kuhn aus der Pfalz. Launiger Gutedel kommt von den badischen Winzern Ziereisen und Heinemann.

Wer die Farbe wechseln möchte, greift zum frischen fränkischen Rosé von Ruck oder zum Pinot-Sekt vom Weingut Kirsten an der Mosel. Zum Sommer passt wegen seiner noblen Stilistik und seiner Aromen von Rose, Erdbeere, Kirsche, Pflaume und Tee auch der Schwarzriesling 2009 vom Südpfälzer Friedrich Becker, dem Grandseigneur der deutschen Rotweinszene. In seiner Nähe offerieren Theo Minges und Hartmut Stauch weiche, vollmundige, an Waldbeeren erinnernde Spätburgunder. Mit solchen Weinen lässt es sich auch an warmen Tagen leben, weil sie dem, was laut Ringelnatz „über uns himmelt“, ein Stück Sommerfrische schenken.

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16:00 30.06.2012
Geschrieben von

Klaus Kosok

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Klaus Kosok

Ausgabe 25/2021

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