kleinelch

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RE: Blockierte Lenkung | 03.07.2018 | 13:33

"Es ist eine strukturelle Komplizenschaft von Politik, Automobilindustrie und Konsumenten, die durchbrochen werden muss, wenn eine wirkliche Verkehrswende mit weniger Autos und mehr Lebensqualität stattfinden soll."Erster Fehler. Die Konsumenten sind keine Komplizen. Sie sind aber auch keine Märtyrer. Das deutsche System der Verkehrssicherheit beruht auf individueller Verantwortung und individueller Vorsorge und nicht auf systemische Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer. Im Gegenteil. Durch diese Konfiguration entsteht ein immanenter Sog zu 1. Kfz und zu2. immer größeren und immer schwereren Kfz.Es ist ein individuelles Wettrüsten. Die Spieltheorie lässt in diesem System ein Aussteigen nur um des Preis des Opfer-Seins zu.

Zweiter Fehler."Bisher zahnlos agiert auch die Zivilgesellschaft. Es gibt zwar wichtige einzelne Beiträge von Greenpeace, Deutscher Umwelthilfe und anderen, aber übergreifende Kampagnen kommen nicht zustande."In vielen deutschen Großstädten wird die Verkehrsdiskussion durch sogenannte "Radentscheide" bestimmt. Es handelt sich hierbei um Initiativen der Zivilgesellschaft, die beachtliche Erfolge zu verzeichnen haben. Siehe z.B. Berlin, wo dieser Tage aufgrund der gewaltigen Mobilisierung ein Mobilitätsgesetz verabschiedet wurde, mit dem Ziel, Rad-, Fußverkehr und ÖPNV annähernd gleichwertig zum Kfz-Verkehr zu fördern.Warum werden die unterschlagen?

"Peter Grottian ist Hochschullehrer für Politikwissenschaft an der FU Berlin und Koordinator des Bündnisses Verkehrswende „Weniger Autos – Mehr Lebensqualität“"Ist das die Crux? Es geht heute längst nicht mehr um Autos ("Weniger Autos"), ob weniger oder mehr. Es geht um die Alternativen zum Kfz-Verkehr. Sehr viele Autofahrer sind der Meinung, dass der Strassenraum neu aufgeteilt gehört. Das Gegeneinander-Aufstellen der verschiedenen Verkehrsteilnehmer Radfahrer, Fußgänger und Autofahrer ist die Spezialität des Boulevard ("Krieg auf den Straßen").Wer so mobilisiert ("Komplizenschaft von Politik, Automobilindustrie und Konsumenten") und damit die oft genug nolens volens Autofahrer gegen die Verkehrwende in Stellung bringt, der muss sich fragen, wessen Geschäft er betreibt.

RE: Viele Gewinner, viele Verlierer | 28.02.2018 | 10:39

"Aus dieser Misere führt nur eine Rückkehr zum Primat der Politik heraus. Es muss eine Strategie her, die nachhaltige Verkehrswende befördert, den sozialen Aspekt der Mobilität berücksichtigt und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit des Automobilstandortes im Blick behält."Der Verbrenner, also auch der Otto-Motor, ist schon aus Gründen des Klimaschutzes nicht mehr zukunftssfähig.Man kann nicht mit Braunkohle-Kraftwerken eine nachhaltige Stromversorgung organisieren.Der "soziale Aspekt der Mobilität" umfasst weit mehr als die Arbeitsplätze der Kfz-Industrie.Mobilität ist die materielle Grundlage für wirtschaftliche, soziale und kulturelle Teilhabe. Die Mobilität sehr vieler Stadtbewohner ist stark eingeschränkt durch den motorisierten Individualverkehr einer Minderheit. Wer sich nicht mit dem Kfz bewegt, wer das nicht will oder sich das nicht leisten kann ("sozialer Aspekt") und das sind die meisten, muss sich mit einem Minimum an Raum begnügen, wird getresst durch Lärm, Abgase und ständig von den Kfz-Besitzern an Leib und Leben bedroht.Große Teile unserer Städte sind zu Halden für die Produkte der Kfz-Industrie geworden.Da der Ausstoß der Fabriken aufgrund der Wachstums'logik' immer weiter erhöht werden muss, müssen diese Produkte vor ihrer Entsorgung auf immer größeren Arealen unserer Städte zwischengelagert werden.Der Raum wird knapp und knapper - Grundstückspreise und Mieten ("sozialer Aspekt") explodieren.

RE: Bitte wenden Sie jetzt | 16.11.2017 | 09:20

Mal zur Pendlerpauschale. Sie ist 1. ökologisch widersinnig und 2. strukturell ungerecht.zu 1.: Sie wirkt als Kfz-Unterhaltssubvention und als Zersiedelingsprämie.zu 2. Wer bewusst in der Stadt wohnt, zahlt höhere Mieten, pendelt nicht - geht aber trotz seines vernünftigen Verhaltens steuerlich gesehen leer aus. Die Pendlerpauschale sollte ersetzt werden durch eine allgemeine Mobilitätspauschale. Die könnte ziemlich einfach und kostenneutral umgesetzt werden. Ob man ein Kfz damit mitfinanziert oder die höhere Miete, das wäre dann die Wahl des Steuerzahlers. Die Pendlerpauschale gibt keinerlei Anreize für kürzere Wege.Die Mobilitätspauschale wäre ein Anreiz zum Wohnen in der Nähe des Arbeitsplatzes.

RE: Es bleibt eine Privatisierung | 12.05.2017 | 00:03

Ohne Privatisierung würde ja auch die Maut nun wirklich gar keinen Sinn machen.

RE: „Das Problem sind nicht die Autohersteller“ | 12.10.2016 | 00:34

E-Mobilität kann und wird die Kfz-Industrie nicht retten. Das wissen die und deshalb scheuen sie davor zurück.

Drei grundsätzliche Probleme:

1. Die Zukunft sind Städte. Autos in Städten, auch E-Autos, verhindern notwendige Mobilität mehr als dass sie mobil machen.

2. Klima ist nur ein Problem des allzu verschwenderischen Umgangs mit Ressourcen. Die der Klimapolitik geschuldete Verkehrswende muss und wird zu einer umfassenderen Resourcenwende werden.
Das Auto, auch das E-Auto, ist in einer urbanen Umgebung völlig überdimemsioniert.

3. Der notwendige Verzicht auf fossile Energie wird Energie verknappen. Wie schon beim "Bio"sprit (Auto versus Nahrung) wird die Mobilitätsenergie in Konkurrenz treten zu den alltäglichen Bedürfnissen, wie Licht, kochen, E-Geräte etc. und die Preise für diese Alltagsenergie hochtreiben.
Die daraus folgenden sozialen Energie-Verteilungskämpfe werden die für E-Kfz benötigte Mobilitätsenergie unpopulär machen bzw sehr verteuern.
Der motorisierte Individualverkehr in der Stadt hat ausgedient.

RE: „Die Stadt ist des Autos Untertan“ | 12.07.2016 | 17:53

Das Rad hat im Berliner Innenstadtbereich das Auto im Modal Split (Anteil der Wege) bereits hinter sich gelassen.

In ganz Berlin werden nur noch 26% der Wege mit dem Kfz zurückgelegt.

Trotzdem geht es im Interview zu über 90% um Auto, Auto, Auto.
Und nicht um die jetzt schon das Auto hinter sich lassenden Alternativen.

Ich nehme dies als Zeichen der Besessenheit vom Auto bei Verkehrsplanern und Verkehrswissenschaftlern gleichermaßen - im Gutem wie im Schlechten.

Vorwärts gewandte Verkehrswissenschaft geht anders: Raus aus dem Auto-Paradigma.

Was genau muss sich auf politischer/gesetzgeberischer Seite ändern, um dem Wunsch der Bevölkerung nach mehr Lebensqualität in den Städten nachzukommen? Was auf Haushaltsseite?
Wo gibt es Forschungsbedarf? Gibt es in Deutschland überhaupt unabhängige Verkehrsforschung? Warum gibt es in der Organisation der urbanen Mobilität zwar viel Polittourismus, aber keinen Best-Practice Transfer aus den Nachbarländern (!) Niederlande bzw Dänemark?

Kann allerdings auch sein, dass es einfach nur um Klickzahlen geht - gegen Auto klickt gut.

RE: Die Welt aus den Fugen | 26.03.2015 | 01:32

"Der Krieg in der Ukraine hatte seinen Ausgangspunkt – und daran kann nicht oft genug erinnert werden – im gewaltsamen Sturz eines Präsidenten,..."

Dies erscheint mir ein wichtiger Punkt.

Der Ausgangspunkt des Sturzes J.s war das Abrücken von der Unterzeichnung des Ass.-Vertrages.

Die Absage (J. hatt mit dem Versprechen, dass Ass- Abkommen auszuhandeln und zu unterschreiben, die Wahl gewonnen) erfolgte nach Beratungen im Kreml und aus Sorge um die nationale Sicherheit!

Der Schritt erfolge aus "Gründen der nationalen Sicherheit", teilte die ukrainische Regierung nach einer Kabinettssitzung mit. Die EU und die Ukraine sollten die Folgen des Abkommens zunächst gemeinsam mit Russland besprechen, hieß es. Genau dies hatte der russische Präsident Wladimir Putin vorgeschlagen. (Deutschlandfunk)

Hieraus hat sich die Maidan-Revolution entwickelt.

Unhaltbar wurde J. durch das bisher nicht aufgeklärte Massaker auf dem Maidan am 20.02.1914.

Man muss, oder kann zumindest, annehmen, dass bei dieser finalen Aktion die Befehlskette J. nicht mehr zu 100% unterstand, denn jedem, auch ihm selbst, hätte von vornherein klar sein müssen, dass diese Aktion mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu seinem Sturz führen würde.

Festzuhalten ist, dass mit J., der mit seiner Partei der Regionen seine Basis besonders im Donbass und auf der Krim hatte und dort bestens vernetzt war, es sehr schwierig bis unmöglich gewesen wäre, dort Aufstände gegen die Zentralregierung zu entfachen.

Musste er deshalb stürzen, um den Weg für den "separatistischen Bürgerkrieg" freizumachen?