Anne Will 22.Mai.2013

Fernsehkritik Geräderte Realität
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Schwer zu erleiden und düster bleibt diese eigentlich gute Sendung. Dank teilzeit-debiler Gäste werden alte Klischees aufgewärmt und der soziale Frieden weiter auseinandergezerrt. Michael Hartmann, Klaus Wiesehügel, Wolfgang Kubicki, Ellen Ueberschär und Hans Rudolf Wöhrls stritten sich in der Talkshow über das Thema "Abgehoben, abgeschottet, unsozial – sind so Deutschlands Eliten?". Zwar hatte der Sozial Wissenschaftler Michael Hartmann zumindest zeitweise etwas schlüssiges zu sagen, aber auch hier hielt sich der Erkenntnisgewinn in Grenzen.

Bei Diskussionen über Schichten sollte man eines Wissen: Es gibt traditionelle Sündenböcke die mit Freuden von Politikern und Wirtschaftssprechern für Probleme verantwortlich gemacht werden. Die wohl beliebstesten sind die "Armen" und die "Reichen". Nun sind realistisch "die Armen" nicht teuer genug um für die Probleme dieser Welt verantwortlich gemacht zu werden. (Hartz 4 bemisst sich in etwa als 6%des Staatshaushalts - die Zinsen der Schuldenlast sind kostspieliger.)

Aber auch "die Reichen" sind nicht stark genug. (Geld ist etwas virtuelles - die realen Werte kann man als Einzelperson kaum wirklich besitzen, man ist darauf angewiesen, dass die umgebenden Menschen einem den Besitz zugestehen. Eine Firma gehört jemanden auf dem Papier, die Privatarmee die sein Eigentum schützt besitzt er meistens nicht.)

Der wesentliche Unterschied ist vor allem: Die "Reichen" sind durchaus wehrhaft. Die "Armen" sind es nicht.

Und so wurde die Frage eigentlich klug definiert von der Moderation: "Hat die Entscheidungs-Eilte sich in ihrer Einstellung von der Normalbevölkerung entfernt?" Am Geld allein lässt es sich nicht festmachen. Denn genau, darum geht es bei sozialer Spaltung vorwiegend: Schieben sich die Leute gegenseitig die Schuld zu? Gönnt man dem unbekannten "Anderen" nichts mehr? Argwöhnt man dem Arbeitslosen seine Freizeit und dem Millionär seinen Reichtum? Vielleicht? Doch die Antwort kommt promt: In unerträglich belächenswerter Weise bestätigt der Wirtschaftsvertreter und "Unternehmer" Hans Rudolf Wöhrls genau diese Spaltung, in dem er behauptet es gäbe sie nicht:

Ungefragt und ohne jeden wirklichen Bezug zaubert er das Thema vergessenend die angeblich "faulen Hartz 4 Empfänger" und die "schwarzarbeitenden Heimwerker" als Argumente gegen soziale Spaltung aus dem Hut... Lieber Mann: Genau DAS ist die gesellschaftliche Spaltung, wenn Hoeneß millionenschweren Steuerbetrug mit schwarzarbeitenden Friseueren rechtfertigt und der schwarzarbeitende Friseur sich mit Hoeneß... Wenigstens haben wir jetzt alle Live und in Farbe die Bestätigung, dass die Elite wirklich zeitweise einen anderen Stern besiedelt. Auch wenn der gute Mann da offiziell noch garnicht dazu gehöhrt.

Ein Tipp: Möchte man etwas Soziales tun, etwas tun für "Andere", dann gibt man Hilfe oder Geld oder Zeit. Wenn man nebenher auch bitte noch höchstpersönlich entscheiden möchte, was denn nun eigentlich "sozial" für die Betreffenden und die Welt ist, befindet man sich in einem Bereich der zurecht "Selbstgerechtigkeit" getauft wurde. Das ist eines der vielen Gegenteile von "Sozial". Wenn ich mir selbst aussuche wer meiner Gnade würdig ist und wer nicht verhalte ich mich nicht gutherzig sondern diktatorisch. Drum kommen auf gefühlte tausend Kleinfußballverein Förderstiftungen und Kinderknuddelvereine vielleicht 10 Prfojekte für Kranke Erwachsene.

Wir dürfen uns also weiter auf eine Zeit Freuen in der die Armen als Schmarotzer und die Reichen als Verbrecher stigmatisiert werden. Willkommen zurück im guten alten Deutschland.

02:18 23.05.2013
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Geschrieben von

kleinerniemand

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