Christian Mihatsch
07.04.2017 | 14:48 10

Kohle in Europa vor dem Aus

Energie Überraschend geben Europas Stromkonzerne den Einstieg in den Kohleausstieg bekannt. Nur Polen und Griechenland sträuben sich

Kohle in Europa vor dem Aus

Foto: Patrick Pekal/Flickr (CC) flickr.com/photos/quakquak/3091903799

Eurelectric, der Verband der europäischen Stromerzeuger, will "ab 2020 nicht mehr in den Neubau von Kohlekraftwerken investieren". De facto bedeutet dies, dass nach 2020 kein neues Kohlekraftwerk mehr ans Netz geht – mit zwei Ausnahmen: Die Eurelectric-Mitglieder aus Polen und Griechenland haben sich diese Selbstverpflichtung nicht zu eigen gemacht. Eurelectric vertritt 3.500 Stromkonzerne aus ganz Europa.

Abgesehen von Polen und Griechenland sind in der EU laut der US-Umweltorganisation Coalswarm derzeit sechs Kohlekraftwerke im Bau: eines in Deutschland (das Kraftwerk Datteln 4 der Eon-Tochter Uniper), vier in Tschechien und eines in Bulgarien. Drei weitere sind in Planung – eins in Schottland und zwei in Deutschland.

Bei letzteren handelt es sich um das Braunkohlekraftwerk Niederaußem des Stromkonzerns RWE im rheinischen Bergheim, BoA plus genannt, und um ein Kraftwerk des US-Chemiekonzerns Dow in Stade an der Unterelbe. Das Kraftwerk in Schottland wird vom US-Energiekonzern Summit Power entwickelt und soll zur Demonstration der umstrittenen CCS-Technologie dienen (von englisch carbon capture and storage). Dabei wird das CO2 aufgefangen und anschließend unter der Erde gespeichert, zum Beispiel in ehemaligen Erdgaslagerstätten.

Da diese drei geplanten Kraftwerke kaum vor dem Jahr 2020 am Netz sein dürften, sind sie direkt von der Eurelectric-Ankündigung betroffen. Klimaretter.info hat die drei betroffenen Firmen gefragt, ob sich wegen der Eurelectric-Ankündigung ihre Planung ändert. Bis Redaktionsschluss lagen aber noch keine Antworten vor.

Gegen den weltweiten Trend

Nicht betroffen von der Eurelectric-Ankündigung sind derweil zehn Kraftwerke in Polen – davon fünf im Bau – und zwei in Griechenland, von denen eines schon im Bau ist. Ebenso wenig betroffen sind 20 Kraftwerke in den Nicht-EU-Ländern des Balkans. Montenegro will ein, Serbien acht und Bosnien sogar elf Kohlekraftwerke errichten. Von letzteren sind vier bereits im Bau.

In der Ukraine sind derweil vier Kraftwerke in Planung. Geradezu absurd wird es dann in der Türkei: Dort verzeichnet Coalswarm 80 Kraftwerke in der Planungs- oder Bauphase.

Damit stehen diese Länder gegen einen globalen Trend: Letztes Jahr wurde weltweit mit dem Bau von Kohlekraftwerken mit einer Kapazität von 65.000 Megawatt begonnen. Das sind zwei Drittel weniger als noch im Jahr 2015. Gleichzeitig gingen Kraftwerke mit einer Kapazität von 64.000 Megawatt vom Netz, wie eine Studie von Coalswarm zeigt.

Indien geht mittlerweile davon aus, keine zusätzlichen Kraftwerke mehr zu benötigen. In China wird die Arbeit an halbfertigen Blöcken gestoppt. In den USA kann selbst US-Präsident Donald Trump den Niedergang der Kohle nicht stoppen: Die Nachrichtenagentur Reuters hat 32 Stromkonzerne gefragt, ob sich durch Trumps kohlefreundliche Politik etwas an ihren Investitionsplänen geändert hat. Diese Frage hat nur ein einziger Konzern bejaht: Man prüfe, ob man einige alte Meiler länger laufen lasse. Von Neubau war nicht die Rede.

Derzeit ist in den USA ein einziges neues Kraftwerk im Bau und zwei weitere sind in Planung. Dafür stehen viele Kraftwerke vor der Abschaltung: Mehr als die Hälfte aller US-Kraftwerke wurde vor dem Jahr 1980 errichtet und einige stammen sogar aus den 1940er Jahren.

Mit dem Verzicht auf den Neubau von Kohlekraftwerken ab 2020 hat Eurelectric den Einstieg in den Kohleausstieg bekannt gegeben. Wann dieser abgeschlossen sein wird, ist aber unklar. Eurelectric gibt allerdings einen Hinweis, wann das letzte Kohlekraftwerk vom Netz gehen wird: "Unsere Mitglieder setzen sich für eine CO2-neutrale Stromversorgung im Jahr 2050 ein."

Fürs Klima käme das aber leider zu spät. Das Forschungsinstitut Climate Analytics aus Berlin hat ausgerechnet, was das Pariser Klimaabkommen für die Kohleverstromung in der EU bedeutet: Von den 315 Kraftwerken müssen ein Viertel bis 2020, weitere zwei Viertel bis 2025 und das letzte Viertel bis 2030 vom Netz gehen. Das gilt auch für die Kraftwerke in Polen und Griechenland.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf klimaretter.info

Kommentare (10)

na64 07.04.2017 | 20:33

nrm,ü4rl+rlm,
Der Tot hat ein neues Zuhause. Es ist im Himmel und der wird langsam grau.
Glückseligkeit kreiert Ignoranz oder Ignoranz kreiert Glückseligkeit. Ignorante Glückseligkeit kreiert die Weichen der Zukunft und erzeugt das Dopamin elektrisch. Ist mir im Bus eingefallen, da heute ein Tag war an dem der Verkehr weder auf der Straße noch in der U-Bahn und in der Straßenbahn funktioniert hat. Alle haben sich dann den blauen Himmel im Handy angesehen, um sich vom Alltagsgeschehen nicht die depressive Stimmung geben zu lassen.

Infrastruktur Arbeit und Verkehr wegen der Arbeit ist eine riesengroße Baustelle geworden und kaum zu bewältigen, da man da alte Gewohnheiten verlassen sollte und man neue Ideen und Wege braucht für die Pünktlichkeit. Hallo ignorante Glückseligkeit, alles nicht mein Problem, ist mir nur aufgefallen das dies alles nicht mehr so funktioniert wie man es gerne hätte, da in dieser Infrastruktur nur noch Enge vorherrscht und kein Platz mehr für die Entfaltung von beweglicher Geschmeidigkeit vorhanden ist. Die Beweglichkeit einer Nation mit Ihrer Infrastruktur Arbeit und Verkehr ist am wachsen und braucht auch immer mehr Energie dafür und das Klima interessiert keinen mehr. Wichtig sind die augenblicklichen Lebensumstände die wir für unsere Zukunft weiterhin als Gewohnheiten haben wollen und wenn da kein echter blauer Himmel mehr dazugehört, dann holen wir uns die Glückseligkeit elektrifiziert in Auge hinein. Und jetzt ist Wochenende und auch die Ferien sind da und dadurch weniger Autoverkehr in Nürnberg, da Sie ja alle ausreisen in die Ferne, für ein kreieren Ihrer persönlichen Glückseligkeit. Damit das funktioniert braucht es Energie in unendlicher Ausschöpfung und egal woher die Form der Energie auch kommt, Hauptsache es brennt das Feuer und die Leidenschaft für unsere inspirierte bewegliche gestalterische Mobilität. Diese Bewegungsströme hören erst auf wenn wir keine Rohstoffe mehr vorfinden die wir in unsere nutzbaren geistigen wie körperlichen Anstrengungen verwenden können. Interessant ist hierbei nur noch eines. Was ist schneller. Das streben nach unserem Dopaminglück, oder das wegfallen unserer Natur als unseren Lebensraum.

Grenzpunkt 0 09.04.2017 | 15:50

„Dies scheinen nun auch Europas Stromkonzerne verstanden zu haben. Am gestrigen Mittwoch gaben sie überraschend den Einstieg in den Kohleausstieg bekannt.“

Ohne ein Freund der Kohleverbrennung oder ein Klimawandelleugner zu sein, möchte ich doch folgendes zu bedenken geben.

Wenn hier Stromkonzerne gefragt werden, so muss man ihre Entscheidung immer im Lichte von deren Interessen sehen. Diese Interessen sind in den wenigsten Fällen langfristig ausgerichtet und beziehen sich lediglich auf Profit. So kann man sich jetzt natürlich freuen, dass es in Zukunft eine Menge CO2-Produzenten weniger geben wird. Allerdings sollte man dann auch bedenken, wenn man den Energieverbrauch nicht entsprechend verringert, dass diese Energie dann auf anderen Wegen zur Verfügung gestellt werden muss. Diese Aufgabe ist gigantisch, erfordert sehr viel Kapitaleinsatz und Vorlaufzeit. Ich sehe gegenwärtig nirgends die entsprechenden Bemühungen.

Für einen ganz kleinen Einstieg in die Problematik empfehle ich den Artikel von Vince Ebert „Was wäre, wenn wir alle elektrisch fahren würden?“. Hier werden, im Gegensatz zum Artikel, beide Seiten der Bilanz leicht verständlich gegenübergestellt.

gelse 10.04.2017 | 07:34

Wenn wir alle elektrisch fahren, wird natürlich der Verbrauch an Elektroenergie steigen, weil die die bislang verbrauchte Verbrennungsenergie ersetzt werden muss.
Fahren wir auf Schienen, dann beträgt der Verbrauch pro Pkm* beim Personenverkehr etwa die Hälfte des Verbrauches auf der Strasse. Beim Gütertransport beträgt der Verbrauch pro Tkm* ein Viertel des Strassenverbrauches.
Somit würde eine möglichst weitgehende Verlegung von Verkehr und Transport auf Schienenwege dazu führen, dass der Strassenenergieverbrauch nicht komplett ersetzt werden muss. Es müsste also nicht jedes AKW/KKW durch andere Energieerzeuger ersetzt werden, sondern weniger als die Hälfte. Ausserdem braucht man dafür keine Akkumulatoren: Ein Leitungsnetz ist an vielen Schienenwegen vorhanden und müsste beim Ausbau nur noch ergänzt werden.
Ein weiterer Vorteil wäre die sehr viel geringere Unfallrate des Schienenverkehrs. Man könnte einiges Leid vermeiden und das Gesundheitssystem entlasten.
Strassen könnten so weit zurückgebaut werden, dass nur noch Wege für Feuerwehr, Rettungsdienst und Zulieferer übrig bleiben. (Ob diese Fahrzeuge elektrisch oder mit Erdgas betrieben werden sollen müssen wir hier nicht entscheiden.) Die freiwerdenden Strassen- und Parkplatzflächen können begrünt werden und tragen zur Verbesserung des Stadtklimas bei.

Das Problem liegt nicht in der technischen Umsetzbarkeit. Sondern darin, dass aus einfachen Lösungen weniger Profit gezogen werden kann als aus aufwändigen. Es ist also auch in der Verkehrstechnik wieder mal der geheiligte Kapitalismus, mit dem wir uns immer wieder ins Knie schiessen.

* Pkm = Personenkilometer = 1 Person wird 1 km weit transportiert
Tkm = Tonnenkilometer = 1 Tonne Nutzlast wird 1 km weit transportiert
Auf diese Weise können unterschiedliche Verkehrsmittel verglichen werden.

Grenzpunkt 0 10.04.2017 | 12:30

Sie gehen an das Problem mit sehr viel gesundem Menschenverstand und gutem Willen heran. Aber, das allein reicht nicht. Vince Ebert hat es deutlich gemacht, dass die andere Seite durchgerechnet werden muss. Und zwar bevor man sich zu sehr weitgehenden Umwälzungen entschließt. Schon für die Elektromobilität sind die Aufgaben gigantisch und müssen innerhalb eines bestimmten Zeithorizontes bewältigt werden. Auch die Verlagerung auf die Schiene zieht sehr viel mehr nach sich, als nur die positiven Aspekte, die Sie aufgezählt haben. Strecken müssen ertüchtigt oder neu gebaut werden, Fahrzeuge müssen beschafft und bezahlt werden usw. Kurz gesagt, ich erwarte Verbindlichkeit in Bezug auf Investitionen, Zeiträume und Verantwortlichkeit.

Die Umstellung unserer Volkswirtschaft von Kohle und Atom auf andere Energieträger ist noch einmal um Größenordnungen aufwändiger. Und ganz nebenbei gefragt: Wer übernimmt die Verantwortung für Versorgungssicherheit? Für mich zeigt sich an der Meldung, dass die großen Energiekonzerne sich wieder, wie schon bei der Entsorgung der Kernenergierückstände, davonstehlen. Das muss man nicht noch mit Beifall bedenken. Wir sind daran gewöhnt, dass der Strom aus der Steckdose kommt, immer und in jeder Menge. Hier können sie sich die gegenwärtige Situation ansehen. Der schmutzig graue Bereich muss dann zu jedem Zeitpunkt in voller Höhe durch die schönen grünen und gelben Bereiche ersetzt werden. Viel Zeit bleibt dafür nicht mehr.

gelse 12.04.2017 | 04:59

>>Auch die Verlagerung auf die Schiene zieht sehr viel mehr nach sich, als nur die positiven Aspekte, die Sie aufgezählt haben.<<
Stimmt, ich hatte nur mal den Energieverbrauch herausgestellt. Mehr als kurze Anmerkungen, die natürlich nicht alle Aspekte behandeln können halte ich hier, wo das Thema maximal 3 Leute interessiert für unproduktiv.
Investitionen müssen von der Strasse zum Ausbau der Schienenwege umgeleitet werden. Im Prinzipe würde auch bei der Fahrzeugbeschaffung eine Umlenkung von Geld stattfinden: Von der Anschaffung der PKW und LKW hin zu Schienenfahrzeugen. Allerdings ist das aufgrund der unterschiedlichen Betreiber der Fahrzeuge komplizierter. Grosse Speditionsfirmen und vor Allem die Automobilindustrie setzen dagegen ihre Lobbyisten ein.

Weitere Einsparpotentiale müssen natürlich genutzt werden. Zum Beispiel ist ein weitgehender Verzicht auf Standby bei elektronischen Geräten möglich, und der Einbau von Hochvoltschaltern, die das ganze Gerät vom Stromnetz trennen. (Zurzeit werden die billigeren Niedervoltschalter verwendet, die beim Ausschalten nur die Elektronik vom Netzteil trennen. Das Netzteil bleibt mit dem Stromnetz verbunden.) Bessere Tageslichtausnutzung* in Arbeits- und Verkaufsräumen wäre auch möglich. Auch diese spontane Aufzählung ist unvollständig.

>>Wer übernimmt die Verantwortung für Versorgungssicherheit?<<
Gute Frage. An sich könnte das ja ein Verbund kommunaler Energieversorger das besser leisten als Privatprofit akkumulierende Investoren. Allerdings haben Diese Geld und Kommunen ausser Schulden nichts.
Zur Versorgungssicherheit mit vorwiegend photovoltaischen und Windenergieanlagen muss genügend Speicherkapazität bereitstehen: Man sollte sich also ernsthaft überlegen, wo wieviele Pumpspeicherwerke sein sollen, denn die haben sich schon lange als Grosspeicher bewährt.
Neben den „Hype“-Anlagen sollten Laufwasserkraftwerke und Geothermie eine wichtige Rolle spielen. Ein Rest an Gasturbinenkraftwerken wird wohl trotzdem bleiben müssen.

Von zur Zeit möglichen Regierungen erwarte ich in der Beziehung nichts, ausser Rückzug zwecks Umlenkung von Finanzmitteln für militärische Aufrüstung.

Grenzpunkt 0 13.04.2017 | 11:11

"Zur Versorgungssicherheit mit vorwiegend photovoltaischen und Windenergieanlagen muss genügend Speicherkapazität bereitstehen: Man sollte sich also ernsthaft überlegen, wo wieviele Pumpspeicherwerke sein sollen, denn die haben sich schon lange als Grosspeicher bewährt."

Sie haben natürlich recht, wenn Sie schreiben, dass das Thema nur wenige interessiert. Andere Beiträge haben wesentlich mehr Leser und Beitragsschreiber.

Zu den Speichern noch eine Anmerkung. Dieses Problem wird nicht mit Pumpspeicherwerken zu lösen sein. Dazu ist das Potenzial viel, sehr viel, zu klein. Vielversprechender sind Lösungen, die überschüssige Energie chemisch (z. B. Methan) speichern. Aber auch dort haben wir noch keine ausgereiften kostengünstigen Lösungen. Das ist jedoch Voraussetzung für die Akzeptanz in der Bevölkerung.

gelse 14.04.2017 | 07:57

>>Vielversprechender sind Lösungen, die überschüssige Energie chemisch (z. B. Methan) speichern.<<
Man könnte Wasser per Elektrolyse in Wasserstoff und Sauerstoff spalten. Dann den Wasserstoff speichern oder, wegen der besseren Lagerfähigkeit Kohlendioxid reduzieren CO2 + 4 H2 -> CH4 + H2O. Das geht nicht mit Luft, das Kohlendioxid müsste erst energieaufwändig aufkonzentriert werden. Ausserdem entsteht ein Energieverlust durch die Produktion des nötigen Katalyators.
Oder es würden reversible Brennstoffzellen benützt, die den Wasserstoff speichern könnten und als Elektroenergie wieder abgeben könnten.
Alle diese Methoden zeichnen sich durch einen relativ geringen Wirkungsgrad aus.
Pumpspeicher habe ich erwähnt, weil sie die technisch einfachste und effizienteste Speichertechnik sind: Man bleibt innerhalb der Stromerzeugungstechnik mit Turbine und Generator und braucht ausser einer Pumpe keine aufwändige Zusatztechnik wie Anlagen für chemische Reaktionen, Gastanklager oder Brennstoffzellen. Bei kleinen Anlagen können Pumpturbinen verwendet werden, das heisst das gleiche System läuft abwechselnd als Motor/Pumpe oder Turbine/Generator. (Ich halte eh ein Netz von dezentralen Kleinanlagen für günstiger, nicht nur aus technischen Gründen).
Es wäre also unvoreingenommen zu prüfen, wieviel Kapazität für kleine Laufwasserkraftwerke (auch Strömungsturbinen und Wasserkraftschnecken), Geothermiekraftwerke und Pumpspeicher vorhanden ist. Wobei Speicher ergänzend durch Wind und Photovoltaik beliefert werden.

Bei alledem darf Energiesparen als wichtige Energiequelle nicht vernachlässigt werden. Deswegen habe ich meinen ersten Kommentar auf den Energiefresser Strassenverkehr abgestellt: Energietechnisch gesehen ein profitabler Wahnsinn. Ganz allgemein wird ein rationelles Gesamtkonzept durch private Profitinteressen verhindert.

Grenzpunkt 0 15.04.2017 | 21:58

"Ganz allgemein wird ein rationelles Gesamtkonzept durch private Profitinteressen verhindert."

Das muss nicht unbedingt so sein. Aber solange sich die Politik nicht in den Dienst der ganzen Gesellschaft stellt, wird sie nicht die nötigen Rahmenbedingungen schaffen. Dazu müssen die Politiker, aber auch die Wähler, sachkundig entscheiden können. Das dazu nötige Wissen liegt zwar nicht auf der Straße, aber im Internet für jeden verfügbar vor. Auf die Seiten des Fraunhofer ISE habe ich schon verwiesen. Heute ist bereits die installierte Leistung von Wind und Photovoltaikanlagen (90,49 GW) größer als die von Braunkohle-, Steinkohle- und Kernkraftwerken (60.08 GW)zusammen. Wasserkraft liegt weit darunter (5,59) und ist vom Potenzial her ausgeschöpft. Um beim gegenwärtigen Umwandlungswirkungsgrad (Methanisierung) die drei Kraftwerksarten zu ersetzen, müsste deren installierte Leistung noch einmal um das mindestens 4-fache durch Solar und Wind abgedeckt werden. Denn es geht nicht nur um kurzfristige Speicherung, sondern für Monate im Voraus. Im letzten Januar haben die Erneuerbaren kaum zur Stromproduktion beigetragen (10 %). Das hätte schon im vorausgegangenen Sommer vorproduziert werden müssen.

Eine tragfähige Lösung müsste hybrid aussehen. Russisches Gas + Erneuerbare + Methanisierung sehe ich als das beste Konzept. Die Gaskraftwerke lassen sich regional verteilt mit beliebig skalierter Leistung bauen. Jede größere Kommune könnte ein eigenes haben, welches durch Kraft-Wärme-Kopplung gleichzeitig für die notwendige Heizenergie sorgt. Das Gasnetz ist vorhanden und kann als Speicher dienen.