klonkifanko

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RE: Generation Wohlstand | 24.05.2014 | 12:16

Zur Sache:

Leider muss man, ausgehend von einem solchen Generationenpotrait, auch umgehend auf die zu sprechen kommen, die da noch kommen. Das Problem des unpolitischen Konsumismus hat sich schließlich auch weitervererbt. Heute treten die Kinder der Babyboomer im jungen Erwachsenenalter nicht mal mehr in die ihrem Bundesland entsprechende Partei ein. (Ohne das fordern zu wollen!)

Sie leben in noch viel größerem Maße in einer Blase aus Konsumangeboten, die ihnen - ich kann es in der Schule tagtäglich beobachten - mittlerweile schon die Lust am Leben verleiden. Wie der Soziologe Bauman beschrieben hat, ist das immer dominanter werdende Credo des "Lebens als Konsum" die Selbstgeißelung: "Du bist nicht up to date genug!" Daraus folgt ein Minderwertigkeitskomplex, der in extremen Persönlichkeitsmustern und dem immer aggressiver werdenden Kampf um Aufmerksamkeit seinen Ausdruck findet.

Das Allerschönste daran ist aber: Die Marktwirtschaft trägt sich selbst immer mehr das Fundament ab. Indem Kinder und Jugendliche schon als Minderjährige in erster Linie als Konsumenten betrachtet und mit Befriedigung ihrer (induzierten) Bedürfnisse angefixt werden, steht ihre Zufriedenstellung in keinem notwendigen Verhältnis mehr zu irgendeiner Anstrengung. Im Gegenteil: Der Wohlstand gelingt in der Adoleszenz vollständig auf Pump - auf Pump der Baby-Boomer und auf Pump von "easy credit". Kommt der Tag, an dem er selbst erarbeitet werden muss, ist dies durch Konditionierung ein so fremdes Konzept geworden, dass außer Überforderung nur Depression übrig bleibt.

PS: Nein, das ist keine Jugendschelte, sondern eine unserer Lebensform.

RE: Generation Wohlstand | 24.05.2014 | 12:10

Guter Artikel, ätzende Kommentar, denen ich gern diesen ätzenden nachsende. Leute, redet mehr zur Sache als über Euch selbst!

RE: Die Bekassine und der Schwarm | 07.05.2014 | 17:35

Lobos Rede war der verzweifelte Versuch, "die Netzgemeinde" mit Worten zu einer politischen Bewegung zu überhöhen. Sie ist es nicht und sie wird es nicht, weil sie von Beginn des technischen Fortschritts in Richtung Vernetzung an die Vorteile genossen hat, ohne über die Währung nachzudenken, in der diese Vernetzung bezahlt wird.

Plötzlich zitiert Lobo Marcuse und ist richtig sauer - im Publikum nicken ein paar, viele gucken lieber auf ihr Handy oder Tablet. "Die Netzgemeinde" ist der Verein der Konsumenten, die am liebsten online konsumieren.

Das Internet ist nicht frei. Es gehört den US-amerikanischen Monopolisten und bedient die Interessen, mit denen diese Monopolisten so lange einverstanden sind, wie sie daraus ihre Profite ziehen.

Für Google und NSA ist das Internet, wie es heute existiert, eine Win-Win-Situation. Aber wo ist der "Player", der den "Druck" aufbauen sollte, von dem Lobo träumt?! - Ich sehe ihn nicht.

Wenn man nicht naiv ist im Hinblick auf die Machtverhältnisse, dann kann man nicht ernsthaft von "Netzpolitik" reden und die paar "Aktivisten" meinen, die Reden halten wie Lobo.

RE: Ich geb' uns nicht so schnell auf | 13.01.2014 | 07:43

Möchte gern Achtermann zustimmen und der Tatort/Polizeiruf-Community empfehlen, selbst erst eine Nacht zu schlafen, bevor man die Kritik beim Frühstück genießt.

Man sollte außerdem das Genre nicht vergessen, in dem Herr Dell hier schreibt. Das Argument, man dürfe nicht kritisieren, was man selbst nicht besser kann, hätte nicht einmal Marcel R.-R. seine Arbeit machen lassen... Lassen wir's also damit.

Zur Sache, Herr Dell: Ich stimme beinahe allem zu. Was ich sonst an Rostock mag, das schien in dieser Episode eher selten auf. Übersehen zu haben scheinen Sie aber den Subtext von Geheimnis und Geheimnisverrat, der die Folge für mein Empfinden getragen hat. Dass Vivian und Volker ihr Geheimnis pflegten, man im Fall über die anonymen sexuellen Praktiken von Lehrern und anderen erfuhr, warf schließlich auch ein Licht auf andere Figuren. So dachte ich mehrmals bei skeptischen Einwürfen des Vorgesetzten: Moment mal, will der vielleicht selbst nicht, dass in "der Szene" ermittelt wird? Und dass es zwischen Bukow und der Ärztin zunächst wirklich eigentümlich zu funken schien - auch das gehört in diesen Kontext und gefiel mir gut.

Dennoch: Von den letzten Folgen aus Rostock war das die schlechteste, weil weltfernste und reißerischste Ausgabe.

RE: Warum Hitzlsperger die Ausnahme bleiben wird | 13.01.2014 | 07:27

Danke für den Kommentar.

Ich hatte mich eigentlich nicht outen wollen, aber ich bin einer dieser sog. "Heteros", die es zuerst mal in Ansätzen mit Fußballinteresse probiert haben...

RE: Tag 1: Ohne Angst verschieden sein | 31.12.2013 | 10:08

Ich war versucht, einen wütenden Kommentar zu schreiben, und dann las ich Ihren. Alles auf den Punkt gebracht! Bravourös, möchte ich noch sagen.

Und eine kleine Ergänzung dann doch in die Runde werfen: Wenn in den Debatten selbst schon die "Mitschuld-Frage" aufgeworfen wird, warum fragt dann niemand, was es eigentlich politisch bedeutet, dass es eine Gruppe von Menschen (die Mitgliederschaft hat nach meiner Erfahrung ja eine vergleichsweise geringe Fluktuation), die sich professionell mit "Theorie" beschäftigen darf, die aber gleichzeitig immer eminent politisch sein will?! Einfach ausgedrückt: Der Grund dafür, dass an deutschen Universitäten die sog. kritische Theorie ausgehalten wird, ist ihre politische Irrelevanz.

RE: Stimmung auf locker | 18.11.2013 | 07:45

Lieber Herr Dell,

wir sind uns im Großen und Ganzen einig. Nur in einem Punkt muss ich meckern - wenn auch vielleicht "erwartbar": Das große Janze ist die Ruhrgebietsrealität. Es mag in anderen Landesteilen anders ausseben, aber in unseren Primark-verseuchten Innenstädten zeigt sich nichts anderes als der verzweifelte Wunsch nach Aufstieg, der im Prollporsche an der nächsten Ecke sein Vorbild hat (wohl wissend, dass drinnen mit großer Sicherheit ein Zuhälter oder Dealer sitzt). Wie viel Armut Deutschland zu bieten hat, erfährt man derzeit wohl kaum irgendwo so geballt wie in der Met(t)ropole Ruhr. Es ist wie es ist. Und als Patriot bin ich froh, wenn der WDR wenigstens die hässlichen Betonklötze und die möchtegern-schicken Neubauklötze am "Phönixsee" Hand in Hand zeigt.

RE: Total demokratisch | 01.11.2013 | 17:11

Schön zu lesen, dass sich in Deutschland manchmal Journalisten noch etwas trauen und sich nicht den Ton verbieten lassen.

Nur: Was sind eigentlich die Umstände, unter denen ein solches Interview einfach unterm Teppich verschwinden kann? - Mir scheint diese Tatsache vor allem zu verraten, wie gewöhnlich Interviews mit Medien-Oberen in Deutschland geführt werden: nämlich gefällig. Will sagen, dass die Mehrheit der Medien-Journaille wohl das Spiel mitmacht und sich mit Kritik und "tendenziösen" Fragen lieber zurückhält.

Am Ende dieser kleinen Affäre stehen also zwei bittere Erkenntnisse: 1. Eine Verbesserung des Tatort durch Kritik ist nicht zu erwarten. 2. Eine Kritik zur Verbesserung des Tators ist in größerem Maßstab ebenfalls nicht zu erwarten.

In der Folge stehen Sie, geschätzter Herr Dell, alleine da und alle anderen schauen fleißig MDR- und Schweiger-Tatorte und erfreuen sich des kaum erreichten Mittelmaßes.

RE: Da war er halt voll pissed | 09.09.2013 | 07:48

Auch mir hat diese Episode gefallen - besonders wegen der ausgeklügelten Gegenüberstellung und der bis in die kleinsten Nebenrollen überzeugenden Darstellung.

Zur Gegenüberstellung: Da zeigte der Film die interessante Leerstelle der Floskel der "stabilen sozialen Verhältnisse" auf. Die als Grund, warum "Kons" laufen durfte, während Achim in U-Haft blieb. Was ist der eigentliche Inhalt dieser Floskel? Wer misst wie von außen die Stabilität eines Umfelds?

Ich als Zuschauer muss dennoch auf der Hut sein, dass mein Ressentiment gegen "die da oben", deren Repräsentant dieser "Kons" sein soll, mich nicht zu eben gleichen Vorverurteilungen verführt. Und hierin zeigt sich, dass dieser Tatort wirklich ein Stück weit in die Tiefe gegangen ist. Er hat die Komplexität von Ermittlungsarbeit zumindest angekratzt.