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Ausbildung Bildung Worthülsen: weshalb überfällt mich dieses gewisse Unbehagen, wenn 'Bildung' gegenwärtig in den Mund genommen wird?
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Weshalb überfällt mich dieses gewisse Unbehagen, wenn 'Bildung' gegenwärtig in den Mund genommen wird?

Liegt es an dem assoziativen Erinnerungsbild der tadelnden Pädagogin, die mit missbilligenden Blick und zu leiser Stimme darauf hinweist, dass weder Erzählungen über Körperdysfunktionen noch Mitteilungen über Disharmonien in Familienverbänden adäquate Gesprächsthemen sind?

Oder an der verbreiteten Karikatur des deutschen Bildungsbürgers, blutleer aber besserwisserisch, feingetunt im Affektverhalten jeglicher Art, aber rezitierend?

Vielleicht ist es auch der Neid den ich verspüre, da die Beherrschung eines Musikinstrumentes dem in der bürgerlichen Mittelschicht Verankerten selbstverständlich scheint. Während ich diesen ‚Wert‘ anscheinend doch nicht genug zu verkörpern schien um die musische Erziehung des Kindes als „given“ zu gewährleisten.

All das und noch vieles mehr schwingt in mir, wenn unsere Arbeitsministerin von der Leyen, oder der Neuköllner Bürgermeister Buschkowski, oder sonst eine politisch agierende Person des öffentlichen Lebens, den Begriff 'Bildung' so selbstverständlich in den Mund nehmen.

Okay, des Humboldt’sche Bildungsideals. Bildung und Ausbildung sind ja nicht unbedingt dasselbe, ein Gebildeter muss nicht unbedingt gut ausgebildet sein und top-ausgebildete Fachleute können durchaus einen erschreckenden Bildungsmangel vorweisen.

Ausbildung galt uns lange als der Schlüssel zur Zukunft. Vorsilbe 'Aus-' ist nun verschluckt, Überbleibsel ‚bildung‘ die kärgliche Resthoffnung. Eine Leerformelfunktion, behaftet mit einem erst in der Zukunft einzulösenden Versprechen - von wem auch immer.

Neustens Beispiel dieser Worthülsenkonjunktor:

Der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther hat in der Welt vom Samstag auf die Frage, ob es stimmt, dass Wachstum die Ungleichheit erhöhe mit einem Bild geantwortet:

Er spricht von einem Stau, bei dessen Auflösung die Schnelleren schneller anfahren und die Langsamen zunächst einmal langsam. Er fragt sich, was er ihnen anbieten kann damit sie schneller werden.

Falsch, tststst. Kein schnelleres Auto …..

.......... Bildung!


Denn die Geschwindigkeit des Mitmachens hänge von der Findigkeit des Einzelnen und von den Ressourcen ab, die ihm verfügbar seien. Alles klar????

1st published meta-ebene.de

18:13 31.10.2012
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Geschrieben von

kmv

kmvotteler, Berlin
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kmv

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