„Das klappte natürlich“

Zugangschancen Joschka Fischer verhalf seinem Sohn zu einem Praktikum bei dem Starkoch Bernard Vaussion. Was aber, wenn Kinder sich nicht auf den Erfolg ihrer Eltern verlassen können?
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„Das klappte natürlich“
Foto: PHILIPPE DESMAZES/ AFP/ Getty Images

Ob sein Sohn nicht ein Praktikum bei ihm machen könne, habe der damalige Außenminister Joschka Fischer ihn am Rande eines politischen Staatsbesuchs fragend zur Seite genommen, erzählte jüngst der langjährige Küchenchef im Pariser Élysée-Palast, Bernard Vaussion im Focus.

Im Idealfall orientieren sich Kinder mehr oder weniger im Bannkreis elterlicher Fußstapfen. Sie können darauf vertrauen, dass Weichen gestellt sind. Eltern ihnen nicht nur mit Ermutigung zur Seite stehen, sondern ihnen auch so manche Tür zur gesellschaftlichen Teilhabe öffnen. Das kann die Vermittlung eines Praktikums sein, die Anmeldung im Sportverein, der Ferienjob in der Firma in dem die Eltern oder Bekannte arbeiten, gemeinsame Aktivitäten oder die zugewandte Teilnahme an persönlicher, schulischer und beruflicher Entwicklung.

Nicht jedes Kind, jeder Jugendliche und jeder Erwachsene hat oder hatte das Umfeld und das Glück auf derartige Unterstützung. Mehr denn je ist jedes Kind mit Eintritt in den Kindergarten oder in die Grundschule doppelt gefordert: den Lehrstoff und die eigene soziale Realität gilt es auf einen Nenner zu bringen.

Von Familien, die Arbeitslosengeld II erhalten oder als ungelernte Geringverdiener gerade so über die Runde kommen fordern wir in aller Regel unvermittelt, dass sie Bildungschancen als solche erkennen und wertschätzen. Das gilt ebenso für die in ihren kulturellen Werten verankerten, Migrationsfamilien.

Dort müssen Kinder auf sich selbst gestellt mit den Vorstellungen und Ängsten ihrer Eltern umgehen und sollen sich gleichzeitig konträr dazu in sozialen Gegebenheiten bewegen und einfügen, die nicht die ihren sind.

Wir als Gesellschaft erwarten, dass diese Kinder sich vom elterlichen Pfad abweichend, anstandslos an andersartigen Vorgaben, Werten und Versprechen orientieren. Wir muten ihnen damit Herausforderungen der ganz eigenen Art zu.

Während das eine Kind naturgemäß sich am väterlichen Berufsfeld orientierend stolz erklärt, es werde Kfz-Mechatroniker, stößt der Sprössling eines Hartz 4-Empfängers der genau das gleiche tut, auf betretenes Schweigen.

Die Kinder sind gezwungen die eigene Herkunftsfamilie in Frage stellen, zu einem Zeitpunkt ihrer Persönlichkeitsentwicklung, in der für ihre Altersgenossen familiärer Schutz und Geborgenheit unangetastet wirken.

Kinder (der 14. Kinder- und Jugendbericht 2013 sagt jedes 5. Kind), die, aus welchen Gründen auch immer, in ein sogenanntes prekäres soziales Gefüge eingebettet sind benötigen mehr als alles andere verlässliche außerfamiliäre Bezugspersonen, Initiativen, Arbeits- und Anschauungsmaterialen.

Rollenmodelle und Vorbildfunktionen eröffnen Kindern die Chance Möglichkeitsspielräume zu entdecken „Das habe ich noch nie gesehen“…, „Ich will das auch mal versuchen.“

Persönliche Ermutigungen, die als unmittelbare Impulse die beruflichen und sozialen Schritte nicht im Fremden lassen sondern sie veranschaulichen und (be)greifbar machen.

Handreichungen, die nicht nur in einer staatlichen Fürsorgepflicht verortet sind, sondern darüber hinaus der Bürgerpflicht geschuldet sind.

1st published meta-ebene.de

09:26 19.11.2013
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Geschrieben von

kmv

kmvotteler, Berlin
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kmv

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