Hallo!?

Streitkultur Es ist an der Zeit den Eiferern und Online-Petitions-Anhängern, besonders den namenlosen, in Sachen Lanz die rote Karte entgegenzuhalten
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Hallo!?
Foto: Sebastian Widmann/ AFP/ Getty Images

Im November stellte Maxi Leinkauf die Frage, ob Lanz Gespräch könne. Eine der Sendungen hatte auch ich gesehen, die mit Sacha Lobo und von Schirach. Auch mir hatte die Sendung gefallen. Es ist selten dass in einer Unterhaltungssendung tatsächlich kontrovers diskutierende Interessenvertreter eingeladen werden.

Ich mochte den Artikel von Maxi Leinkauf und ärgere mich, dass ich nicht ihre differenzierte Betrachtungsweise als mich ansprechend, kommentiert habe. 5 Sterne hatte ich als 'pro Lanz' missverständlich angesehen, eben aufgrund der beschriebenen und geteilten Ambivalenz und zum Schreiben war ich zu faul.

Jetzt holt mich das Thema doch noch ein, wenn auch in anderer Form. Nicht zuletzt nervt mich an dem Hype um die Person des Moderators Markus Lanz, das allumfassende ‚Wir‘ mit dem ausgeteilt wird und mit dem die heterogene Menge an Leser und Zuschauer, die ‚nur‘ schweigend liest oder vor dem Fernseher sitzt instrumentalisiert wird. Es ist an der Zeit den Eiferern und Online-Petition-Anhängern in Sachen Lanz, besonders den namenlosen, die rote Karte entgegenzuhalten.

Als der Hype wegen der letzten Sendung losging war es Ehrensache Hausaufgaben zu machen und die komplette Sendung anzusehen. (Ich betone das, da es 'common sense' scheint die Sendung nicht gesehen zu haben oder nur in Ausschnitten.) Es war eine vielschichtige Sendung. Der Schauspieler Christian Karmann hat an anderer Stelle schon deutlicher über die eigene arbeitslosen Zeiten und seine Existenzangst gesprochen. Sein erfolgreicherer Kollege Moritz Bleibtreu, blieb bei seinem eigenen Erfahrungshorizont, und Philip Möller, Lehrer erzählte witzig und klug aus dem Schulalltag. Zu Recht brachte er en passant zwei treffsichere Bemerkungen bezüglich der Lanzschen/Wagenknechtschen Gesprächsführung an.

Die Gesprächsminuten des Moderators Markus Lanz bzw. seines Gastes der Politikerin Sahra Wagenknecht zu dem Thema EU und soziale Gerechtigkeit habe ich nicht aufgerechnet. Ich hatte allerdings nicht den Eindruck, dass Wagenknecht nicht ausreichend zu Wort kam.

Wie auch immer, beide Protagonisten der Unterhaltungssendung sind Personen des öffentlichen Lebens, medienerfahren und kommunikationstechnisch geschult. Worüber soll ich mich empören? Als Zuschauer bin ich 70erJahre Bundestagsdebatten (Wehner, Strauss etc) sozialisiert und mag US-Late Night shows (Leno, Conan O'Brien) und bin generell für Debatten und heftiges Streiten. Auch wenn es mal schief geht, solange die Form gewahrt bleibt.

Weder hat Lanz Privates als Argumentationshilfe verwendet, noch wurde er in der Ausdrucksweise persönlich oder hat die Contenance verloren. Er wird sich ärgern in diesen Tagen und seine kommunikationstechnischen Hausaufgaben machen, davon bin ich überzeugt.

Sahra Wagenknecht darf sich freuen. Die mediale Währung 'Aufmerksamkeit' wurde ihr nicht nur zuteil, sondern sie ist fast ausschließlich positiv konnotiert. Wagenknecht sehe und höre ich gerne, sie verkörpert bei all ihren öffentlichen Auftritten Klugheit, Rhetorik und Weiblichkeit wie keine sonst in der politischen Parteienlandschaft. Ob ich in der Sache immer mit ihr einig bin, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Eines weiß ich sicher, die meisten der sich medial austobenden, die Sahra Wagenknecht jetzt so ungebeten zur Seite stehen können sich in Punkto sprachlicher Stilsicherheit eine Menge von ihr abschauen.

Ach so, ja fast vergessen, da war ja noch Einer, ein sechster Gast. Der Eine, der diese Zwischenrufe fabriziert. Ja, das hat er wieder getan, mündlich diesmal was sonst?

18:50 27.01.2014
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Geschrieben von

kmv

kmvotteler, Berlin
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