Nicht schlecht, Herr Specht!

Jan Böhmermann Ein Kommentar
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Wird Macht, Sex oder Geld provozierend als Sujet des öffentlichen Interesses aufbereitet, verliert die eine oder andere sogenannte öffentliche Person schon mal schnell ihren Humor. Und nimmt, was auch sachlich oder gar nicht gesehen werden könnte, persönlich.

Selbst juristisch sind die Grenzen des Humors nur als Einzelfall verhandelbar. Souveränes Verhalten ist gerade beim Souverän eher die Ausnahme. Ein öffentlich zelebrierter Angriff der auf Empfindungen abzielt geht gar nicht – damit lässt sich rechnen! Jedenfalls kann sich derjenige, der, des anderen Grenze von Humorfähigkeit antastet, sicher sein in ein – kalkulierbares - Mienenfeld katapultiert zu werden. Der Akteur, der Störenfried mutiert zum Gruppenschwein und wird mit lautem Geschrei verfolgt oder angefeuert - medial.

Insofern alles richtig gemacht, Jan Böhmermann! Auch wenn, vielleicht außer Ihnen selbst, niemand mit Sicherheit zu sagen vermag, welches Kalkül genau hinter jenem Sendebeitrag steckte. Aber dies ist nur ein Sinnbild unserer janusköpfigen und zwiespältigen, aufmerksamkeits-heischenden Gesellschaft. Ist nicht die ehemalige US- Außenministerin und jetzige Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton mitverantwortlich für die realpolitischen Entscheidungen auf denen die all gegenwärtigen humanitären Flüchtlingskatastrophe fußt? Großer medialer Aufmerksamkeit, vorzugsweise lautstarker Empörung, jedoch verzeichnet das ‚bullshitting‘ eines Donald Trumps.

Bislang jedenfalls war Jan Böhmermanns ‚Jan Böhmermann‘, angelehnt an die klassischen US Talkshow Hosts David Letterman, Jon Stewart and Stephen Colbert, nur einer Minderheit bekannt. Nun haben die beiden den Sprung auf die Titelseiten geschafft mit einer Schmähschrift die zum Politikum wurde. Es könnte/sollte/dürfte/müsste strafrechtliche Verfolgung eintreten. Das Damoklesschwert befeuert jede mediale Debatte. Der Akteur erhält den Ritterschlag für seine Inszenierung, die Realität hat eine Fußnote auf der Agenda und der sonntäglichen PolitTalk sein Thema.

Auch im Blätterwald rauscht es gewaltig, Erst hält die etablierte Printpresse empört die Stoppschilder hoch. Das sei nicht lustig, das ginge zu weit! Um nun stetig – immer im Blick habend, was die Kollegen so schreiben oder von sich geben - die causa aus sämtlichen Blickwinkeln in allen journalistischen Genres aufzubereiten. Die Öffentlichkeit muss/will doch bedient werden und jedes Medium will/muss doch ein Stück vom Aufmerksamkeitskuchen abhaben.

Böhmermann, welcher auch immer, wird’s freuen oder auch nicht, angesichts von erwünschten oder nicht erwünschten Verbrüderungen - ebenso wie jene öffentlich-rechtliche Sendeanstalt, deren Spartensender die Unterhaltungsshow ausstrahlt über die - zumindest kurzzeitig - erhöhte Klickrate oder Einschaltquote - bevor wir uns alle der nächsten Tagesaktualität zuwenden werden.

14:16 11.04.2016
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Geschrieben von

kmv

kmvotteler, Berlin
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kmv

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