Mogulismus

Focus 1930er - Vierzehn Universitätszeitungen beteiligen sich an einer gemeinsamen Erklärung: Ein führender Zeitungsverleger sei eine "Bedrohung für die Freiheit der Wissenschaft".
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So geschehen am 14. Januar 1935, veröffentlicht im Columbia Spectator, der Universitätszeitung der Columbia University in New York City. Die Überschrift damals:

(im weiteren Text kursiv, sind Übersetzungen)

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Herausgeber von Universitätszeitungen beschuldigen Hearst einer Pressekampagne, um das Bildungssystem zu "hitlerisieren"

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- Zitiert wird, es gibt systematischen Einsatz von Spionen.
- Studenten beteuern: Der Verleger ist "eine Bedrohung der akademischen Freiheit"
- Er schürt Ängste for dem Kommunismus ("Red Scare")

- Das von (James A.) Wechsler verfasste Statement wird von 14 weiteren unterstützt

Die Herausgeber von 14 führenden College-Zeitungen haben William Randolph Hearst gestern als "eine Bedrohung für die akademische Freiheit" angeklagt und ihren Widerstand gegen die "hitlerisierung des amerikanischen Bildungssystems" angekündigt.

Sie beklagen, dass die Hearst-Presse eine Kampagne gestartet hat, die eine "ernsthafte Bedrohung für jegliches freies Denken und Handeln in den Schulen" darstellt, und sie zitieren den Report, erstellt von Professor George S. Counts vom Teachers College, der zeigt, Hearst hatte Agenten an der Columbia, die Professoren ausspionierten, die "radikaler Tendenzen" verdächtigt wurden.

Der Spectator beschreibt die Hearst-Kampagne als einen rücksichtslosen Versuch, die freie Meinungsäußerung zu ersticken und das amerikanische Bildungssystem demselben Terror aussetzen zu wollen, welcher charakteristisch für das deutsche Bildungssystem ist.

Der Stand ist: Panikmache vor den "Roten"

Das Statement beschreibt die "Angstmacherei vor dem Kommunismus" als Teil eines landesweiten Musters, welches zum Ziel hat, jeden zu Fall zu bringen, der sich den Geboten von Mr. Hearst und der superpatriotischen Maschinerie, die er verkörpert, entgegenstellt.

Weitere Ausschnitte aus dem Statement:

Es (das Statement) ist an einen Mann gerichtet, der heute als die gefährlichste Stimme in Amerika gelten kann.

Hearst ist nicht mehr länger nur ein stürmischer und lachhafter Bewohner im Urwald des Journalismus. Vielleicht war er das nie, und sicher ist seine momentane Kampagne, vor dem Hintergrund einer tumulthaften und kritischen Weltlage, die bedrohlichste, die er bisher geführt hat.
Mr. Hearst hat erklärt, das Amerika Faschismus nicht braucht. - noch nicht!

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"To many persons Ford has always been our No. 1 Fascist. Newspapermen usually give that spot to William Randolph Hearst,......" (George Seldes, Facts and Fascism, 1943)

"Für viele war immer (Henry) Ford unser Faschist Nr. 1. Zeitungsleute vergeben diesen Titel gewöhnlich an William Randolph Hearst. ....."

1935 vereinigte Hearst seine 90! Zeitungs- und Magazintitel unter dem Dach der American Newspapers, Inc.
Ausserdem betrieb er damals zwei der drei international agierenden Nachrichtenagenturen. (Die dritte war "AP - Associated Press")

Die Unterzeichner der Erklärung gegen ihn waren die Herausgeber folgender Universitätszeitungen:

- Wisconsin Daily Cardinal, - The Daily Pennsilvanian, - The Brown Daily Herald, - The Daily Illini, - The Indiana Daily Student, - The New York University Bulletin, - The Daily Princetonian, - The Yale Daily News, - The C.C.N.Y Campus, - The University of Pittsburgh News, - The Varssar Miscellany News, - The Syracuse Daily Orange, - North Carolina Daily Tarheel und dem Columbia Spectator

Anzumerken wäre hierzu, die vergleichsweise große Bedeutung, welche die Universitäten in den USA für manche Städte haben. Nichtsdestotrotz, sieht man, hier handelte es sich um einen mehr als ungleichen Kampf auf dem Feld der öffentlichen Meinung.

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Im Jahr 1897 entsandte Hearst seinen Korrespondenten, den Künstler Frederic S. Remington, nach Cuba, um Bilder des Krieges zeichnerisch einzufangen. Als dieser sich, nach einiger Zeit dort, per Telegramm meldete und mitteilte, dass es keine Anzeichen für kriegerische Handlungen gibt, erhielt er folgende Antwort:

"Bitte bleiben sie noch, Sie liefern die Bilder, ich liefere den Krieg" (Please remain, you furnisch the pictures, i'll furnish the war)

Der Spanisch-Amerikanische Krieg begann am 25. April 1898 und dauerte bis zum 12. August. Auch Cuba wurde von den USA besetzt. (Im verlinkten Wikipediaeintrag sehen sie rechts eines der Bilder von Remington.)

Teil VII

Teil VI

Teil V

Teil IV

Teil III

Teil II

Mogulismus = Oligarchismus =
Turbo-Kapitalismus

04:44 17.07.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

knattertom

reisewütiger Mit40er der "D" den Rücken gekehrt hat, um neues zu entdecken. Interessierter Beobachter von aussen so to say...: knattertom@freenet.de
knattertom

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