Mogulismus VII

Focus 1930er - 1935 wirft Hamilton Basso Randolph Hearst vor, eine Kampagne gegen die Sowjetunion gestartet zu haben. 1987 bestätigt Douglas Tottle diese Behauptung.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

In "Fraud, Famine and Fascism" ["Betrug, Hugersnot und Faschismus"]beschreibt Douglas Tottle nicht nur die ideologischen, nationalistischen und finanziellen Verbindungen zwischen den involvierten Vertretern der These einer angeblich menschengemachten und gezielt als Waffe gegen die Ukraine eingesetzten Hungersnot, sondern es gelingt ihm auch, durch präzise Aufarbeitung und Argumentation, Skepsis bezüglich der "offiziellen" Geschichte aufkommen zu lassen.

So belegt er sowohl die perpetuierte Verwendung derselben knapp vier Dutzend schrecklichen Photos, vom Anfang in der deutschen Nazipresse, über die Kampagne in den Hearst-Zeitungen, in verschiedenen anderen Werken der späten 50er und frühen 60er Jahre, bis hin zur Produktion des Buches "Harvest of Sorrow" von Robert Conquest und des Films "Harvest of Despair" im Jahr 1986, als auch, dass all diese Bilder verkehrt datiert wurden. Dieses gelang ihm dadurch, dass er die Originalquellen, jeweils Bücher über die gr0ße Hungersnot in Rußland 1921-22, recherchierte.

Ebenso beleuchtet er die "Opferzahlenberechnung" der vorherigen Veröffentlichungen und unterzieht sie einem wissenschaftlichem Stresstest. Die Tatsache, dass es dort Schwankungen zwischen 4,0 Mio. und über 14 Mio. gab, zeigt auch einem Laien, dass zuvor von ernstzunehmender Wissenschaft mitnichten geredet werden kann.

Inzwischen haben sich glücklicherweise weitere Historiker wie Mark Tauger, Stephen G. Wheatcroft und Robert W. Davies mit dem Thema beschäftigt und sind ebenfalls zu differenzierteren Einschätzungen gelangt.

Bei der Recherche blieb ich an diesen Sätzen von Mark Tauger hängen, zu finden auf "red-channel":

" ......., I do not mean to make excuses or apologies for the Stalinists. Their conduct in this was erratic, incompetent, and cruel and millions of people suffered unimaginably and died as a result. But it is too simple to explain everything with a "Bolsheviks were just evil people" explanation more suitable to children than scholars. It was more complex than that. Although the situation was aggravated in some ways by Bolshevik mistakes, their attempts to contain the famine, once it started, were not entirely stupid, nor were they necessarily gratuitously cruel. The Stalinists did, by the way, eventually cut grain exports and did, by the way, send food relief to Ukraine and other areas. It was too little too late, but there is no evidence (aside from constantly repeated assertions by some writers) that this was a deliberately inflicted "terror-famine." "

(Mark Tauger forschte offenbar vor Ort an Originaldokumenten, an Ertragslisten landwirtschaftlicher Betriebe, und kam zu der Erkenntnis, dass die Ernteerträge in den relevanten Jahren weit niedriger ausgefallen sind, als bisher vermutet. Ergänzend ein Briefwechsel zwischen R. Conquest und M. Tauger zu dem Thema)

Im Angesicht der Tatsache, dass dieses historische Ereignis einer der Gründe für den aktuellen Bürgerkrieg in der Ukraine ist, wäre eine tiefergehende und weitreichendere wissenschaftliche Aufarbeitung dieser Zeit dringend erforderlich.

----

Sicherlich war es 1935 nicht beabsichtigt, für einen Historikerstreit 80 Jahre später zu sorgen. Der Grund für die Veröffentlichungen in der deutschen Nazi-Propaganda-Presse und in der amerikanischen Yellow-Press dienten der langfristigen Vorbereitung für den Überfall auf die Sowjetunion. Eine moralische Begründung wurde gebraucht und die Hungersnot kam dazu wie gerufen.

Ein weiteres Betätigungsfeld für Historiker, wäre die Erforschung deutschen Einflusses in der Ukraine in dieser Zeit. Inwiefern direkt und indirekt Einfluß, beispielsweise über den Verein "Freie Ukraine" [Der Wikipediaeintrag ist gelinde gesagt dünn] genommen wurde, wäre zu erforschen. Unter den Gründungsmitgliedern dieses Vereins finden sich zwei interessante Namen, die sofort sämtliche Alarmglocken aufklingen lassen sollten, Alfred Hugenberg und Emil Kirdorf. Ob und, falls ja, wieviel Einfluß aus Deutschland für die Sabotagehandlungen vieler ukrainischer Großbauern damals mit verantwortlich war, ist bisher vollkommen unerforscht, obwohl dieser Vorwurf von russicher Seite damals häufig wiederholt wurde. Immerhin gab es in der Ukraine damals mehrere hunderttausend Deutschstämmige, unter anderem waren Mennoniten im 18 Jahrhundert in großer Zahl vor religiöser Verfolgung nach Osten geflohen und hatten sich erst an der unteren Weichsel und später in der Westukraine angesiedelt.

----

So wurde dann auch im Winter 1935 von deutscher Seite "nachgelegt". Der in der Lüneburger Heide gedrehte Streifen "Friesennot", handelt genau vor dem obigen Hintergrund. Ein von deutschstämmigen bewohntes Dorf in der Ukraine wird von den Hunger verursachenden, herannahenden Menschen aus dem Osten bedroht, die "Bedrohten" leben nach einem religiösen Kodex, der Gewalt grundsätzlich ablehnt.

Niemand wird hier aufgefordert sich Propaganda aus der Nazizeit anzusehen. Gute Propagandisten kennen allerdings die Grundregel, die Hauptaussage so weit vorn wie möglich zu platzieren. Bereits nach wenigen Minuten findet sich obige Aussage im Film. Regisseur war ein gewisser Peter Hagen, hinter diesem Pseudonym verbarg sich der Propagandafilmer Willi Krause. Interessant hierzu ist das Fimessay auf dem Server der Uni Düsseldorf. Zur Resonanz bei der Nazielite wird dort in den Fußnoten aus J. Goebbels Tagebüchern zitiert, er schrieb: "Film "Friesennot" von Krause gut gemacht"....."Der Führer hat Friesennot ..... gesehen. Ist begeistert davon". ....... und bezüglich einer Erklärung der Reichswehr gegen den Film: "Da sind Soldaten instinktlos. Keine blasse Ahnung, worum es geht. Dabei direkt probolschewistischer Kurs manchmal."

Konsequenterweise wurde der Film nach vier Jahren in den Kinos, mit Abschluß des deutsch-sowjetischen Nichtangriffspaktes, 1939 verboten und 1941, nach dem Überfall auf die Sowjetunion, unter neuem Titel wieder freigegeben.

Teil VI

Teil V

Teil IV

Teil III

Teil II

Teil I

Mogulismus = Oligarchismus =
Turbo-Kapitalismus

03:18 31.10.2014
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

knattertom

reisewütiger Mit40er der "D" den Rücken gekehrt hat, um neues zu entdecken. Interessierter Beobachter von aussen so to say...: knattertom@freenet.de
knattertom

Kommentare 18

Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar
Ehemaliger Nutzer | Community
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar
Avatar