Die Kadyrow Stiftung

»Allah gibt großzügig« Der Turmbau zu Babel in Tschetschenien, sagenhafte Steuergebühren und Kampfsportturniere ohne Regeln - wie kann man »Geld von Allah« ausgeben?
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ramsan Kadyrow und Putin geben eine gemeinsame Pressekonferenz. Frage an Kadyrow: »Tschetschenien hat kaum Bodenschätze, kaum Tourismus und ist trotzdem eine der reichsten Republiken der russischen Föderation. Woher kommt das ganze Geld?« Antwort von Kadyrow: »Allah schenkt uns unseren Reichtum.« Darauf stößt ihn Putin an und sagt: »Du sollst mich doch nicht immer so nennen in aller Öffentlichkeit.«

Der Kaukasische Knoten dokumentierte, wie man »Geld von Allah« ausgeben kann.

Der Turmbau zu Babel in Tschetschenien, sagenhafte Steuergebühren und Kampfsportturniere ohne Regeln werden, zusammen mit den üblichen sozialen und wirtschaftlichen Projekten erwähnt, wenn es um die Aktivitäten der Tschetschenischen Achmat Kadyrow Stiftung geht. Erst kürzlich hat die Kadyrow-Stiftung versprochen, 800´000 Dollar für muslimische Flüchtlinge aus Myanmar zu spenden. Nach der Zeitung Kommersant, wird das Geld für den Fonds »in freiwilliger Form« von allen tschetschenischen Beschäftigten im öffentlichen Sektor gesammelt. Einnahmen stammen ebenfalls aus Angeboten und Beiträge von Handelsunternehmen. Zu den bedeutendsten Projekten des Fonds gehört z. B. die Errichtung der Moschee in Grosny, welche nach Achmat Kadyrow benannt ist. Für das »Herz von Tschetschenien« welche nach Angaben von Ramsan Kadyrow die größte in der Föderation sei (Die Moschee von Machatschkala ist grösser) wurden alleine 900 Millionen Rubel ausgegeben. Weitere Bauprojekte welche die Stiftung finanzierte, sind die Wohnanalgen in Grosny, Argun Stadt sowie Shali Stadt und natürlich der 400 Meter hohe Achmat Turm, mit einem Kostenvorschlag von 500 Millionen Dollar. Aus dem Geld des Fonds werden die Gäste in Grosny bezahlt – seien es Schauspieler wie Claude Van Damme, Hillary Swank, Gerard Depardieu oder Sportler wie Mike Tyson oder Diego Maradona. Der Fonds deckte auch die Kosten für diverse Kampfsportveranstaltungen wie Die schreckliche Schlacht (Грозную битву) ein Turnier für Kämpfe ohne Regeln und des Fußballvereins, welcher erst gerade auf Wunsch von Kadyrow von »Terek« in »Achmat« umgetauft wurde.

Wer führt die Stiftung?

Die Kadyrow-Stiftung wurde 2004 gegründet, kurz nach dem Tod seines Vaters Achmat Abdulchamidowitsch Kadyrow. Aktuell ist »der Präsident« der Stiftung Achmat Kadyrows Witwe - Aymani Nesievna Kadyrova. Ramsan Kadyrow hält die Funktion des Vorsitzenden des Kuratoriums inne. Die Gründer des Fonds sind unteranderem Khalid Vainakhov, der Leiter des Dienstes »für die friedlichen Richter von Tschetschenien«, stellvertretender Generaldirektor für Sicherheit von Grozneftegaz OJSC Abusupyan Daayev und der Chef des Ministeriums für innere Angelegenheiten von Tscheljabinsk Shamkhan Denilkhanov – Bruder von Ramsan Kadyrows Frau.

Was macht das ganze Geld?

Nach offiziellen Daten werden die Ressourcen des Fonds zur Reparatur von zerstörten und Errichtung neuer Häuser, medizinischen und pädagogischen Einrichtungen, zur Unterstützung von behinderten Menschen und Kriegsveteranen, zur Vergabe von Mitteln zur Unterstützung von Museen und Tanzensembles, zur Errichtung und Wiederherstellung heiliger Stätten in Tschetschenien verwendet und darüber hinaus, zur Organisation und Durchführung von Veranstaltungen auf nationaler, allrussischer und internationaler Ebene (islamisches Forum, »Golden Perot« Journalistenwettbewerb), sowie der Finanzierung von Sportmannschaften und Wettbewerben.

Woher kommt das Geld?

Es gibt keine offiziellen Informationen über die Finanzierungsquellen auf der Website des Fonds. Nach Ramsan Kadyrows Angaben gibt Allah großzügig – ebenso wie freundliche Leute »die Freunde meines Vaters und meine Freunde ..., die nicht oft nach Hause kommen und deshalb der Republik durch den Fonds helfen können.« Darunter tschetschenische Geschäftsleute wie Umar und Hussein Dzhabrailov, Ruslan Baisarov, Michail Gutseriev. Es gibt nach Kadyrow »Freunde im Ausland, die eine Seele für ihr Mutterland haben«. Der Fonds wird auch mit anonymen Spenden muslimischer Geschäftsleute aufgefüllt.

Darüber hinaus ist der Fonds in der Wirtschaft tätig, da sich der Gründer in mehreren Unternehmen mit politisch-profitablen Aktivitäten engagiert. Der Fonds besitzt 100% der Megastroyinvest, Chechen Mineral Waters (Produktion von nichtalkoholischen Getränken), Iceberg LLC (Eiscreme-Produktion), Bolu Travel LLC und Zentrum für Islamische Medizin. Alle erhalten profitable Regierungsausschreibungen. Der Fonds handelt unter anderem auch mit Immobilien (Arena City), Abhalten von Sportveranstaltungen (LLC "Colosseum"), Finanz- und Investitionstätigkeit (JSC "Banking - Partner"), Herstellung von Arzneimitteln (JSC "Belfarma"). Einnahmen aus Handelsfirmen und Ausschreibungen sind aber nur eine der Einkommensquellen des Fonds. Jeden Monat sind alle Staatsangestellten verpflichtet, etwa 10% ihres Einkommens aus Nächstenliebe zu übertragen. Spenden sind formalisiert, obwohl sie freiwillig verpflichtet sind. Mitarbeiter von privaten Unternehmen geben ein Drittel, Unternehmer circa die Hälfte ihrer Gewinne. Das Monatsvolumen der »freiwilligen Beiträge« erreicht 3-4 Milliarden Rubel. Dieses Geld fließt nicht in die Steuern, existiert außerhalb des Gesetztes und entzieht sich jeder Art von Kontrolle.

Die Angaben zum Jahresabschluss des Fonds sind zum Teil nicht vorhanden/einsehbar. Offizielle Angaben zum Jahresabschluss 2012 - 2015 geben die Realität nur verzehrt wieder. Nach dem Unified State Register der juristischen Personen (EGRUL), die Balance des Betrags für 2012 allein 916 Millionen Rubel, erhöhte sich auf 1,45 Milliarden im Jahr 2013, und in 2014 - 2015 auf fast 1,6 Milliarden Rubel. Nach dem Bundesgesetz über gemeinnützige Organisationen sollten diese Informationen in der Datenbank des Justizministeriums verfügbar sein, aber das Ministerium stellte fest, dass das RJF von dieser Anforderung befreit ist, wie es nationalen Medien berichteten. Doch in welchen Medien werden die Informationen über die Kadyrow-Stiftungsfinanzierung veröffentlicht? Weder die Kontenkammer noch die Federal Tax Service haben jemals die Achmat Kadyrow-Stiftung geprüft oder sogar den Wunsch geäußert, dies zu tun.

Projekte der Kadyrow-Stiftung

Die Finanzierung und somit auch Kontrolle über aller Großprojekte in Tschetschenien werden über die Stiftung abgewickelt oder durch Personen in der Nähe von Ramzan Kadyrow. So hat die Stiftung im Jahr 2007 die Grosny Avia-Fluggesellschaft gegründet. Im Jahr 2012 wurde die Fluggesellschaft, vor der Reorganisation, Eigentum des Ministeriums für Verkehr und Kommunikation von Tschetschenien und LLC Liner-1. Allein im Jahr 2012 erhielt »Grosny Avia« durch die Staatsverträge 120,8 Millionen Rubel. Im Jahr 2014, als die Regierung versprach, Tarife für die Flüge auf die Krim zu subventionieren, wurde Grosny Avia die erste russische Fluggesellschaft, welche regelmäßige Flüge nach Simferopol nach Annektierung der Halbinsel anbot. Die Gesamtsumme der Subventionen, die das Unternehmen im Jahr 2014 erhielt, betrug 87, 7 Millionen Rubel. Allerdings konnte selbst die Stiftung die großen Umsatzverluste nicht abdecken, die von 46,8 auf 172,2 Millionen Rubel 39 anstiegen. Als Ergebnis setzte Rosaviatsia im Dezember 2016 das Zertifikat der tschetschenischen Fluggesellschaft aus.

Es ist interessant, dass selbst Aimani Kadyrova LLC Liner-1, ein Unternehmen, dass offiziell in der »Lebensmittelproduktion« aktiv ist, keine Einsicht in die Buchhaltung gewährt aber dessen Besitzer Ramsan Musaykhanov, (Gründer von Sapphire/Reparatur von Elektrogeräten) dennoch erfolgreich Staatsauschreibungen gewinnt. Zum Beispiel, im Jahr 2013, erhielt Sapphire vier Regierungsaufträge für insgesamt mehr als 620 Millionen Rubel, und in jedem Fall war der Kunde das Ministerium für Verkehr von Tschetschenien. Von 2007 - 2014 war die Stiftung auch im Besitz von »Leader Auto« Später ging es in die kontrollierte Struktur des Fonds - Grozny-City LLC von Bai-Ali Edilgireev über, der auch Toyota Center Grozny besitzt. Die Hauptkunden von Leader Auto waren die Bezirksverwaltungen, territoriale Wahlkommissionen. Insgesamt erhielt das Unternehmen 141 Staatsverträge für insgesamt 71,4 Millionen Rubel. Die Firma »Grosny City« verwaltet einen Komplex von Wolkenkratzern im Zentrum der tschetschenischen Hauptstadt. Der Gründer des Unternehmens - Kharon Algereyev leitet gleichzeitig die Firma »Chechenprojekt«, welche sich in architektonischer Gestaltung und Konstruktion engagiert. Generaldirektor von »Grozny City« Movsadi Alva, steuert wiederum 100% der Firma »Shali City« die der Betreiber des gleichen Namens des Verwaltungs- und Wohnkomplex in Shali ist. Movsadi Alviev ist auch mit vielen Unternehmen verbunden, die große Staatsverträge und Projekte aus dem Fonds erhielten. Neben Shali-City besitzt er Sochi-Greenlight, Kare, Kondi und ist als CEO bei ZAO Inkomstroy tätig. Bis Ende 2014 leitete er »Stadtgeschichte«.

Im Jahr 2013 lud die »Stadtgeschichte« als sie noch von Movsadi Alviev geführt wurde, die slowenische Firma Omnia Arhing ein, an dem Bau einer Ziegelfabrik in Grosny in Tschetschenien teilzunehmen. Der Kunde war Minstroy von Tschetschenien. Für ihre Arbeit erhielt die slowenische Firma 5,2 Millionen Dollar. Der Unterauftragnehmer des Baues war die Firma »Rosslav« Gela Valieva. Der Direktor der slowenischen Firma Shcheka Štefanová und Gela Valiev Gelenk haben ein Joint Venture »GS - Gruppe« welches sich im Handel mit dem Bau- und Holz betätigt. »GS - Gruppe« ist in Gudermes unter der Adresse der Kadyrow-Stiftung eingetragen. Im Jahr 2017 stellte sich heraus, dass die Gelder für die Omnia Arhing-Rechnung an die slowenische NLB-Bank nicht vom tschetschenischen Ministerium für Bau, sondern von den britischen Firmen Ronida Invest LLP (2008-2015) und Drayscott Overseas LLP (2013-2015) kamen. Britische Unternehmen erwiesen sich als einer der wichtigsten Teilnehmer im »Landromat« - ein Schema mit Hilfe von denen Russland 22 Milliarden Dollar gewaschen hat. Movsadi Alviev beteiligt sich weiterhin an den Aktivitäten von »Stadtgeschichte« obwohl in den Dokumenten Magomed Musayev als Inhaber der Firma Lortina Assets Limited auf den Virgin Islands registriert ist. Bis 2018 beabsichtigt »Stadtgeschichte« ein internationales Ausbildungszentrum für Spezialeinheiten bei Gudermes zu bauen. Auf der Homepage der Ausbildungsstätte wird als Leasingpartner der Republik JSC »Multifunktionaler Sport Trainingszentrum Meister« Alexei Chudanov gelistet. Die Gesellschaft ist in Gudermes bei der Rechtsanschrift der Stiftung eingetragen.

Aber das größte Unternehmen des Fonds ist das MST, gegründet 2007 (seit 2012 - MSI). Aktuell ist Ruslan Saidov tätig und bis vor kurzem wurde die Firma von Muslim Zaypulayev geführt, der im April 2016 von Kadyrow zum Minister für Bau/Wohnungswesen und kommunale Dienstleistungen von Tschetschenien ernannt wurde. In nur für fünf Jahre »erarbeitete« sich die Firma Staatsaufträge im Wert von 2,9 Milliarden Rubel. Die Stiftung besitzt außerdem die Anlage »Tschetschenische Mineralwässer« und die Eisfabrik »Eisberg«. Im Jahr 2007 wurde die »Tschetschenische Mineralwässer« von einem Alikhan Dergizov geleitet, der gerade 2006 ein Hochschulabschluss erhalten hatte. Gleichzeitig leitete er die Organisation »Arena City« (Grosny Stadt). Im Jahr 2015 betrug der Umsatz der Anlage 515,7 Millionen Rubel. Die größte Eiscreme-Anlage im Gebiet von Tschetschenien, der »Eisberg«, wurde im Jahr 2008 auf dem Territorium des Gudermes-Bezirks aus dem Geld der Stiftung gebaut und wird von einem Mann namens Shakhmamed Abdulkhakimovich geleitet – auch er mit den bekannten Nachnamen Kadyrow.

Die Stiftung eröffnete 2009 das Islamische Medizinische Zentrum in Grosny, wo eine kostenlose Behandlung für Menschen mit neuropsychiatrischen Erkrankungen angeboten wird. Alle von ihnen werden durch das Lesen der Verse des Korans behandelt. Das Zentrum wird von dem stellvertretenden Vorsitzenden der Spirituellen Direktion der Muslime von Tschetschenien, Daud Selmurzayev geleitet.

So besitzt der Fonds eine Reihe von erfolgreichen und teuren Unternehmen, die mit Ramzan Kadyrow in einer oder anderen Weise verbunden sind. Aber die Hauptmittel kommen nicht aus kommerziellen Tätigkeiten, sondern freiwillig und zwangsweise aus den Geldbörsen der gewöhnlichen Tschetschenen. Ihr Gesamtbetrag wird auf 3-4 Milliarden Rubel geschätzt. Zwar leistet die Stiftung einen Beitrag zur Entwicklung der Infrastruktur in Tschetschenien, aber in einem viel größeren Ausmaß ist es eine Art persönlicher Schatz von Kadyrow, den er genießt, wie er will. Aus dessen Quellen kann er sich und seine Umgebung unterhalten, indem er nicht nur russische Stars, sondern auch ausländische aus Übersee nach Tschetschenien einlädt und sich gegenüber den Gästen in Grosny generös gibt - von der Uhr für nur 100.000 Euro für den Herrn Kreisvorsteher bis zu zwei Millionen Euro, für denjenigen Boxer den das Blut nicht beeindruckt.

18:41 20.01.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare