Einführung in die fortgeschrittene Folter

Kubark-Kadyrow-Manual Die Eliminierung von Dissidenten ohne Dissens, denn Herzinfarkt, hypertensive Krise oder plötzlicher Hirntod machen sich im politischen Portfolio besser.
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Kadyrow genießt das Leben in vollen Zügen. Wie viele Diktatoren experimentiert er gerne mit seinem Modus operandi und koste die Macht aus, die er über Leben und Tod anderer habe. Besonderes Vergnügen bereitet es ihm mit Drogen zu experimentieren – Konkret verbietet der Koran den Konsum, deshalb seine modifizierte Methode 100% ḥalāl: Zu den aufregendsten Dingen in seinem Leben gehört der Anblick der seiner Obhut anvertrauten tschetschenischen Untertanen, aus denen das Leben langsam entweicht. Zuerst verabreicht er ihnen eine Überdosis Morphium. Dann sitzt er geduldig neben ihnen und schaut ihnen fast wie eine Liebende in die Augen, um ja den Moment nicht zu versäumen, wo sich ihre Pupillen zusammenziehen und ihr Atem flacher wird. Unmittelbar bevor sie ins Koma sinken, holt er sie mit einer Dosis Atropin wieder zurück. Das Tropan-Alkaloid blockiert die Aktivität des Vagusnervs. Daraufhin weiten sich die zusammengezogenen Pupillen, der verlangsamte Herzschlag beschleunigt sich, die abkühlenden Körper beginnen zu schwitzen und sie werden von heftigen Krämpfen heimgesucht. Schließlich sterben sie, aber nicht, bevor er beobachten kann, wie sich ihre Augen weiteten und ihre Körper sich qualvoll winden. Hamdala heute ist schönes Wetter in Samaschki!


BILD am SONNTAG: Sind Sie der russische Kim Jong-Un?
KADYROW: Seit der Verurteilung von Zaur Dadajew ist die Kritik an mir lauter geworden – Ich sei ein Chosjain, ein Barin und alle anderen müssten den Willen des kaukasischen Kriminellen entsprechen, selbst Wladimir Wladimirowitsch würde aus Angst vor mir, dem orientalischen Despoten, die Nationalgarde reaktivieren. Aber auch wenn ich ein Diktator bin so bin ich doch nicht samostojatelny. Wie mein verstorbener Vater bin ich ein Vasall, und meine Macht beruht allein auf der persönlichen Protektion Putin's, der besten Kryscha in einem Land, dessen Strukturen vollständig von Kryscha-Beziehungen bestimmt werden. Deshalb ist eine Missbilligung meinerseits ohne eine Kritik an meinem Patron Putin und seiner Freundschaft zu den Fledermäusen politischer Opportunismus par excellence, weil wer die Mörder Nemzows nur in Inguschetien/Tschetschenien sucht vergisst dabei die Drahtzieher im Kreml. Nur dank dem Produzenten Putin sind kaukasische Klassiker wie ein Faustrecht für die Freiheit möglich.


BILD am SONNTAG: Einer der bekanntesten russischen Comedians parodierte Sie im Staats-TV. Er schlurfte im olivgrünen Sportanzug auf die Bühne, stotterte mit tschetschenischem Akzent faselte etwas über Ehre und Respekt. Das Publikum brüllte vor Lachen. In der ersten Reihe: Wladimir Putin – was sagen Sie dazu?
KADYROW: Galustyan ist doch mein Pokemon oder verkaufen Sie nun russische Propaganda als Parodie? Denken Sie dieser Auftritt wäre nicht von mir abgesegnet gewesen? Keiner kritisiert Kadyrow ohne zu knien.


BILD am SONNTAG: Im kürzlich ausgestrahlten Gespräch mit dem US-Sender HBO zeigten Sie sich von den Nachfragen des Reporters sichtlich genervt. Haben Sie einen Hass auf Homosexuelle?
KADYROW: Schauen Sie ich habe einen Hass auf Reporter wie Sie die meine Mordsleistung nicht würdigen. Als Ich im Januar Rache nahm für den Angriff des Waldes im Dezember auf einer der meinen, haben Sie geschwiegen. Sie kopieren doch die Novaja Gaseta und schweigen lokale Medien wie den kaukasischen Knoten Tod, sodass ich Sie nicht mehr als Kiffer diskreditieren muss, weil sich niemand um Schalaudi Gerijew kümmert ausser meine Kadyrowzy. Es waren doch westliche Medien welche aus der Liste der 27 Toten vom Januar 2017 von der Nowaja Gaseta eine exklusive Liste nur für Homosexuelle machten, und die Idee, dass sexuelle Identität und deren Entfaltung wichtiger sein könnten als alles andere, ist ebenfalls aus dem Westen. Die Homo-Hetero-Binarität ist, wie überhaupt die westliche Leidenschaft, Sex zu klassifizieren, Folge der westlichen Ambiguitätsfurcht. Nein es genügt nicht, dass Sex eindeutig ist, er muss auch wahr sein, also mit der Identität der Person übereinstimmen. Aus diesem Grund muss er publik werden, denn die Bekenntnispflicht ist wiederum eine Folge der westlichen Wahrheitsobsession. Und schließlich müssen alle Möglichkeiten, an der Wahrheit eigener Vorstellungen zu zweifeln, dadurch ausgeschaltet werden, dass man sie als universell betrachtet und bestrebt ist, die ganze Menschheit zur Übernahme dieser Vorstellung zu bewegen. Diese westliche Verkettung von Ambiguitätsfurcht, Wahrheitsobsession und Universalisierungsehrgeiz wird am Beispiel des Sexes besonders sichtbar, vielleicht ist in dieser Trias sogar der Kern des Konfliktes der westlichen Moderne mit dem Rest der Welt, respektive meiner Wenigkeit zu erkennen.


BILD am SONNTAG: Was sagen Sie zu den Anschuldigungen gegenüber ihnen bezüglich Folter?
KADYROW: Deutsche Soziologen sorgen sich wieder aber dies sind alles Produkte der Lügenpresse, Tschetschenien ist die sicherste und sich am dynamistischen entwickelnde Region Russlands. Es gibt auch in Grosny eine Gesundheitsvorsorge! Wenn Daudow (natürlich nur aus Sportsgeist) bei den Verhören zuschlägt, ist dies stationäre Behandlung. Wenn er mit dem Knüppel prügelt, so nennt er das Analgetikum. Wenn er mit der Eisenstange schlägt, heißt das, er verschreibt Aspirin. Und auf dem elektrischen Stuhl führt er Schocktherapie durch.


BILD am SONNTAG: Bestreiten Sie die Beschuldigungen nun oder nicht?
KADYROW: Wie viele Berichte auf Deutsch gibt es den zu Krankenhaus Nr. 9 oder Samaschki? Die Technik des Tötens in Tschetschenien wurde vor Jahren verfeinert. Der »Tod aus natürlichen Gründen« ermöglicht die Eliminierung von Dissidenten ohne Dissens. Herzinfarkt, hypertensive Krise oder plötzlicher Hirntod machen sich im politischen Portfolio Putins besser. Wenn es doch einmal Kritik gibt wie im August in Krasnaya Turbina lanciere ich auf Instagram eine Story über Scheidungen und schon liegt der Fokus woanders und ich kann in Ruhe filtern. Letztes Jahr gab es viel Kritik am Kampf meiner Kinder, dieses Jahr keine, weil mir alle auf Instagram folgen.


BILD am SONNTAG: Im Westen ist man besonders an der Komplexität von kleineren Übel Argumenten interessiert, insbesondere wenn es um Folter geht: Stellen Sie sich vor, dass Sie einen Terroristen gefangen genommen haben. Er hat eine Bombe gelegt, will aber nicht sagen, wo sie ist. Wenn sie ihn foltern wird er ihnen vielleicht die Information verraten und sie würden Dutzende von Menschenleben retten. Werden Sie seine Fingernägel herausziehen?
KADYROW: Das ist barbarisch! Hier in Zenteroi herrscht die Zivilisation, für was haben wir denn Elektrizität? Angeschlossen an die Genitalien und eine gute Strömung in der elektrischen Schaltung arbeitet man auf diese Weise besser und vor allem sauberer. Wenn es doch mal fließt [Privatparty] immer genügend Kartoffelstärke oder Weizenstärke und Wasser bereitstellen um Schäden am Mobiliar vorzubeugen.


BILD am SONNTAG: Und wenn er sich weigert zu sprechen? Werden Sie seine Familie foltern?
KADYROW: Wieso haben Sie das Verhör nicht mit ihnen anfangen? Bei der Folter kommt die Familie immer zuerst! Ihr Ethiker verschließt euch vor dem existenziellen Erlebnis der Erfahrung der Gewalt! Erst wenn auch der Blutsbruder blutet beginnt des Nochtschi Narretei.


BILD am SONNTAG: Wie weit würdest du gehen um an die Informationen zu kommen?
KADYROV: Welche Informationen? Dient dies doch dem Vergnügen, denn das beliebte Zeitzünder-Bombe-Szenario ist so unrealistisch und eindeutig konstruiert, dass wie in einem 007 Film nur eine Lösung möglich erscheint: Der Held bringt den Bösewicht notfalls mit allen Mitteln zu Reden und rettet die Welt. Die Wirklichkeit sieht aber anders aus.


BILD am SONNTAG: Was ist die Wirklichkeit?
KADYROV: Zwei Kugeln im Kopf. Wie immer stellt ihr die falschen Fragen! Beispielsweise Schrödingers Katze – in Tschetschenien ist die Frage nicht ob die Katze noch lebt, sondern ob du noch lebst. Die deutschen Denker erfinden doch selbst neue Wörter wie Rettungsnotwehr, wissenserhebende Gewalt, oder gar selbstverschuldete Rettungsbefragung. Es gibt eine Erhebung bei der etwas mehr als die Hälfte Folter für zulässig halten, wenn sie ein Menschenleben retten kann oder der Abwehr schwerster Gefahren für die Allgemeinheit dient. Denkt doch an Daschner! Er hatte das nicht heimlich getan, sondern legte – ganz pflichtbewusster deutscher Staatsdiener – danach sogar ein Aktenvermerk über seinen Befehl an, den Verdächtigen »nach vorheriger Androhung, unter ärztlicher Aufsicht, durch Zufügung von Schmerzen [keine Verletzungen] erneut zu befragen.«

Als historische Anekdote: Tatsächlich ist nur ein einziger vergleichbarer Fall bekannt. 1956 verhaftete die französische Polizei in Algerien einen Angestellten der Gaswerke. Der Kommunist hatte dort eine Bombe versteckt, deren Explosion zahlreiche Menschen das Leben hätte kosten können. Obwohl der Gefangene auch nach stundenlangen Verhören schwieg, weigerte sich der französische Polizeichef Paul Teitgen, den Mann durch zur Preisgabe des Verstecks zu zwingen. Die Bombe explodierte nur deshalb nicht, weil der Zünder versagte. Doch Teitgen, im Dritten Reich Widerstandskämpfer und Häftling im KZ Dachau, ließ keinen Zweifel an seiner Haltung: »Wenn man sich einmal auf Folter einlässt, ist man verloren.«

19:11 20.01.2019
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