Timur Dugasajew vs. Tschetschenische Blogger

Kadyrowzy in Deutschland Kadyrow Anhänger welche in Deutschland Asyl beantragt haben, drohen Landsleuten welche in Opposition zum Regime stehen und werden dabei von Timur Dugasajew unterstützt.
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Am 4. Mai 2019 wurde auf dem Instagram Account Tahaev_95_ ein Video veröffentlicht, in dem Timur Dugasajew Blogger aufforderte, ihre Aktivitäten einzustellen, »Informationen auf der ganzen Welt zu verbreiten«, um Putins Verletzungen der Menschenrechte sowie kriminelle Aktivitäten in Russland im Allgmeinen und Tschetschenien im spezifischen offenzulegen.

In seiner Videobotschaft schlägt Dugasajew vor, dass die »zwei oder drei« Blogger sich mit ihm treffen sollen, um ihm persönlich zu berichten, was diese in ihren Blogs schreiben.

Für den Fall, dass Blogger diesen Schritt wagen – laut Dugasajew sagen die Blogger über sich selber sie seinen sehr mutig – möchte er sich selber davon überzeugen. »Wenn ihr vor mir das erzählt, was ihr in euren Blogs schreibt, dann seid ihr wirklich mutige Leute, das sage ich euch!«, Schließt Dugasajew seine Nachricht ab.

»Du und die anderen (Blogger) werden so viel reden, wie ich es euch erlaube und nicht mehr. Verstehst du mich?«

»[Ihr seid alle] unwürdige Menschen, welche der ganzen Welt wenig schmeichelhafte Sachen erzählen über das [tschetschnische] Volk erzählen – Sie sind keine echten Männer, wer auch immer sie sind.«

«Kadyrows Vertreter in Deutschland» Timur Dugasajew adressierte die Nachricht, ohne die Namen der Blogger zu nennen, um der rechtlichen Verantwortung zu entgehen. Gleichzeitig macht er deutlich, über wen er spricht, in dem er Menschenrechtsaktivisten erwähnt.

Er ruft persönlich andere Anhänger der russischen Kadyrowzy-Bande in den EU-Ländern auf, die zwei oder drei Blogger zu bestrafen, mit den Worten: »Ich appelliere an alle, die ein Herz für die tschetschenische Sache haben, für die Sache von Achmat Kadyrow sind, wenn ihr solche Leute irgendwo trefft, welche gegen Achmat Kadyrow sind, wenn ihr mit ihnen die Sache nicht klärt, wie es geklärt werden soll, dann seid ihr auch keine Männer. Dann seid ihr auch nicht auf dem Pfad von Achmat Kadyrow.«

Dugasajew versucht damit, die freie Meinungsäußerung und dessen Verbreitung, die in Artikel 4 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland garantierten wird, zu verbieten und unmittelbar Leben und Gesundheit zu gefährden.

Kadyrow duldet keine Kritik an seiner Regierung – weder in Tschetschenien noch innerhalb der Diaspora im Ausland. Das hat er in der Vergangenheit bereits in verschiedenen Videos mitgeteilt.

Es lohnt sich daran zu erinnern, dass Umar Israilov, ein Kritiker des Regimes von Kadyrow in Wien am 13. Januar 2009 eliminiert wurde, ua weil er eine Aussage beim Europäischen Gerichtshof über den Menschenrechtsverletzungen in Tschetschenien tätigen wollte.

Die Regierung unter W.W. Putin hat inTschetschenien ein Regime errichtet, das für die Betroffenen mit der Periode des großen stalinistischen Terrors vergleichbar ist. Für einen ehrlichen Experten ist es kein Geheimnis: In Tschetschenien kann selbst der Gedanke als Verbrechen gewertet werden, wofür man gefoltert und getötet wird. Dies betrifft nicht nur den »Täter des Gedankenverbrechen« sondern auch seine Angehörigen, welche Repressionen ausgesetzt werden.

Bereits Ende 2015 hatte Kadyrow deutlich gemacht, dass Sippenhaftung nicht nur für Angehörige mutmaßlicher Terroristen gilt, sondern auch für Tschetschenen, deren Angehörige im Ausland gegen seine Politik protestieren.

Damals hatten Tschetschenen in Wien und Oslo am 24. Dezember 2015 bzw. am 2. Januar 2016 gegen Kadyrow demonstriert. Nach der ersten Demonstration trat der tschetschenische Regierungschef am 30.12.2015 im regionalen Fernsehen auf und schwor, die Familien der Wiener Demonstranten in Tschetschenien ausfindig zu machen und dafür zu sorgen, dass diese wiederum ihre Angehörigen in der Diaspora zum Schweigen bringen.

»Unser Brauch ist es, dass der Bruder für seinen Bruder verantwortlich ist. Ich habe den Befehl gegeben herauszufinden, ob sie (die Protestierenden) Brüder und Väter haben, zu welcher Familie sie gehören, wo sie geboren wurden und wer sie sind«, sagte Kadyrow.

Um seine Macht zu erhalten und auszubauen, die Gesellschaft in Angst und Schrecken zu halten, bediente sich Kadyrow drakonischer Methoden: Er setzte neben Säuberungen auf Sippenhaftungen von Angehörigen mutmaßlicher Terroristen, Diskreditierung von Dissidenten als Drogenkonsumenten sowie der Inhaftierung von Menschenrechtsverteidigern, seit Beginn des Jahres 2017 auch auf öffentliche Demütigung in Deutschland selbst.

Drohungen und öffentliche Demütigung sind eine weitere Methode von Kadyrow, seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Zwar werden er und seine Politik in Tschetschenien praktisch nicht offen, sondern höchstens leise im engsten und vertrautesten Kreis kritisiert, dennoch gab es auch öffentliche Kritik, für die bitter bezahlt werden musste. Diese öffentlichen Demütigungen werden durch Grosny TV sowie andere soziale Plattformen verbreitet.

Ein Beispiel ist das Schicksal von Mowsar Eskarchanows. Nach seiner Flucht nach Deutschland suchte Beslan Dadaew, Korrespondent des Senders GrosnyTV, ihn in Begleitung auf. Sie nötigten ihn zu einer Entschuldigung vor laufender Kamera: Es seien westliche Journalisten gewesen, welche ihm Drogen gegeben und zu kritischen Aussagen gegen Kadyrow verleitet hätten. Seine eigene Geisteskrankheit wäre der Grund, dass er schlecht über Kadyrow spreche..

Am 28. April 2018 wurde Minkail Malizaew, ein weiterer Kritiker von Putins Stellvertreterregierung in Tschetschenien, in seiner eigenen Wohnung attackiert. Er wurde von Beslan Dadaew und Kampfsportler welche sich als Journalisten ausgaben in seiner eigenen Wohnung angegriffen. Am 27. März 2019 gab es einen weiteren Versuch Herrn Malizaew zu schädigen, doch es gelang ihm glücklicherweise, den Angreifern zu entkommen.

Auch der tschetschenische Blogger Tumso Abdurachmanow wurde wiederholt von Magomed Daudow und anderen Kadyrow Anhängern bedroht. Selbst sein Bruder, welcher in Deutschland lebt, steht deshalb unter Druck aufgrund der Sippenhaftung. Beslan aus Bremen ein gebürtiger Tschetschene, welcher auf der Suche nach Asyl nach Deutschland gekommen ist, hat dem Parlamentspräsidenten Magomed Daudow, welcher Tumso eine Blutfehde angekündigt hatte, Hilfe angeboten.

Anhänger der Politik von Ramsan Kadyrow wie Timur Dugasjew, Shamil Dadagov, Adam Tahaev oder Ibagimov Magomed können nicht nur Demonstration zur Unterstützung des Regimes in Deutschland organisieren, sondern ähnlich wie Beslan aus Bremen auch Drohungen gegen Dissidenten aussprechen.

Mochmad Abdurachmanow Asylbescheid dagegen war negativ und trotz der direkten Gefahr durch die Sippenhaftung droht nun eine mögliche Abschiebung nach Tschetschenien. Kadyrow selbst sollen schon ein Kopfgeld ausgesezt haben, für denjenigen welcher aktiv wird.

Journalisten finden Timur Dugasajew im Tschetschenischen Kulturzentrum am Germaniahafen 1, Kiel 24143.

16:32 20.05.2019
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