Wo versteckt sich Abu Bakr al-Baghdadi?

ISIS Diverse IS-Kämpfer sind empört über die Tatsache, dass der »Kalif« während des Kampfes um die letzte Bastion des IS, im syrischen Baghouz, geflohen ist.
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Abu-Bakr al-Baghdadi verursacht aktuell nicht nur bei den Feinden seiner Schöpfung Ärger und Streit, sondern auch in seinem eigenen Lager. Diverse IS-Kämpfer sind empört über die Tatsache, dass der »Kalif« während des Kampfes um die letzte Bastion des IS, im syrischen Baghouz, geflohen ist. Nach Berichten irakischer Medien brachen diverse Kämpfer, darunter der tschetschenische Kommandeur «Abu Mohammed» ihren Eid auf den »Kalifen« aufgrund seiner Flucht.

Probleme mit der Treue seiner Mitstreiter sind Abu Bakr al-Baghdadi gut bekannt. In seiner Karriere als Kalif vertraute er deshalb stets nur drei Kameraden: seinem älteren Bruder Humaa, seinem Fahrer und Personenschützer Abdullatif al-Jubury, welchen er seit seiner Kindheit kennt, sowie seinem Kurier Saud al-Kurdi.

Bereits im Januar 2019 bekam Abu-Bakr al-Baghdadi Schwierigkeiten, als seine eigenen Kämpfer versuchten, den »Kalifen« zu stürzen. Der Putsch wurde hauptsächlich von ausländischen Mitgliedern der IS durchgeführt, dh nicht von Syrern oder Irakern. Der Versuch endete erfolglos: Abdullatif al-Jubury war achtsam und die gutbezahlte Garde von Abu Bakr al-Baghdadi besiegte die Rebellen. Der mutmaßliche Anstifter, ein Algerier aus Abu Muazz, entkam. Für seinen Kopf wurde eine Belohnung ausgesetzt. Der »Führer der Gläubigen« selbst floh jedoch aus Angst vor einem erneuten Coup d'État. Von den Außenbezirken der Stadt Khadzhin im Osten Syriens flüchtete er und versteckte sich irgendwo tief im Tal des Euphrat, berichtete der irakische Geheimdienst.

In der Zwischenzeit bedeutet das Aufgeben von Abu-Bakr al-Baghdadi nicht, die Ideologie des IS sei besiegt. Beobachter glauben, dass die Militanten nun nur noch tiefer in den Untergrund gegangen sind. Selbst in den vom IS befreiten Gebieten unterstützen »ruhende Zellen« ihre radikalen Mitstreiter, die überraschende Angriffe auf die lokale Bevölkerung durchführen können.

Was den »Kalifen« selbst betrifft, sind sich die Versionen seines Schicksals nur in einem Punkt einig: Er ist geflohen und der Belagerung von Baghouz entkommen. Aktuell sagen syrische Kurden westlich des Euphrat, dass al-Baghdadi in die Provinz Idlib geflüchtet sei, die von verschiedenen Gruppen der syrischen Opposition kontrolliert wird. Der irakische Abgeordnete Hassan Salem sagte wiederum aus, der Führer der IS sei bereits im Irak in der Provinz Anbar. Näher an der »goldenen Mitte« sind höchstwahrscheinlich die irakischen Spezialdienste: Al-Baghdadi bewegt sich nach ihren Informationen ständig und bleibt nicht länger als zwei Tage an einem Ort.

Die Flucht ist für al-Baghdadi nichts neues, dies bestätigt auch der irakische IS-Experte Hisham al-Hashimi. »Er hat an keiner Schlacht teilgenommen und sich von den Kämpfen entfernt gehalten", sagt er. Abu Bakrs Bodyguards wüssten, dass es wichtiger sei, sein Leben zu sichern, als das Kalifat zu erhalten.«

Bereits 2016, als weltweit spekuliert wurde ob der »Führer der Gläubigen« noch am Leben ist, versammelten sich seine Stellvertreter aus allen von ihm kontrollierten Territorien, um einen Stellvertreter zu ernennen, der im Falle seines Todes die Nachfolge des »Kalifen« antreten sollte. Damals rasierte sich al-Baghdadi seinen Bart und nutzte die Dienste von plastischen Chirurgen, um unerkannt zu entkommen, wie Brigadegeneral Fadil Barwari bestätigte.

Im Interview verwies er auch auf die langjährige Bekanntschaft der irakischen Sonderdienste mit dem selbsternannten »unsichtbaren Scheich«. Barwari berichtet: »Vor zehn Jahren war al-Baghdadi unser Gefangener, daher haben wir genügend Informationen über ihn.«

Im Allgemeinen ist Lügen im Islam nicht erlaubt und wird als verwerflich betrachtet aber bei Abu-Bakr al-Baghdadi beginnt dies bereits mit seinem Namen. Sein richtiger ist Ibrahim Awad Ibrahim Ali al-Badri al-Samarrai und wie der Zusatz bereits verrät, stammt er aus Samarra in der Provinz Salah ad-Din und nicht aus Bagdad.
Interessant ist auch der Schwur auf den »Kalifen« selbst, denn mit der Zusatz قريش wird eine Verbindung zum Stamm der Koreischiten konstruiert.Wenn Ibrahim Ali al-Badri al-Samarra aus einer solch angesehenen Familie stammt, warum sollte dann seine Familie dies verbergen?

Auch die Bezeichnung Kalif ist nicht korrekt, schließlich muss dieser nach islamischem Recht von autoritativen, kenntnisreichen Muslimen der gesamten Gemeinschaft gewählt werden und nicht von einer kleinen Gruppe, die kaum über tiefgründige theologische Kenntnisse verfügt. Die Mitglieder des »Islamischen Staates« haben sich nur untereinander beraten, anschließend trat jemand mit Turban vor die Kamera und teilte mit, dass er nun ein Kalif sei. Die Islamische Gemeinde (Umma) hat ihn nicht gewählt, deshalb kann er auch kaum als »Führer der Gläubigen« bezeichnet werden.

Zwar wurde al-Baghdadi die Treue von verschiedenen Gruppen in Afrika, Asien und dem Kaukasus geschworen, aber dies geschah, nachdem seine engsten Mitarbeiter entschieden hatten, dass er ein Kalif sei.

So wurde eine Gruppe tschetschenischer Jugendlicher, die auf Arabisch feierlich auf den vermeintlichen »Führer der Gläubigen« schworen, schlichtweg falsch informiert oder interpretierte die Situation falsch. Einerseits ist al-Baghdadi kein Kalif und andererseits legt er selbst in seinem Namen ein falsches Zeugnis über sich ab. Dies ist der Scharia zufolge, welche ja das »Fundament des Islamischen Staats« sei, jedoch strikt verboten.

Aber darf ein Muslim den Eid auflösen, dem er einst einem Mann geschworen hat, den er als Kalif und Anführer aller Muslim betrachtete? Der Chef des islamischen Koordinationszentrums im Nordkaukasus, Ismail Berdiyev, stellte in einem Interview mit Kavkaz.Realii fest, dass «Abu Mohammed» nicht gegen das islamische Gesetz verstoßen habe.

Anmerkung: Wie die Bundeswehr berichtet kommen mittlerweile beunruhigende Nachrichten aus den Gebieten der nordsyrisch-kurdischen Selbstverwaltung.[11] Hier im Regierungsbezirk al-Hasaka liegt das Flüchtlingscamp al-Hol, in das Zehntausende vor den letzten Kämpfen gegen den IS geflohen sind. Ursprünglich für rund 10.000 Menschen ausgelegt, drängen sich dort mittlerweile nach Angaben von Hilfsorganisationen mehr als 65.000 Flüchtlinge. Tausende mehr werden in den nächsten Tagen erwartet. Die Ankommenden seien meist in einem schlechten Zustand, berichtete am vergangenen Freitag (22. März) ein Vertreter von Medico International. In der IS-Zone um Baghuz hätte es kaum noch Nahrungsmittel gegeben. Die weite Flucht durch kalte Winternächte habe die Menschen ausgezehrt. Sie seien unterkühlt und mangelernährt.
Hinzu kommt eine ganz besondere Herausforderung: Nach Medico-Angaben haben viele der geflüchteten Zivilisten unter der Herrschaft im selbsterklärten Kalifat gelitten. Andere Flüchtlinge sind offenbar Angehörige der IS-Kämpfer – zumeist Frauen mit ihren Kindern. Medico: »Diese Personen fliehen also Seite an Seite mit IS-Opfern und suchen ausgerechnet in einer kurdisch geprägten Region Zuflucht, die vom IS jahrelang bekämpft worden ist.« Laut dem Rat für humanitäre Aufgaben der Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien befinden sich im Augenblick rund 6000 Angehörige von Dschihadisten im Flüchtlingslager al-Hol. Spannungen und Konflikte sind dort unausweichlich.

22:27 28.03.2019
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