Schulterschluss bei der Terror-Abwehr

Sotschi Die US-Marine hat zwei Kampfschiffe ins Schwarze Meer beordert, die dort für die Dauer der Olympischen Winterspiele patrouillieren sollen
Ausgabe 06/2014
Schulterschluss bei der Terror-Abwehr

Foto: Sean Gallup / Getty

Olympische Spiele sollen die Völker verbinden. In Sotschi klappt das vielleicht für die USA und Russland, Barack Obama und Wladimir Putin. Auch wenn beide nicht ganz im Geist der Griechen handeln, die Kriegshandlungen während der Wettkämpfe unterbrachen. Die USA kommen zu den Winterspielen mit 230 Sportlern, haufenweise Funktionären – und zwei Kriegsschiffen. Das Kommandoschiff USS Mount Whitney und der Raketenkreuzer USS Ramage seien einsatzbereit, blieben aber vorerst in internationalen Gewässern, heißt es. Die Ramage ist laut US-Marine ausgerüstet mit Abschussvorrichtungen für Tomahawk-Marschflugkörper.

Man kann diese Präsenz als einen Hinweis deuten, dass die US-Regierung aus eigenem Interesse Spannungen mit Russland abbauen will und trotz der Verärgerung über das Exil für Edward Snowden die Spiele von Sotschi dafür genutzt werden sollen. Obama und sein Vize werden sich dort nicht zeigen, um das Team USA zu bejubeln. Sie verzichten aber auf einen „Boykott“ Gauck’scher Art. Der Mann aus Berlin wollte dem Ex-KGB-Offizier nicht die Hand schütteln, so deutsche Medien. Obama hat die Tennis-Ikone und Homosexuellen-Aktivistin Billie Jean King im Olympia-Kader platziert. Kritik an Putin ja, aber mit Maß, die Beziehungen sind schwierig genug. Er halte die Spiele für sicher, so der Präsident. Seine Regierung habe die russischen Sicherheitspläne eingesehen.

FSB und FBI

Verteidigungsminister Chuck Hagel betont ebenfalls gemeinsame Interessen. Vor kurzem hat er mit seinem Amtskollegen Sergei Schoigu telefoniert, die Sicherheit in Sotschi diskutiert und sein Beileid zum blutigen Anschlag Ende Dezember in Wolgograd ausgesprochen, bei dem 34 Menschen starben. Die Reisewarnung des US-Außenministeriums für Sotschi liest sich relativ undramatisch. US-Bürger sollten „hinsichtlich ihrer persönlichen Sicherheit zu jeder Zeit aufmerksam sein“. Für Deutschland empfiehlt das gleiche Ministerium Vorsicht in Restaurants und Bars, die „von einer Vielzahl von US-Bürgern besucht werden“.

Russland scheint die amerikanische Zurückhaltung zu würdigen. Über die beiden Kriegsschiffe hat man sich nicht aufgeregt. Das FBI und der diplomatische Sicherheitsdienst des State Department haben zahlreiche Mitarbeiter nach Sotschi schicken dürfen. FBI-Direktor James Comey lobte im zuständigen Kongressausschuss Ende Januar, die Kooperation seiner Behörde mit dem russischen FSB habe sich „im Vorjahr laufend verbessert“. Diesen Standard noch zu überbieten, sei „für das FBI ein großer Schwerpunkt“.

Man denkt unwillkürlich an das Bombenattentat auf den Boston-Marathon im April 2013. Die Hauptverdächtigen Tamerlan und Dschochar Zarnajew stammen angeblich aus dem Kaukasus. Schon Anfang 2011 hatte es Kontakte russischer Ermittler zum FBI gegeben, die vor dem älteren Bruder Tamarlan wegen seines radikalen Islamismus warnten. Viel gebracht hat das nicht, aus unbekannten Gründen. Das Zusammenspiel von FBI und FSB war damals augenscheinlich nicht sonderlich ergiebig. Aus Sicht der US-Regierung sollen jedoch die Konflikte mit Russland dosiert werden. Und was den Terrorismus angeht, sind Obama und Putin trotz vieler Gegensätze seelenverwandt – die starken Männer greifen durch.

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