Trump kann kaum verlieren

USA Rex Tillerson hat keine allzu nostalgischen Nachrufe verdient, doch Washingtons Außenpolitik wird mit Mike Pompeo noch unberechenbarer – etwa beim Thema Nordkorea
Ausgabe 11/2018
Man versteht diesen US-Präsidenten nur als Showman
Man versteht diesen US-Präsidenten nur als Showman

Foto: Saul Loeb/AFP/Getty Images

US-Außenminister Rex Tillerson ist raus. Die Welt ist nicht sicherer geworden. Präsident Donald Trump will anscheinend ohne kabinettsinterne Skeptiker regieren – besonders im Vorfeld des geplanten Zusammentreffens mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un. Das Nuklearabkommen mit dem Iran steht nun mehr denn je auf der Kippe.

Er, Trump, wolle dieses „furchtbare“ Abkommen „brechen oder etwas tun“, sagte der Präsident am Dienstag. Tillerson habe das anders gesehen. Tea-Party-Republikaner Mike Pompeo hingegen, seit 14 Monaten CIA-Direktor und nun designierter Nachfolger im Außenministerium, sieht es wie der Boss. So sagte der Präsident über Pompeo: „Riesengroße Energie, riesiger Intellekt, und wir sind immer auf derselben Wellenlänge.“

Dialog ist besser als Bomben. Dieses simple Prinzip gilt auch für das angestrebte Trump-Kim-Treffen, wenn es denn nun ein Dialog wird. Eine Begegnung von Spitzenvertretern beider Nationen ist seit Jahrzehnten überfällig. Nach Ende des Koreakrieges 1953 gab es nicht einmal einen Friedensvertrag. Trotz der dicken Schlagzeilen vom kommenden „historischen Treffen“ ist es jedoch viel zu früh für Erleichterung nach dem monatelangen Säbelrasseln. Nordkorea wird sein Atomwaffenprogramm nicht ohne Gegenleistung einschränken.

Trumps hochtrabend platte Kommentare allein erwecken Zweifel an der Realisierung: „Ich denke, das mit Nordkorea wird sehr gut gehen. Ich denke, wir werden kolossalen Erfolg haben. Ich denke, das wird etwas sehr Erfolgreiches.“ Tillerson hatte den „Fehler“ gemacht, darauf hinzuweisen, man befinde sich noch „in den sehr frühen Etappen“ bezüglich des Begegnungsortes und „des Rahmens dieser Diskussionen“.

Pompeo sprach noch im Juli bei einer Think-Tank-Konferenz davon, Kim Jong-un von seiner Atomwaffenkapazität zu „trennen“. Inzwischen ist er von der Regime-Change-Rhetorik abgekommen. Er liegt aber wohl voll auf Trumps Linie, die USA würden bei den Gesprächsvorbereitungen „keine Zugeständnisse machen“, das sagte er Fox News.

Man versteht diesen US-Präsidenten nur als Showman. Mit Nordkorea präsentiert er eine neue Episode seiner Seifenoper. Spannende Wochen stehen an. Der große Macher will erreichen, was seine Vorgänger nicht geschafft haben. Donald Trump persönlich – und darum geht es ja – kann nach Ansicht seiner Fans kaum verlieren. Kommt es zum Treffen, toll. Und kommt nichts dabei heraus, so hat Trump eben US-Interessen verteidigt. In der darauffolgenden Episode ginge es dann wieder um den roten Knopf.

Wie immer richtet Trump Worte und Taten an seine Getreuen, die offenbar keine Probleme mit dessen erratischem Verhalten haben. Das Ja zu den Nordkorea-Gesprächen beweise nur, dass Trump eben ein anderer Präsident sei, dem „Establishment“ nicht verpflichtet, heißt es. Der rechte Rundfunkmoderator Rush Limbaugh freute sich über Nordkorea und Trumps Gegner: Trump „sprengt viel von dem in die Luft, was sie glauben und wovon sie denken, es sei etabliert und in Stein gemeißelt“.

Rex Tillerson indessen hat keine allzu nostalgischen Nachrufe verdient. Er hat bestenfalls gebremst, doch letztendlich oft beigegeben und so Legitimität verliehen. Welten- und Klimaretter ist der frühere Chef des Ölkonzerns Exxon Mobil sicher nicht. Neue CIA-Direktorin soll Gina Haspel werden, ehemals Chefin eines geheimen Foltergefängnisses in Thailand.

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