RE: Das Trauma bleibt | 11.09.2016 | 22:31

Das können Sie natürlich behaupten. Aber ich kann auch die abenteuerlichsten Dinge behaupten, und dann "Punkt." schreiben. Ich meinte genau das mit "Methode". Es gibt eine Methode dafür, die heißt bei uns "Wissenschaft", sie hat eine aufklärerische Tradition. Und es ist sicher nicht der ultimative Weg zur Weisheit, aber die bestmögliche Mängelverwaltung, um es so zu sagen. Wichtig für die moderne Erkenntnis sind vor allem: Wiederholbarkeit und Wertneutralität. Es sind noch nicht allzu viele Flugzeuge in allzu viele Hochhäuser geflogen, deswegen reicht Ihre bloße Behauptung leider nicht (auch wenn das Postulat der Wiederholbarkeit hier natürlich auch sehr makaber ist, verstehen Sie mich nicht falsch). Und: Wen Sie dahinter vermuten, ist auch nur das: eine Vermutung. Keinesfalls sage ich damit, dass Ihre Kritikpunkte nicht berechtigt sind, aber es ist auf keinen Fall alles so "klar" und "eindeutig" und ich versuche auch garantiert nichts als "belanglos" hinzustellen. Es ist doch eine ziemlich steile These, dass so viele Menschenleben geopfert wurden, um absichtsvoll einen Krieg zu beginnen. Kriege lassen sich sehr viel leichter beginnen. Aber auch das ist reine Spekulation und führt zu überhaupt nichts. Mit der "Klar-und-deutlich"-Methode kann man jeden Unsinn "beweisen", siehe Chemtrails, Hohlerde, Mondlandung, Echsenmenschen... Es bleibt dann nur eben ein Glaube.

RE: Das Trauma bleibt | 11.09.2016 | 21:16

An keiner Stelle stellt der Text die Behauptung auf, "die Wahrheit"™ zu kennen, sondern nur die Metaebene der Wahrheit, nämlich die Theorie, bzw. die Verschwörungstheorie (wobei man mir auch mal sagte, dass allein das schon ein politischer Kampfbegriff sei): Die tritt nun leider gern bei emotionalen, hochkomplexen, undurchsichtigen und mit unseren Methoden der Warnehmung und Empirie nicht (mehr) vollständig zu greifenden Phänomenen auf. "Theorie", weil: Auch die geäußerten Vermutungen zu 9/11 lassen sich nie abschließend belegen, ebensowenig wie der – hier "offiziell" genannte – Tathergang. Und "Verschwörung", weil: cui bono? Wer oder was nun mehr oder weniger davon profitiert(e), wenn das Gebäude nicht ausgebrannt sondern kontrolliert gesprengt wurde, kann ebenfalls niemand beantworten. Darüber hinaus ist es makaber. Genau so, wie ermordete Menschen mit "indirekt-systemisch-ermordeten" Verhungerten gleichzusetzen. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun – oder eben alles. Und da ist sie wieder: die Überforderung.

Für die Rekonstruktion von Tatsachen gibt es Methoden. Kritik ist nie verboten und immer angebracht, aber bitte doch nur an den Methoden (die auch nie neutral sein können, weil von Menschenhand gemacht). Möge man mir die Tippfinger abschlagen an dem Tag, wo ich Kritik verbiete.

Ich hoffe, es hat sich keiner beleidigt gefühlt, weil ich meinte, Verschwörungstheorien tauchen vor allem gern da auf, wo die Realität überfordert. Es ist noch keine paar tausend Jahre her, da hat es die Menschen schon überfordert, dass der Stock, wenn man ihn ins Wasser hält, auf einmal geknickt aussieht. Was da wohl für finstere Mächte am Werk waren? Und warum? Theorien waren dafür zur Hand, Kritik daran auch und durchgesetzt hat sich kein "Beweis", sondern die "bestmögliche Annäherung" und die Restzweifel.

Das ist die einzige Praxis, die je irgendwem etwas gebracht hat, und sie schließt auch immer ein: Womöglich ist das alles Quatsch und es war ganz anders. Aber wenn die eigene Theorie gegenüber der offiziellen Variante schon mit so einer Vehemenz verteidigt wird, dass sie wiederum keine Kritk zulässt, erliegt sie dem gleichen Trugschluss wie der fanatische, religiöse Glaube. Und was der bringt, wissen wir alle.

RE: Pegidas Märchen | 23.02.2016 | 10:44

Liebe Kommentatoren, vielen Dank für die vielen inspirierenden Anmerkungen. Das Thema wird uns sicher so schnell nicht verlassen und es ist immer gut, aus konstruktiver Kritik neue Betrachtungsweisen schöpfen zu können.

Ich möchte dennoch einen Schwerpunkt deutlich machen, der bei vielen vielleicht übersehen wurde: In keinster Weise haben wir als Autoren im Artikel behauptet, dass die "Leitmedien", die "Etablierten" oder wie auch immer sie die größeren bis großen Medienhäuser nennen möchten, frei von Fehlern sind. Ich denke, jeder Journalist weiß um die Unmöglichkeit von Objkektivität oder gar Wahrheit. Dennoch geht es uns vor allem um den letzten Satz, um den unternommenen Versuch. Denn diesen können wir bei den genannten Beispielen der Alternativmedien nicht erkennen, wohl aber hin und wieder bei den "Großen", die zumindest ab und zu eine Falschmeldung korrigieren oder kritisch kommentieren – und zwar von allen möglichen Seiten. Sicher sind da auch Kommentare dabei, die uns aufstoßen, aber wir sind froh, dass es sie gibt.

Ganz sicher wollten wir nicht eine von-oben-herab-Perspektive einnehmen und uns mit unserem vermeintlichen Besser-Sein selbstbeweihräuchern. Das allein schon deshalb nicht, weil auch über dieser Seite schließlich "Das Meinungsmedium" steht.

Das gleiche gilt im Übrigen für "Durchgezählt": Sicher sind auch deren Methoden anfällig für Fehler. Aber es wird wenigstens der Versuch unternommen, ein nachvollziehbares und wissenschaftlichesVerfahren zur Schätzung zu nutzen. Diesen Versuch können wir – auch hier – bei den "Schätzungen" von Pegida beispielsweise nicht erkennen. Die Zahlen dort sind Bauchgefühlzahlen und daher nicht allzu weit weg von "frei erfunden".

Und mit Bauchgefühl Berichterstattung zu betreiben, dass ist unserer Meinung nach brandgefährlich und führt letztendlich zu so verachtenswerten Auswüchsen des Rassismus, wie sie nun leider insbesondere in Sachsen drohen, zur Tagesordnung zu werden.