Ramsauer läuft Amok

S21 Ramsauer warnt vor höheren Fahrpreisen. Schuld sind die Landespolitiker, die sich einer Beteiligung an den Kostenexplosionen bei Stuttgart 21 verweigern
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Gestern die Clowns, und heute Ramsauer.

Welchen Titel hätte der denn verdient ?

Am besten kommt er noch weg mit dem süffisanten Lob der Bavaria (Luise Kinseher) beim diesjährigen Politiker-Derblecken auf dem Nockherberg : "Für mich bist du der bestaussehende Verwalter offizieller Ahnungslosigkeit, den wir haben." Und diese wandelnde Ahnungslosigkeit in Person, diese ADAC-Kühlerfigur wurde jetzt offenbar unsanft geweckt : Ramsauer warnt vor höheren Fahrpreisen.

Aber: Wer warnt vor Ramsauer ?

Gottseidank er selbst, sobald er den Mund aufmacht oder sonst wie etwas von sich verlauten lässt. Wenigstens hat er eines bewirkt, ein klares Kontra der Bundes-SPD. Ob die Landes-SPD den Durchblick schafft, bleibt abzuwarten.

Dieser Ahnungslose, der bestenfalls gelegentlich von andern aufgesetzte Artikelchen in der ADAC-Mitgliederzeitschrift mit seinem Konterfei schmücken darf, der weder beim Berliner Flughafen noch bei andern aktuellen Entwicklungen im Verkehrssektor mitbekommt, was (nicht) läuft.

Der zuläßt, dass 'seine' DB im Privatisierungs-Wahn ihre Infrastruktur dank minimierter Instandhaltung verkommen lässt, die den Ländern -einschließlich Berlin und Hamburg- via überteuerter Trassen- und Stationsabgaben die ihnen gesetzlich zustehenden Regionalisierungsmittel (für die Durchführung des Regionalverkehrs, der ursächlich Aufgabe des Bundes war) hinterrücks wieder aus der Tasche zieht, um sie als Bilanz-Gewinn der DB auszuweisen, zulasten nicht mehr leistbarer Nahverkehrsaufgaben, der stellt sich jetzt hin und will der Welt erzählen, die Grünen im Lande seien schuld, weil sie sich nicht jeweils ein Stück der regelmäßigen S21-Kostenexplosionen auf den Landes-Teller laden wollen !?

Gibt es eine Steigerung für diese Unverschämtheit ?

DB Netze (Fahrwege und Personenbahnhöfe) lieferte 2011 bei einem Umsatzanteil von knapp 4 % einen Gewinnanteil von knapp 37 % ab (!), DB Regio (der Betreiber des DB Regionalverkehrs) bei einem Umsatzanteil von knapp 22% einen Gewinnanteil von knapp 33% ! Während dank der teils sehr fragwürdigen internationalen Akquisitionen z.B. DB Schenker Logistics bei einem Umsatz-Anteil von ca. 41 % nur ca. 14% Gewinnanteil beisteuert.

Alle Werte von 2011, die Zahlen von 2012 sind noch nicht veröffentlicht. Der Gesamt-Umsatz der DB lag 2011 bei 38'' Mrd. Euro, der ausgewiesene Gewinn betrug 1''3 Mrd. (EBIT = 2''3 Mrd.).

Allen, die sicher näher interessieren, sei der "Alternative Geschäftsbericht 2011 der Deutschen Bahn", herausgegeben vom Bündnis "Bahn für Alle", aus dem die o.a. Werte auch entnommen sind (Seiten 16/17), sehr empfohlen. Eine Super Arbeit. Da steht das drin, was im offiziellen Geschäftsbericht tunlichst unterschlagen wird.

Gezeigt wird z.B. (Seiten 32/33) auch der kontinuierliche Rückgang der Investitionssumme seit 2002.

Fahren auf Verschleiß !

Genauer analysiert hat auch wieder einmal Prof. Böttger von der HTW Berlin das Investionsverhalten der DB ("Die Eisenbahn-Infrastruktur knirscht" und "DB AG legt Infrastruktur-zustandsbericht 2011 vor"), beide Artikel ( und anderes mehr ) einsehbar unter HTW Berlin :

http://people.f4.htw-berlin.de/lehrende/boettger/veroeffentlichungen.html

Der Bahn-Experte Professor Dr. Christian Böttger dürfte den meisten noch aus der Schlichtungsrunde bekannt sein. Dem Herrn Bundesverkehrsminister werden derartige Grundkenntnisse eher nicht geläufig sein. Es wird kolportiert, dass er sich eher nicht so gerne in Details einarbeitet.

Festzustellen ist, wir haben tatsächlich einen Bundesverkehrsminister, was in der Vergangenheit nicht immer so wahrnehmbar war. Zu hoffen ist, dass dieser wenigstens einmal etwas sinnvolles bewirkt hat, indem er mit seinem Affront eine öffentlichkeitswirksame Klärung der Sachlage herausgefordert hat.

'Alle' tun so, als müsse sich das Land (und die Stadt Stuttgart) an den Kostenerhöhungen beteiligen. Haben die meisten Medien-Künstler auch nicht kapiert, dass Bahnhofsbau und Streckenbau Sache der DB bzw. des Bundes sind. Das kommt davon, wenn man ohne Notwendigkeit anfängt Geschenke zu machen. Statt Dank kommen nur weitere Forderungen. Die Ausnahme wird zum Normalfall deklariert.

Kretsche paß gut auf, wenn die Politik der DB jetzt keinen Einhalt gebietet (was noch gut möglich ist) sondern sie weiter buddeln und muddeln lässt, dann geht die Fahrt schnurstracks Richtung Point of no Return, und dann ist dem Druck auf eine Kostenbeteiligung nicht mehr zu entgehen, denn dann ist die Katastrophe tatsächlich unumkehrbar.

17:35 07.03.2013
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