S21 Immobilienverband führt der Stadtverwaltung offiziell die Hand

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Das verstehe ich jetzt wieder gar nicht. Ausgerechnet das Immobilien-Wirtschafts-Partner-Blatt STN gibt sich ganz erstaunt über die längst absehbare Öde im neuen Bahnhofs-Viertel.

Und die Herren, die im Rathaus – als Angestellte der Bürger und bezahlt von deren Geld - (... ja, mal drüber nachgedacht ?!) FÜR die Bürger der Stadt eine lebenswerte Stadt planen und realisieren sollten, tun noch erstaunter !!! Wieder mal ein bisschen Zuckerwatte fürs dröge Volk.

www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stadtplanung-europaviertel-die-einoede-droht.505bb886-47a4-4241-8527-4e38efa82e80.html

"Die Einwirkung auf Bauherren ist aber begrenzt", musste [Baubürgermeister ] Hahn den Gemeinderäten einräumen. Über den bestehenden Bebauungsplan seien konkrete Nutzungsanteile nicht vorzuschreiben. "Wir versuchen, die Investoren über städtebauliche Verträge zum Mitmachen zu bewegen', so Hahn. Fraktionsübergreifend stärkten die Gemeinderäte Hahn den Rücken, bei den Investoren weiter auf belebende Angebote zu drängen. 'Wenn die Stadt das nicht durchsetzt, ist der Zug abgefahren', befürchtet Stadtplanungsexperte Pesch.

Dabei wissen die doch am besten, dass genau andersherum ein Schuh draus gemacht wurde ! Was heißt "Schuh" ?! Ein Kampf-Stiefel, mit dem sich herrlich durchs Gelände trampeln lässt. Big footprint sozusagen. Brauchen in ihrem Rathaus nur mal übern Gang ihre "Insider"-Kollegen von der Immobilienfraktion zu fragen, die könnten ihnen schon verraten wo's lang geht.

Ist auch sauber beschrieben, in so einer Art Gebrauchsanleitung für die Marktkonforme Stadtverwaltung [das ist jetzt ein Plagiat von Priols scharfzüngiger Auslassung über die "marktkonforme Demokratie" gestern abend in "Neues aus der Anstalt" *g*], nachzulesen im Rundschreiben der IWS (Immobilienwirtschaft Stuttgart e.V.) vom 14.07.2011.

www.iws-stuttgart.de/assets/pdf/aktuelles-zu-sim.pdf

Zur IWS und deren "hochkarätig besetzten Beirat" dem u.a. Dr. Klaus Vogt von der städtischen Dienststelle "Wirtschaftsförderung Stadt Stuttgart" als (Eigenaussage IWS) "hochkarätiger Vertreter der Immobilienwirtschaft" angehört, gibt’s mehr nachzulesen im Freitags-blog vom 24.09.2011.

Wie heißt es nun so schön in dieser Gebrauchsanleitung :

"Aktuelles zu den Aktivitäten des Arbeitskreises „Runder Tisch der Immobilienwirtschaft“ zum Stuttgarter Innenentwicklungsmodell (SIM)

"1. Was hat der IWS bislang getan?

1.1 Nach Bekanntwerden des offiziellen Beschlussvorschlags der Stadt hat die Arbeitsgruppe kurzfristig einen Runden Tisch mit den Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen und der Bauverwaltung abgehalten (am 14.02.2011). Das Gespräch diente dem wechselseitigen Meinungsaustausch."

"1.2 Ergänzend haben wir am 22.02.2011 eine Pressekonferenz mit Stuttgarter Zeitung, Stuttgarter Nachrichten, Stuttgarter Wochenblatt und Immobilienzeitung durchgeführt. Auch hierzu erfolgte eine Rund-E-mail an alle IWS-Mitglieder. Die genannten Zeitungen haben ausführlich von dem Pressegespräch berichtet und die Position des IWS dargestellt."

[ Klar, was sonst ? 'Die genannten Zeitungen' sind ja auch die offiziellen Medienpartner der IWS.]

"1.3 Am 11.03.2011 hat der Vorstand des IWS sodann einen offenen Brief an alle

Mitglieder des Gemeinderats sowie an den OB, Herrn Bürgermeister Föll, Herrn

Bürgermeister Hahn und Frau Aufrecht gesandt und anlässlich der unmittelbar

bevorstehenden entscheidenden Abstimmung im Gemeinderat nochmals

eindringlich die Position des IWS klargemacht."

[Also für die, die immer noch nicht kapiert hatten, wo's lang geht ! Was für Herrn Föll ja gewiß nicht zurifft. ]

"2. Was passiert nun?

2.1 Der OB hat in der entscheidenden Gemeinderatssitzung angekündigt, er wolle der Stadt in der nun anstehenden 2-jährigen Testphase die Immobilienwirtschaft

gewissermaßen „zur Seite stellen“. Wir interpretieren dies so, dass der IWS als

„Monitor“ und „Sparringspartner“ der Verwaltung die Testphase begleiten soll."

[ Ei ei, es darf auch noch interpretiert werden .. ! Wie darf wohl der dreidimensional verarschte Bürger und Steuerzahler das interpretieren ?! DER maßgebliche Interessen- und Lobbyverband der Stuttgarter Immo-Wirtschaft wird der Stadtverwaltung zur Seite gestellt !!!! Die Fachleute von der marktkonformen Stadtplanung sagen unseren Stadt-Waltern was sie wie zu tun haben !!!!!! ]

"Erster Schritt dieses Monitorings war ein Gespräch am 08.06.2011 mit Herrn Dr. Kron (Leiter Planungsamt), Frau Aufrecht und Herrn Dr. Sandner als IWSVertreter, das der Klärung offener Fragen zu SIM diente. Zur Vorbereitung dieses Gesprächs hatte unser Arbeitskreis eine Fragenliste erstellt und über Frau Aufrecht Herrn Dr. Kron zukommen lassen" ...

"Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Gespräch vorab: Herr Dr. Kron hat in mehrerlei Hinsicht Flexibilität signalisiert. [Unterstreichung im Original !] So soll die Wohnquote – anders als noch im SIM-Papier der Stadt dargestellt – nicht pauschal und unbesehen an jedem beliebigen Standort in der City verlangt werden, sondern das Planungsamt werde in jedem Einzelfall prüfen, ob Wohnen am konkreten Standort städtebaulich tatsächlich sinnvoll sei. Damit wird ein zentraler Kritikpunkt unseres Arbeitskreises aufgegriffen – ein schöner erster Erfolg, wie wir meinen."

Ja, meine ich auch! Ein schöner –und vor allem ERSTER- Erfolg. Das heißt, wir dürfen uns noch auf viele weitere Erfolge dieser Art freuen. Könnte nur sein, dass uns das Freuen im Halse oder sonst wo stecken bleibt.

Denn genau nach der Gebrauchsanleitung passiert es jetzt auch. Laut STN vom 27.09.11 :

"So will die Fay Projects GmbH aus Frankfurt ihr "Europe Plaza" anders als ursprünglich beantragt realisieren. Der Komplex, dessen Zugangsportal den künftigen Stockholmer Platz des neuen Quartiers prägen wird, soll im Erdgeschoss mehr Büroflächen bekommen.

Im Gegenzug wollen die Investoren Gastronomie und Handel reduzieren. Auch der Sparkassenverband will sein Akademiegebäude südlich der Bibliothek anders als vorgesehen realisieren.… Das neue Baugesuch für den ersten Bauabschnitt sieht Grundrisse vor, die mehr Platz für interne Veranstaltungsräume auf Kosten öffentlicher Gastroflächen bietet.… Die Angst vor Verödung des künftigen Stockholmer Platzes ist umso berechtigter, weil der laut Bebauungsplan verbindliche Wohnanteil von fünfzig Prozent beim Europe Plaza auf die benachbarten Pariser Höfe übertragen wurde. Das Baurecht lässt diese Verschiebung von Wohnungen und Umwandlung zum Bürogebäude zu."

Eine Katze nach der andern kommt aus dem Sack ! Wieviele Katzen hat S21 die nächsten 20 Jahre noch für die Stuttgarter auf Lager ?

Sage keiner hinterher, er hätte das nicht gewusst ! Wissen können hat es jeder !

Wie schön war es einst, die Heilbronner Straße herabkommend den freien Blick über das ganze Stuttgarter Tal zu genießen, von den Weinbergen am Rotenberg über die grünen Hänge im Stuttgarter Osten, die Alte Weinsteige, Karlshöhe, … Einmalig. Unverwechselbar. Stuttgart.

Nix mehr davon. Einfallslose, 08/15-Standard-Klötze aus Beton, Stahl und Glas stehen jetzt im Weg, versperren die Sicht, Massenware wie sie hunderttausendfach, gleich, monoton in der ganzen Welt rumsteht. Überhaupt nix einmaliges. Verwechselbar ja. Irgendwo und Nirgendwo.



00:49 28.09.2011
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