S21 Was treibt die Bau-und Immobilienindustrie in Stuttgart

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Ach ja, diese seltsame, ungute Verquickung von Beirats-Posten und öffentlichen Ämtern, das hatten wir doch auch in voller Breite beim Beirat der ECE-Stiftung "Lebendige Stadt".

ECE plant das überdimensionierte Einkaufs-Center im Verbund mit der S21-Neubebauung auf dem ehemaligen Güterbahnhofs-Gelände beim Hauptbahnhof.

Kommen wir noch dazu. Aber erst mal der Reihe nach. Was wäre die Immobilienbranche ohne die Bauindustrie.

Die Bauindustrie war Treiber-Branche in Deutschland nach 1945, und als der Wiederaufbau im wesentlichen abgeschlossen war, sah man sich nach neuen Betätigungsfeldern um. Mußte eben zunächst wieder einiges abgerissen werden, was den Krieg überstanden hatte. Das war die Bauwut der 70er, überwiegend in Beton. Aber danach ging der Anteil der Bauinvestitionen vom Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Bauinvestitionsquote, von über 17 % in 1970 bis auf ca. 12% in 1990 zurück. Dann kam der Wiedervereinigungs-Boom, vor allem vom Verkehrssektor ausgehend. Die Bauinvestitionsquote stieg nochmals auf über 14% in 1994 an und fällt seit dem kontinuierlich, 2010 lag sie nur noch knapp über 9 %.

www.bauindustrie.de/zahlen-fakten/statistik/bedeutung-der-bauwirtschaft/anteil-am-bruttoinlandsprodukt/

Eine Studie des IWG Bonn "Die Zukunft der Bauwirtschaft in Deutschland" (2002) im Auftrag des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie stellt fest, dass der Beitrag der Bauindustrie am BIP in 2001 knapp 5% betrug. Die Hälfte des Wertes in den Wiederaufbaujahren. Demnach erstellte die Bauwirtschaft (jeweils zum Geldwert von 2002) im Jahre 1960 Güter und Dienste im Wert von 55 Mrd. Euro, 1990 waren es 82 Mrd. Euro. 1995 war der relative Höhepunkt erreicht mit 110 Mrd. Euro. Danach ging die Wertschöpfung bis 2001 um rund ein Fünftel auf rd. 90 Mrd. zurück. Seit Mitte der 90er Jahre befindet sich die Bauindustrie im Abschwung. 1994 betrug der Anteil der Bauwirtschaft am BIP 7,1 %, in 2010 lag er bei ca. 3,7 %.

www.iwg-bonn.de/fileadmin/user_upload/pdf/Ottnad__Hefele_-_Die_Zukunft_der_Bauwirtschaft_-_2._Auflage.pdf

Die Unternehmen müssen sich laut dieser Studie auf einen nachhaltig schrumpfenden Markt einstellen, im Wohnungsbau wegen der alternden und schrumpfenden Bevölkerung, bei Investitionen in die Infrastruktur wegen der prekären Schuldenlage der öffentlichen Hand.

Selbst hat man eher nicht den Eindruck, dass zu wenig gebaut würde im Land, ganz im Gegenteil, eine regelrechte Bauwut und Landschaftszerstörungswut scheint seit den letzten 10 Jahren das Land heimgesucht zu haben. Keine Autobahnausfahrt, die nicht mit dem Einheits-Gewerbe-Park mit immer denselben Zutaten zugebaut worden wäre oder noch wird. Selbst kleinste Gemeinden liefern sich gegenseitig einen Wettlauf um Gewerbe- und Wohnbau-Investoren. Ein Flächenverbrauch sondergleichen. Seit 2006 verschwinden in Deutschland durchschnittlich ca. 100 ha unbebaute Fläche täglich. Das sind um die 400 qkm jährlich. In den Jahren davor seit 1996 waren es ca. 120 ha täglich.

Und überall grüßen Tag und Nacht von weitem die unübersehbaren riesig-hohen McDonald's Reklametürme entlang den Autobahnen. Das sind die neuen Hoheitszeichen in diesem Lande.

Aber dennoch, seit Mitte der 90er Jahre befindet sich die deutsche Bauindustrie im Abschwung. Da ist es doch kein Wunder, dass sich die ganze Branche wie ein Rudel ausgehungerter Wölfe auf jedes größere Investitionsprojekt stürzt und dieses nicht mehr freiwillig aus den Klauen lässt ! Gab's in den 90er Jahren noch das großes Schmatzen bei der Vorfreude auf die ganze Serie von anvisierten "Bahnhof 21"-Projekten der profitgeil gewordenen Deutschen Bahn, ihrerseits bald in den Klauen von Mehdorn gefangen, blieb der Bauindustrie zunehmend das Maul trocken, als ein 21er-Projekt nach dem andern von der Speisekarte verschwand. Zum Beispiel bestanden prinzipiell ähnliche Pläne für eine unterirdische Durchgangs-Gleisführung für die Kopfbahnhöfe von München und Frankfurt/M und mehrere andere Groß- und Mittelstädte. Frankfurt/M und München kamen bald davon ab, als die Unwirtschaftlichkeit klar wurde, auch S21 wurde 1999 vom damaligen Bahn-Vorstand Ludewig abgesetzt, da nicht wirtschaftlich. Zuletzt hatten sich die Lindauer Bürger in einer Volksabstimmung im Dezember 2011 für die Beibehaltung ihres Kopfbahnhofs auf der Insel ausgesprochen.

Also blieb für die hungrigen Wölfe (oder besser : hungrige Baulöwen ?) nur noch den Brocken "Stuttgart 21". Den konnte man dafür zur richtig fetten Beute aufmotzen. Daß Stutgart 21 in erster Linie ein Immobilienprojekt ist, hat sich inzwischen herumgesprochen. Pech für den im Jahr 2011 pünktlichsten Großstadt-Bahnhof Deutschlands, daß er im Weg steht. Gräbt man eben ein leistungsschwächeres, kleines Tunnelbahnhöfle (laut Eisenbahn-Regelwerk eigentlich nur noch ein Haltepunkt). Da werden schon irgendwie auch Züge fahren können, ist ja egal, WIR WOLLEN BAUEN !

Mir ist auch klar, dass die Bauindustrie ein wichtiger Arbeitgeber ist und eine gut ausgelastete Branche über eine gute Beschäftigungslage zum Wohlstand im Lande beiträgt. Es geht aber in der Nachhaltigkeits-Betrachtung ganz wesentlich um den Segen oder den Fluch von Groß-Investitionen wie S21. Und für S21 ist die Bilanz eine fürchterliche !

Und dennoch, in Stuttgart mit S21, da "muß" jetzt demonstriert werden, was die Bauindustrie noch alles auf Lager hat ! Wie der "Immobilienmarktbericht 1990 bis 2011" von PROQUADRAT berichtet, "zählt Stuttgart, trotz eines Flächenbestandes von ca. 7,4 Mio. m², gemessen an der Umsatzdynamik eher zu den kleineren Bürozentren in Deutschland."

Und weiter :

"Die Jahre 1993 und 1994 werden zu den Boomjahren der Bauwirtschaft. Die Leerstandsqoute beläuft sich unter 2 %. 1995 beträgt die Leerstandsqoute unter 4 %, 2000 geringste Leerstandsqoute mit unter 2 %,

2005 Der Büroflächenumsatz erreicht nur noch rund 150.000 m² und trägt somit zum Erreichen des höchsten Leerstandes in den Jahren 2005 bis 2010 bei. Im Jahreszeitraum beträgt die Quote rund 6 % und bleibt in den darauf folgenden Jahren über 6 %.

2010 erreicht der Büroflächenumsatz knapp 200.000 m² und liegt weit über dem 5- jährigen Durchschnitt der letzten fünf Jahre. Zusätzlich erhöhten sich die Leerstände auf den Höchstwert der Betrachtungsreihe und lagen bei ca. 6,5 %. Dies entspricht einem Volumen an unvermittelten Büroflächen von beinahe. 500.000 m².

2011 beträgt der Büroflächenbestand rund 7,4 Mio. m². Das Vermietungsvolumen erreichte ca. 280.000 m². Somit ist das Jahr 2011 der Gewinner im Büroflächenumsatz und zeigt sich in einer guten Verfassung. Der Leerstand sank auf unter 6 %. Die Spitzenmiete erreicht 18,50 EUR pro m². Die Spitzenmieten im Einzelhandel haben 230 €/m² erreicht.

www.live-pr.com/jahre-marktgeschehen-aus-stuttgart-r1049267841.htm

Wird jetzt jedem klar, warum wir in Stuttgart unbedingt noch viel mehr Büroflächen brauchen ? Nein ?

Wir müssen diese Leerstands-Quoten natürlich in Vergleich setzen zu anderen deutschen Metropolen, z.B Berlin mit 8,2 % Leerstand, Hamburg 7,5 %, München 9,1 %, Düsseldorf 10,1 %, Köln 8,8 %, Frankfurt/M mit 14,1 % (jeweils Werte 2008, Stuttgart hatte da läppische 6,2 %). (Quelle : Reddehase, Seite 62)

Tab. 6: Stuttgart – Entwicklung des Büroflächenumsatzes

[sehr schöne Grfik : Masterarbeit Reddehase, Seite 62]

Da ist doch noch Luft nach oben, will heißen, schleunigst aufschließen !

Die eben zitierte Masterarbeit (fertiggestellt 09.2009 / veröffentlicht 11.2010) von Rainer Reddehase, Geschäftsführer von REAL ESTATE STUTTGART (nach eigenen Angaben unter den Marktführern in Deutschland bei Wohnungsprivatisierungen; ein ganz heißes aktuelles Thema, nicht nur in Stuttgart …) ist ein wirklich lesenswertes Werk über das Wechselspiel von Stuttgarter Immobilienwirtschaft und S21. Eindeutig tendenziös pro S21, aber wohltuend sachlich in der Formulierung. Denn, sachlicher Ton überzeugt doch besser …

Enthält interessante, teils überraschende Neuigkeiten. Zum Beispiel gleich auf Seite 2 : "Die Untersuchung ergab, dass Annahmen über die geplanten Grundstückserlöse in der Machbarkeitsstudie von 1995 ein Drittel zu hoch angesetzt wurden."

Oder auf Seite 20 : Aufklärung durch unseren Kompetenzträger OB Schuster über den eigentlichen Zweck von Nord- und Südflügel des Kopfbahnhofs. "Laut OB Schuster wurden in den 20er Jahren die Seitenflügel im wesentlichen errichtet, 'um die Umgebung vor dem Lärm der Dampfloks zu schützen'. "

Ach soooo ! Es gibt ja keine Dampfloks mehr, also weg mit den Flügelbauten !?

Hatte nicht der Kefer (nein, nicht der Juchtenkäfer, sondern der mit dem 3-Wetter-Grins) als Erkennungsmelodie zu Beginn der sogenannten Schlichtung immer das dümmliche Lied von den Kopfbahnhöfen als Relikte aus der Dampflok-Zeit gesäuselt ?

Laut Architekt Ingenhoven (Reddehase S. 21) waren sie "nur Blendbauten, die die Gleise umrahmen."

Nett auch der eingestreute Hinweis auf einen phantastisch hohen volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Faktor auf Seite 30.

"Der volkswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Faktor wurde 1999 für das Gesamtprojekt (Stuttgart 21 und NBS Wendlingen-Ulm) ohne städtebauliche Vorhaben nach Berechnungen der Deutschen Bahn AG mit 2,7 angegeben. Im Synergiekonzept Stuttgart 21 wurde im Jahre 1995 aufgrund der Berechnung des verkehrswissenschaftlichen Institutes an der Universität Stuttgart der Nutzen-Kosten-Quotient mit 2,6 angegeben. Dies entsprach einem volkswirtschaftlichen Nutzen in Höhe von 314 Mio. DM pro Jahr. Die Berechnung konnte nicht eingesehen werden.

Dennoch handelt es sich um einen positiven Wert."

Ha, ha, Späßle g'macht !

Interessantes und viel wahres erfährt man auf den Seiten 51 ff. über die geplante Bebauung des Europaviertels (auf dem Gelände des ehemaligen, bereits freigeräumten Güterbahnhofs) insbesondere über das gigantische ECE-Einkaufszentrum.

Reddehase: "Laut Bebauungsplan ist hier ein Kerngebiet nach § 7 BauNVO (MK1, MK2,MK3) ausgewiesen. Somit können hier neben einer Bürobebauung auch ein Einkaufszentrum zugelassen werden. Die Grundstückseigentümer werden im MK3-Gebiet verpflichtet, mindestens 50% (Ausnahmen möglich) der zulässigen Geschoßfläche für Wohnungen zu verwenden." Also : "verpflichtet" , "Ausnahmen möglich." Was nun ?

Die Sache mit den Wohnungen. Da hat ja nun der Immobilien-Lobby-Verband IWS auf Veranlassung von OB Schuster einen Platz in den Amtsstuben des Stuttgarter Rathauses und berichtet in seinen Mitteilungen vom 14.07.2011 (Ziffer 2.1) stolz, über den "schönen ersten Erfolg" daß der Leiter des Stadtplanungsamtes, "Herr Dr. Kron in mehrerlei Hinsicht Flexibilität signalisiert [hat]." (Im Originaltext diese Passage sogar unterstrichen !)

www.iws-stuttgart.de/assets/pdf/aktuelles-zu-sim.pdf

"So soll die Wohnquote – anders als noch im SIM-Papier (SIM = Stuttgarter Innenentwicklungs-Modell) der Stadt dargestellt – nicht pauschal und unbesehen an jedem beliebigen Standort in der City verlangt werden, sondern das Planungsamt werde in jedem Einzelfall prüfen, ob Wohnen am konkreten Standort städtebaulich

tatsächlich sinnvoll sei. Damit wird ein zentraler Kritikpunkt unseres Arbeitskreises

aufgegriffen – ein schöner erster Erfolg, wie wir meinen." Das könnte also gemeint sein, mit "Ausnahmen möglich". Schwupps, das wars dann mit den neuen Wohnungen.

Aber jetzt wollen wir endlich in unser Shopping-Paradies, ins ECE-Einkaufszentrum.

Und da ist es doch praktisch (also praktisch für die ECE-Betreiber,nicht für die Stuttgarter) , dass im ECE Stiftungsrat (mit dem netten Namen "Lebendige Stadt", oh wie hübsch!) reihenweise unsere Volksvertreter vertreten sind und dort ja wohl logischerweise die Interessen ihrer Wähler vertreten, oder was sonst ?

Eine Reihe von erlauchten Kämpfern für Lebendige Städte führte die Stuttgarter Zeitung am 10.11.2010 auf :

"Lobbyismus für ECE Abgeordnete "vergessen" ihr Mandat

Stuttgart - Die Stiftung "Lebendige Stadt" des Einkaufscenter-Konzerns ECE erregt weiter Aufsehen. Schon drei Abgeordnete von Bundestag und Landtag sind dabei ertappt worden, dass sie ihre Mandate in den Stiftungsgremien nicht, wie vorgeschrieben, ihren Parlamenten gemeldet haben. Durch StZ-Recherchen wurde bekannt, dass weder der Hamburger SPD-Abgeordnete, Vizeparteichef und frühere Bundesarbeitsminister Olaf Scholz noch die Düsseldorfer FDP-Abgeordnete und Vizefraktionschefin Gisela Piltz ihre Ämter gegenüber dem Bundestag offengelegt haben. Dabei ist in den "veröffentlichungspflichtigen Angaben" eigens eine Rubrik für "Funktionen in Vereinen, Verbänden und Stiftungen" vorgesehen.
Scholz ist Mitglied des Kuratoriums der Stiftung, die wegen Verbindungen zu Stuttgart-21-Akteuren in die Schlagzeilen geraten » war. Er habe die - nicht vergütete - Position voriges Jahr auf seiner Internetseite bekanntgemacht », teilte er auf StZ-Anfrage mit. "Leider ist mir erst jetzt aufgefallen, dass ich die Anzeige dieser Mitgliedschaft versehentlich beim Deutschen Bundestag bisher nicht vorgenommen habe", fügte er hinzu und bedankte sich für den Hinweis. Inzwischen habe er das Mandat gegenüber dem Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) angezeigt.

Piltz will Offenlegung prüfen

Die FDP-Abgeordnete Piltz ist Mitglied des Stiftungsrates. Auf ihrer Homepage » nennt sie Funktionen in zwei anderen Stiftungen, aber nicht diese. Ein Mitarbeiter von Piltz sagte, man prüfe gegenwärtig, ob das Mandat veröffentlicht werden müsse. Dazu habe man bei der Bundestagsverwaltung angefragt. Für andere Abgeordnetenkollegen scheint diese Frage allerdings längst beantwortet. So hat der frühere Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) seinen Posten als Vizechef des Kuratoriums ordnungsgemäß gemeldet. Für Verstöße gegen die Offenlegungsregeln sieht die Geschäftsordnung des Bundestages abgestufte Sanktionen vor. Die mildeste ist, bei leichter Fahrlässigkeit, eine Ermahnung durch den Parlamentspräsidenten.

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will ebenfalls erst durch eine StZ-Anfrage bemerkt haben, dass sein Sitz im Stiftungsrat nicht an den Landtag gemeldet war. Es handele sich um "ein Versehen", sagte eine Sprecherin, Herrmann habe nichts zu verbergen. Andere Stiftungsposten hatte er gegenüber dem Münchner Landtag ordnungsgemäß offengelegt.

Gönner lässt ihr Amt Ruhen

Die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) lässt ihr Amt im Stiftungsrat nach Kritik der Grünen derzeit ruhen. Da sie bisher kein Landtagsmandat hat, war sie gegenüber dem Parlament wohl nicht meldepflichtig. Eine Ausnahmegenehmigung nach dem Ministergesetz sei nach Gönners Auffassung "nicht erforderlich", teilte ein Sprecher mit. Schließlich handele es sich weder um eine Tätigkeit im Aufsichtsorgan eines Wirtschaftsunternehmens noch um ein öffentliches Ehrenamt. Der Landtag wollte sich nicht dazu äußern, ob er diese rechtliche Einschätzung teilt.

Auch bei der Stiftung selbst war es zu einem "Versehen" gekommen: Der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster erschien zunächst nicht unter den ehemaligen Gremienmitgliedern, nachdem er wegen möglicher Interessenkonflikte aus dem Stiftungsrat ausgeschieden war. Dies wurde inzwischen nachgeholt. »

www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.lobbyismus-fuer-ece-abgeordnete-vergessen-ihr-mandat.ae9be680-3740-4246-80a5-c3d57527a276.html

Ja, aber das kostbarste "Schätzchen" fehlt da ja noch in der Aufzählung !

Das hatte u.a. das Handelsblatt bereits am 11.10.2010 präsentiert :

"Pikant ist, dass dem geschäftsführenden Vorstand der Stiftung Friederike Beyer angehört. Beyer ist die Lebensgefährtin von Günther Oettinger (CDU), früher Stuttgarter Ministerpräsident, heute EU-Energiekommissar. Endgültig zum Politikum jedoch macht die Sache, dass dem Stiftungsrat die Landesministerin für Umwelt, Naturschutz und Verkehr, Tanja Gönner (CDU), und der Stuttgart-21-Architekt Christoph Ingenhoven angehören."

www.handelsblatt.com/politik/deutschland/moeglicher-interessenkonflikt-mappus-s-21-und-die-spaetzle-connection/3559572.html

Wiki verrät uns, wer offiziell hinter ECE steckt : "Die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG ist ein deutsches Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg, das gewerbliche Großimmobilien entwickelt, umsetzt, vermietet und betreibt. Das Unternehmen ist im Besitz der CURA Vermögensverwaltung, der Holding-Gesellschaft der Otto-Familie."

Auf den Seiten 55-57 der Masterarbeit erfahren wir einiges zur Historie der ECE-Planung.

"Für die Parzellen 6, 8 und 9 gab es schon einen Kaufvertrag mit der Düsseldorfer Mediconsult AG, jedoch ist die Kaufpreissumme für das Grundstück nicht gezahlt worden. Ursprünglich wollte der Käufer das Einkaufszentrum „Galeria Ventuno“ erstellen. Ein seitens der Bahn angestrebter Bieterwettbewerb wurde Ende 2008 vorzeitig beendet. Derzeit [2009] wird verhandelt zwischen der Deutschen Bahn und Quartier 21 GmbH & Co. KG, einer gemeinsamen Tochtergesellschaft von ECE Projektmanagement und der Strabag Real Estate. Eine Bauvoranfrage wurde im Oktober 2008 gestellt. MFI Management für Immobilien AG, Essen wurde ebenfalls noch als Investor in der Presse geführt.

Derzeit sind im „Quartier 21“ 1.200 Parkplätze zulässig. Damit beträgt die Korrelation zwischen Verkaufsfläche (47.500 m²) und Parkplätze den Wert 39,6. Eine wesentlich bessere Korrelation weisen die Einkaufszentren in Vaihingen und Bad Cannstatt aus. So kann das Cannstatter Carré mit einer Korrelation in Höhe von 18,4 am meisten Parkplätze für die Kunden anbieten. Nur die Königsbau-Passagen am Stuttgarter Schlossplatz bzw. Königstraße haben noch weniger Parkraum. Für die 2.200 gewünschten Parkplätze zeichnet sich derzeit keine Mehrheit im Gemeinderat ab.

In der politischen Diskussion hat sich in Stuttgart ein heftiger Widerstand gegen ein großes Einkaufszentrum gebildet. Nachdem sich die IHK und die City-Initiative gegen das Projekt ausgesprochen haben, zeichnen sich nun auch im Gemeinderat keine Mehrheit für die Genehmigung weiterer Parkplätze ab. Insgesamt wird das Projekt für überdimensioniert gehalten. Das Research- und Prognoseunternehmen Prognos AG revidierte seine vorerst positive Meinung zu diesem Standort. Nachdem sie vor einigen Jahren noch den Standort für ein Einkaufszentrum für ideal hielten, so schreiben sie u.a. in ihrem jüngsten Gutachten, dass im Vergleich zum letzten Bericht der Bestand an Einkaufszentren und Einzelhandelsflächen in Stuttgart zugenommen habe. Aufgrund der wirtschaftlichen und demografischen Entwicklung würde ein neues Center starke Umsatzrückgänge in anderen Bereichen verursachen.

Erstaunlich ist der jetzige Widerstand dahingehend, dass spätestens seit Beschluss des gültigen Bebauungsplanes (1.10.2003) bekannt ist, dass an dieser Stelle ein Shoppingcenter gebaut werden kann. [ … ] Jede Immobilie steht natürlich in wirtschaftlicher Konkurrenz mit andern Standorten. Hier ist zu hinterfragen, ob es in einer sozialen Marktwirtschaft einen Bestandsschutz vor Konkurrenz geben kann und soll. Ab dem 2.10.2010 kann der bestehende Bebauungsplan, der großflächigen Einzelhandel an dieser Stelle zulässt (MK-Gebiet), ohne Planungsschaden seitens des Gemeinderates geändert werden."

Erstaunlich dieser späte Widerstand, obwohl seit Beschluß des Bebauungsplanes in 2003 die Sache klar war. Haben die Bürger genau so gepennt, wie beim Tiefbahnhof ! Erst nix mitkriegen, und hinterher laut schreien !

Und ob es Bestandsschutz in einer sozialen Marktwirtschaft geben soll ? Ja, vielleicht schon, aber was hat diese Frage mit der hierzulande herrschenden Form der asozialen Marktwirtschaft zu tun ?

Laut Stuttgarter Nachrichten vom 08.12.2011 gibt es "in dem dreigliedrigen ECE-Komplex Änderungen. So wird die Zahl der Wohnungen von 450 auf 417 reduziert. Die Fläche bleibe mit 43100 Quadratmetern 'exakt gleich', versichert ECE-Projektleiter Jörg Wege. Man habe aber den Anteil an großen Wohnungen mit vier und fünf Zimmern erhöht, um mehr Familien ins Gebiet holen zu können. 'Es bleibt definitiv bei Mietwohnungen', so der Stadtplaner.

Ein Knackpunkt des Handelsteils mit seinen geplanten rund 200 Shops ist die Zahl der Stellplätze. ECE wollte 2500 bauen, was im Gemeinderat für einen Aufschrei sorgte. Genehmigt werden 1680. Von diesen müssen rund 500 für die Wohnungen und andere Nutzungen abgezweigt werden. Nur noch rund 1100 Parkplätze aber könnten den Betrieb des Einkaufszentrums gefährden.

"Kunden reagieren sehr sensibel auf die Verfügbarkeit von Stellplätzen", weiß Jörg Wege.

Auf dem früheren Güterbahnhofs-Gelände soll neben dem ECE-Komplex ein weiterer Hochpunkt gesetzt werden. An der Kreuzung Heilbronner und Wolframstraße baut die Schwäbische Wohnungs AG für 65 Millionen Euro einen 60-Meter-Turm. Die Nutzung, die zwischen Wohnungen und Hotel pendelte, steht nun fest. "Wir bauen ein gutes Vier-Sterne-Hotel mit etwa 140 Zimmern und darüber Wohnungen", sagt Tobias Fischer, Vorstandschef der AG. Bei Geschossgrößen von 600 Quadratmetern werde es Wohnungen von 100 bis 300 Quadratmeter geben. In der Branche rechnet man mit Quadratmeterpreisen von 4500 bis 9000 Euro. Dazu sagt Fischer noch nichts. Er weist auf den Service hin, den das Hotel für die Wohnungskäufer leisten soll. Das Hochhaus soll von Ende 2012 an entstehen.

www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.stuttgart-21-ece-auf-parkplatzsuche-am-bahnhof.ce152ccd-3cd3-4c23-8e7a-8f6ac8fbd33e.html

Ich werde gelegentlich mal prüfen, ob ich mir mit einem LBBW-Kredit zu Wulff'schen Konditionen dort eine Wohnung leisten kann.

www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.einkaufszentren-in-stuttgart-ece-will-plaene-einreichen.206fa6a5-06a6-4163-abf2-4afa244b63ed.html

Und im übrigen, Fasnacht ist zwar vorbei, aber singen wir alle mit im Chor den Nachkriegs-Klassiker :

Gehn' Sie mit, Gehn' Sie mit

Geh'n Sie mit der Konjunktur,
gehn' Sie mit auf diese Tour,
nehm' Sie sich Ihr Teil, sonst schäm' Sie sich und später
gehn' Sie nicht zum großen Festbankett.

Gehn' Sie mit der Konjunktur,
gehn' Sie mit auf diese Tour
sehn' Sie doch, die andern steht schon dort
und nehm' die Creme schon fort beim großen Festbankett.

Man ist, was man is(s)t nicht durch den inneren Wert,
den kriegt man gratis, wenn man Straßenkreuzer fährt
man tut, was man tut nur aus dem Selbsterhaltungstrieb,
denn man hat sich nur selber lieb.

Drum: gehen' Sie mit der Konjunktur,
Gehn' Sie mit auf diese Tour
Holen Sie sich ihre Kohlen wie der Krupp von Bohlen aus dem großen Weltgeschäft.

Drum: gehn' Sie mit der Konjunktur,
gehn' Sie mit auf diese Tour,
Geld, das ist auf dieser Welt der einz'ge Kitt, der hält,
wenn man davon genügend hat. (noch einmal) wenn man davon...

Und, alle ! : . . . .

20:51 22.02.2012
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Kommentare 4