Doktor mit Freunden

Götz Aly Einer, der viele provozierte, kommt ins Gerede .
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Der Mann hat ein Talent, sich Feinde zu machen.

Er analysierte die materiellen Motive der Deutschen für ihre Unterstützung des NS-Regimes und die faschistische Tradition des Sozialstaats. Er entdeckte Gemeinsamkeiten zwischen den Generationen der 33er und 68er. Er identifizierte den Neid als zentrales Motiv deutscher Antisemiten und die deutsche Tradition des Gehorsams als Grundlage für die langlebige Loyalität der Ostdeutschen zum DDR-Regime. Deshalb kritisierten ihn die pikierten Großmeister der Geschichtsschreibung und attackierten ihn zornige Leserbriefschreiber aus Ost und West.

Nun ist er von einem jungen Autor, der sich für die Karrieren linksradikaler junger Kämpfer in den 70er Jahren interessiert, im Cicero angerempelt worden (http://bit.ly/RQ1yJW ). Götz Aly soll unter dubiosen Umständen zu seinem Doktortitel gekommen sein: ein politischer Sympathisant als Doktorvater, ein Genosse als Mitverfasser, eine unakademische Sprache und banale Erkenntnisse.

Was ist davon zu halten?

Dass der Cicero Alys Promotion in diesen Tagen zu skandalisieren versucht, ist sicher dem Wunsch geschuldet, von dem öffentlichen Interesse an prominenten Plagiatoren zu profitieren.

Mag sein, dass die FU Berlin Aly damals (1978) mit der eingereichten Arbeit nicht hätte promovieren dürfen. Inzwischen hat sich Aly mit vielen Arbeiten als seriöser, nonkonformer und origineller Historiker profiliert. Deswegen überraschte es, als die FU Berlin 2011 die Ernennung Alys zum außerplanmäßigen Professor mit der Begründung ablehnte, ihm fehlten die erforderlichen theoretischen und methodischen Kenntnisse. Diese Ablehnung ist der eigentliche Skandal.

Zur Zeit ist Götz Aly Sir-Peter-Ustinov-Gastprofessor am Institut für Zeitgeschichte an der Universität Wien. Er hat dort gestern einen Vortrag gehalten. Sein Thema: „Formen des Plagiats in den Geschichtswissenschaften“

14:52 26.10.2012
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