Don Giovanni auf dem Bebelplatz

Oper für alle Die Hauptstadt ist sexy, macht den Besucher aus der Provinz aber müde.
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Als kurz vor Mitternacht auf der Leinwand der notorische Verführer sein Leben auf dem Waldboden aushauchte, waren wir fix und fertig und schwer beeindruckt.

Vogelzwitschern und Hundebellen in Pergamon hatten uns erstaunt. Oberstleutnant Sanftleben und Dombrowski, der Rentner, hatten uns amüsiert und entsetzt. Die türkische Großfamilie am Nachbartisch – die Männer im Trikot der deutschen Nationalmannschaft und die Frauen verschleiert- war uns vorgekommen wie das Personal einer Klamotte über Freud und Leid der multikulturellen Gesellschaft.

Und dann das: Mit einigen tausend Leuten Mozarts „Don Giovanni“, dirigiert von Barenboim, mit Schrott, aber ohne Netrebko, auf dem Bebelplatz hören und sehen. Wenige Meter entfernt die „versunkene Bibliothek“, neben uns australische Touristen, Punker mit ihren Hunden und ein Pärchen, das zur Arie Mi tradì quell'alma ingrata mit Behagen Bratwurst aß.

In der Nacht dann 8137 Blitze über der Stadt. Am nächsten Morgen fuhren wir zurück in die Provinz und fanden Berlin ziemlich sexy.

00:14 07.07.2012
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