Musik aus Mali

Kulturverein Auf Drängen der Familie suche ich nach einer ehrenamtlichen Tätigkeit, die der Gesellschaft nützt, meinem Leben Sinn gibt und B. entlastet. Das ist nicht einfach.
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Am Morgen Frühstück im Kulturverein. Bin zum ersten Mal da und will mich nützlich machen für den Verein, der Veranstaltungen, vor allem Kleinkunst, organisiert und preiswerte Abonnements anbietet.

Zehn Menschen, darunter acht Frauen zwischen 50 und 75, und eine reichhaltige, liebevoll gedeckte Tafel. Wir plaudern – die Griechen, die Enkel, der Urlaub, das Konzert der Philharmoniker heute Abend im Waldbad ( mit Picnic ).

Das Wort führt mein Geschlechtsgenosse. Erzählt von einer literarischen Reise nach Lemberg und Czernowitz in diesem Frühjahr, von Paul Celan, der Schönheit ukrainischer Frauen und dem prolligen Outfit ihrer Männer: „Ich saß im Cafe, schaute auf die vorbei flanierenden Frauen und wünschte mir, vierzig Jahre jünger zu sein. Jetzt ist es zu spät, nichts geht mehr.“

Das Frühstück geht zu Ende. Wir vereinbaren, dass ich einen Entwurf eines Textes für den Flyer schreiben soll, der für eine Veranstaltung mit Musikern aus Mali wirbt. Die Vorsitzende bedankt sich für meine Bereitschaft und drückt mir eine Schale Erdbeeren in die Hand, die übrig geblieben war.

Der Alte mit der Schwäche für ukrainische Frauen bietet mir an, mich mitzunehmen. Mir fällt so schnell keine Ausrede ein, und ich willige ein. Auf der Fahrt erzählt er mir vom Tod seiner Frau vor sechs Jahren: Brustkrebs, langes Sterben. Kürzlich habe er im Bettkasten ihr Körnerkissen gefunden, voll von kleinen Käfern, Sitophilus granarius, scheußliche Sache.

Zuhause lade ich ihn auf ein Stück Kuchen ein und bin erleichtert, als er ablehnt: „Bin um eins mit meinem Enkel zu einer Radtour zum Hücker Moor verabredet. Demnächst mal. Und schön, dass du bei uns mitmachst.“

Ich frage B., ob sie etwas über Musik aus Mali wisse. Nein. Schade, aber ich habe ja noch etwas Zeit für meinen Text.

00:02 24.06.2012
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