Schmerzensmann und Avantgarde

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In diesen Tagen schreiben die Feuilletons wieder über ihn, denn er hat Jubiläum. Gelesen wird er kaum noch, vielleicht von anderen Schriftstellern. Dabei war er lange Zeit auf dem Büchermarkt erfolgreich und konnte den Lebensunterhalt für sich und seine Familie mit den Einkünften aus seinen Romanen und Erzählungen bestreiten.

1.Anfang und Ende

Mit der Niederschrift seines ersten Romans begann er am 15.November 1854. Er wurde sein erster Bestseller. Acht Jahre vor seinem Tod hörte er auf zu schreiben.

2.Erste Sätze

„Es liegt mir daran, gleich in den ersten Zeilen dieser Niederschrift zu beweisen oder darzutun, daß ich noch zu den Gebildeten mich zählen darf. Nämlich ich habe es in Südafrika zu einem Vermögen gebracht, und das bringen Leute ohne tote Sprachen, Literatur, Kunstgeschichte und Philosophie eigentlich am leichtesten und besten zustande. Und so ist es im Grunde auch das Richtige und Dienlichste zur Ausbreitung der Kultur; denn man kann doch nicht von jedem deutschen Professor verlangen, daß er auch nach Afrika gehe und sein Wissen an den Mann, das heißt an den Buschmann bringe; oder es im Busche sitzenlasse, bloß um ein Vermögen zu machen.“

3.Ein Romanpersonal

„Er hat sich aber auch eine irrwitzige Combo von Erwachsenen ausgedacht: eine vernünftige Witwe, die bessere Zeiten gesehen hat; ein Kriegsveteran, der sich seine schwere körperliche Versehrung ironischerweise aber als Feuerwerker zugezogen hat; dessen guter Jugendfreund, ein nervenschwacher Schöngeist. Später stößt noch eine junge Straßenprostituierte hinzu, die Fräulein Rotkäppchen gerufen wird.“ (Judith von Sternburg, 2010)

4.Er über sich

„…für die Schriften meiner ersten Schaffensperiode, die bis zu letzterwähnten Buche reicht, habe ich „Leser“ gefunden, für den Rest nur „Liebhaber“, aber mit denen, wie ich meine, freilich das allervornehmste Publikum, was das deutsche Volk gegenwärtig aufzuweisen hat.“

„Auch aus … können Sie wohl entnehmen, daß ich nicht zu den Antisemiten zu zählen bin...Juden haben in meinem Leben immer mit zu meinen besten Freunden und verständnisvollsten Lesern gehört, und daran hat sich bis heute nichts geändert.“

( gegen den Vorwurf, seine Darstellung eines Juden in einem Roman sei Ausdruck einer antisemitischen Haltung )

5.Andere über ihn

"So gestaltet der späte X eine tief traurige Welt voller Enttäuschungen, Entgleisungen, Untergänge und Lebenslügen. Aber auch hier weicht er vor den äußersten Konsequenzen nicht zurück; er nennt die Flucht eine Flucht und das Luftschloß ein Luftschloß."(Georg Lukács).

„Er kam ein Jahrhundert zu früh, ohne dass er als Science-Fiction-Autor zu beschreiben ist. Denn er zerpflückt wie Carl Spitzweg auf der Leinwand das zufriedene Leben im Winkel, welches es in der guten, alten Zeit niemals gegeben hat.“ (Judith von Sternburg)

„Wer hier einmal durchgegangen war…, den konnten später kein William Faulkner, kein Arno Schmidt, kein Vladimir Nabokov, ja nicht einmal Joyce so recht mehr schrecken“ (Gustav Seibt, 2010)

Wer isses?


11:57 16.11.2010
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