Zwei Soldaten

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Im Jahr 9 n.Chr. starb Marcus Caelius aus Bolonia ( Bologna ), 53 Jahre alt und Hauptmann der römischen XVIII. Legion, im Kampf mit germanischen Stämmen im Nordwesten der heutigen Bundesrepublik Deutschland auf dem Territorium der Gemeinde Bramsche-Kalkriese in Niedersachsen.

Er war eines der etwa 20000 römischen und germanischen Opfer eines dreitägigen Kampfes und ist neben seinem Feldherrn Varus der einzige Tote der Schlacht, dessen Name überliefert ist.

Über die näheren Umstände seines Todes ist nichts bekannt. Vermutlich wurde er von den germanischen Kämpfern erschlagen oder beging, wie sein Feldherr, Selbstmord oder gehörte zu jenen Offizieren, die nach ihrer Gefangennahme in einem Heiligen Hain gefoltert und getötet wurden. Vermutlich wurde auch seine Leiche, wie die der anderen römischen Gefallenen, von den germanischen Siegern in die Bäume gehängt, wo sie, von den Tieren des Waldes angefressen, in Mitten tausend anderer langsam verrottete.

Nach dem militärischen Desaster gab das Imperium Romanum seine Versuche auf, die germanischen Stämme östlich des Rheins dauerhaft zu unterwerfen.

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An einem Sonntagmittag standen wir vor dem Gedenkstein an Marcus Caelius, der 1620 bei Xanten gefunden worden war und nun den Mittelpunkt einer Ausstellung im „Museum und Park Kalkriese“ bildete.

Das Relief zeigt das Porträt von Marcus Caelius, umgeben von zwei entlassenen Sklaven, mit all seinen militärischen Ehrenzeichen und in der Inschrift heißt es u.a.: (CE)“CIDIT BELLO VARIANO“ – „Er fiel im Krieg des Varius“. Die Ausstellung informiert die Besucher mit Hilfe moderner Technik anschaulich über die symbolischen Elemente in der Darstellung des römischen Handwerkers und zeigt die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge. Befremdlich und eindrucksvoll erschien uns eine Rekonstruktion des Gedenksteins, die eine Vorstellung davon vermitteln will, wie die Farben des Originals ausgesehen haben könnten: viele rote, grüne und gelbe Farbtöne.

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Wir verließen das Museum, warfen einen kurzen Blick auf das Schlachtfeld, wo Kinder und Jugendliche gerade einen Lehrgang im Klettern in den Bäumen machten, und begaben uns dann in das Cafe eines Schlosses in der Umgebung. Bei Cappucino und Rhabarberkuchen räsonierten wir über den Sinn eines Museums, das die Erinnerung an eine Schlacht des 1. Jahrhunderts nach Christus bewahren will, und über das ewige Töten und Sterben auf den Schlachtfeldern der Geschichte. „Macht Schwerter zu Pflugscharen“ – das schien uns an diesem Nachmittag ein schöner, wenn auch etwas naiver Gedanke zu sein.

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Drei Tage später las ich morgens beim Frühstück in meiner Lokalzeitung den Bericht über die Beerdigung eines Soldaten, der in Afghanistan gefallen war. Der Bericht begann mit den Sätzen:

„Bielefeld. Gemessenen Schrittes zieht die Trauer-Prozession aus der kleinen Kapelle des Queller Friedhofs ins Freie, die Trommel gibt das Schrittmaß vor. An der Spitze trägt ein Soldat des Fallschirmjägerbataillons 373 die Orden des 28-jährigen Bielefelders N.N. auf einem Kissen, hinter ihm zwei Soldaten mit Deutschlandfahnen, dahinter der Trauerkranz. In diesem Moment fliegen weiße Papier-Friedenstauben über den Sarg ihres toten Kameraden.“

12:03 08.10.2010
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