Pseudowissenschaft an der Wirtschaftsuni?

Wirtschaftswissenschaften Wissenschaftlichkeit und die seriöse Suche nach überprüfbaren Wahrheiten kommt in den in den Wirtschaftswissenschaften zu kurz. Ist die VWL eine Pseudowissenschaft?
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Wirtschaftsuniversität Wien
Univ.Prof. Dr. Harald Badinger
Univ.Prof. Dr. Harald Oberhofer
Univ.Prof. Dr. Jesus Crespo Cuaresma
Welthandelsplatz 1
1020 Wien

Wien, 21.07.2017

OFFENER BRIEF


Betrifft: zu Ihrem Artikel "Pseudowissenschaft in der Volkswirtschaftslehre"


Sehr geehrter Herr Univ.Prof. Dr. Badinger,
sehr geehrter Herr Univ.Prof. Dr. Oberhofer,
sehr geehrter Herr Univ.Prof. Dr. Cuaresma!

Mit Interesse haben wir Ihren Artikel "Pseudowissenschaft in der Volkswirtschaftslehre" gelesen.

Es ist sehr begrüßenswert, dass Sie in Ihrem Artikel das Problem des zunehmenden Glaubwürdigkeitsverlustes der etablierten Volkswirtschaftslehre thematisiert haben. Auch wir können uns des Eindrucks nicht erwehren, dass die Wissenschaftlichkeit und die seriöse Suche nach überprüfbaren Wahrheiten in den Wirtschaftswissenschaften zu kurz kommt - aus welchen Gründen auch immer.

Sie schreiben in Ihrem Artikel: "Wenn es nun vonseiten der alternativen Ansätze ein ernsthaftes Interesse an einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung gäbe, würde man sich erwarten, dass diese in der wissenschaftlichen Arena ausgetragen würde: Theorien wären zu präsentieren, empirische Evidenz müsste vorgelegt werden."
Und weiters: "Alle Theorien und Ansätze sind willkommen, sich an diesem Wettbewerb zu beteiligen, vorausgesetzt sie sind anhand wissenschaftlicher Standards beurteilbar."

Damit treffen Sie den Nagel auf den Kopf! So sollte es eigentlich auch sein. Nur: So ist es leider nicht!

Wir erlauben uns, diese Tatsache anhand eines konkreten Beispiels nachzuweisen:
Genau das, was Sie fordern, hat nun Herr Univ.Prof. Dr. Richard Werner vom Centre for Banking, Finance and Sustainable Development (University of Southampton, UK) in Hinblick auf die drei relevanten Theorien zur Geldschöpfung im Jahre 2014 getan. Er hat alle Kriterien der Wissenschaftlichkeit unanfechtbar erfüllt und konnte dabei zwei der Theorien falsifizieren, nämlich die Teilreserve-Theorie und die Finanzintermediär-Theorie. Damit kann nur mehr die Kreditschöpfungstheorie richtig sein. Für die Details verweisen wir auf die Studien von Univ.Prof. Dr. Werner:

Univ.Prof. Dr. Werner hat in diesen Veröffentlichungen auch die unrühmliche Rolle der Wirtschaftswissenschaft in diesem Themengebiet ausführlich dargestellt: So wurde vollkommen unwissenschaftlich jede Kritik an den etablierten (und nun falsifizierten) Theorien als Sakrileg hingestellt, die Kritiker wurden lächerlich gemacht und als Verschwörungstheoretiker verunglimpft. De facto wurde so jeglicher wissenschaftliche Diskurs zum Thema verhindert und damit ein Fortschritt in der Wissenschaft über Jahrzehnte nahezu verunmöglicht!

Warum die Geldschöpfungsfrage kein unwesentliches Detail in der Volkswirtschaftslehre, sondern vielmehr von fundamentaler wissenschaftlicher und auch gesellschaftlicher Bedeutung ist, haben wir in unserem offenen Brief an die Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien (in der Beilage, oder online hier) detailliert ausgeführt.

Gestatten Sie uns nun folgende Fragen:

  • Wurden die obig genannten Studien von Univ.Prof. Dr. Werner bereits von Ihnen aufgegriffen und haben Sie Ihre Lehrinhalte dementsprechend korrigiert?
  • Wie erklären Sie sich, dass die bahnbrechenden, empirisch untermauerten Erkenntnisse, die von Univ.Prof. Dr. Werner veröffentlicht wurden, ganz einfach totgeschwiegen werden und eben nicht - wie Sie geschrieben und gefordert haben! - in den wissenschaftlichen Diskurs aufgenommen werden?

Sie sind herzlich eingeladen, hierzu eine ausführliche Stellungnahme abzugeben, die wir gerne veröffentlichen werden.


Mit freundlichen Grüßen,

der Vorstand des KOV Kreditopfervereins:
Isabella Heydarfadai
Joya Marschnig
Reinhold Mannsberger
Rudolf Sommer

Beilage: Offener Brief an die Rektorin der Wirtschaftsuniversität Wien vom 15.06.2016

01:33 22.07.2017
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

KOV Kreditordnungsverein

Der Kreditordnungsverein versteht sich als eine Vernetzungsplattform für Menschen, die sich für eine Veränderung der aktuellen Geldordnung einsetzen.
KOV Kreditordnungsverein

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