Das Geschenk der Liebe

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

The Gift of Love


Der Mensch kann ohne Liebe leben, aber er kann ohne Liebe nicht glücklich sein.

Deshalb suchen wir nach Liebe, wir bieten uns als mögliche Liebespartner an, wir öffnen jemandem unser Innerstes, obwohl das riskant ist. In unserer Nacktheit sind wir verletzlich, man kann uns weh tun.

Bei dieser Suche können wir uns irren. Wir können unvorsichtig sein, das Gewünschte und Gewollte in jemandem sehen, der in Wirklichkeit anders ist. Vielleicht ist er gar nicht offen für die Liebe, vielleicht weiß er gar nicht, was Liebe ist. Vielleicht hat er keinen Mut zu tiefen Gefühlen.

Liebe beginnt beim Wollen; damit Liebe gelingt, müssen zunächst beide ungefähr dasselbe wollen.

Liebe ist ein Geschenk des Schicksals, wir können nicht so leicht jemanden finden, der als Liebespartner in Frage kommt.

Wir können niemanden zwingen uns zu lieben.

Ein Geschenk kann etwas einmaliges sein, ein Zufallstreffer, ein Glückslos. Wie gewonnen, so zerronnen.

Die Gabe und Begabung zu lieben schafft aus dem Geschenk und der Chance erst die Realität der Liebe.

Verstand und Gefühl: wem können wir trauen? Unsere Intuition kann uns helfen, wenn wir auf sie hören.

Es gibt keine Gewissheit, keine Datenmenge und Informiertheit, die uns zur richtigen Entscheidung führt.

Klugheit und Weisheit zeigen sich darin, dass wir das Gewonnene, die gegebene Möglichkeit der Liebe nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.

Mit der Zeit wird es nicht einfacher, sondern schwerer an Liebe zu glauben. Erfahrung kann uns helfen oder sie kann eine Last sein, die Bürde der enttäuschten Hoffnungen, der vergeblichen Versuche, die grauen Haare, die uns wachsen nach unseren Fehlern und Irrtümern.

Zum Geben und Schenken gehört auch Talent, denn die Liebe, die vom Himmel in unsere Herzen gefallen ist, ist eine zarte Pflanze, die gehegt und gepflegt werden will. Sie ist wie die Rose auf dem Planet des kleinen Prinzen, die vor dem rauen Wind, vor Raupen und Schmetterlingen geschützt werden will.

Die Liebe muss sich beweisen durch Nähe und Zärtlichkeit, durch Geduld und die Suche nach dem für beide gangbaren Weg.

Liebe braucht Dankbarkeit, Wertschätzung und Aufmerksamkeit.

Sie braucht Ernsthaftigkeit und Humor, ein stabiles Fundament ebenso wie schwerelose Leichtigkeit.

Weil wir sie verlieren können, deshalb ist sie kostbar.

Wer das, was er hat oder haben kann, nicht schätzt, hat nichts begriffen.

Liebe ist kein Spiel und keine Nebensache, für die man gerade Zeit und Lust hat oder nicht. Sie kann nur etwas Ganzes sein. Ein bisschen Liebe geht nicht.

Liebe ist Luxus, Reichtum, den man nicht kaufen kann.

Liebe ist Kreativität, die aus dem Herzen und der Seele kommt.

Liebe ist auch Kredit und Avance, ein Vertrauensvorschuss, der auf Gegenseitigkeit beruht.

Liebe ist Lernen und Arbeit: sich kennen lernen, eine Beziehung aufbauen, verhandeln, planen, etwas zusammen und füreinander tun, das Erreichte schätzen und weiter arbeiten.

Liebe ist energetischer Austausch – wenn Liebe funktioniert, sollte jeder einen Energieüberschuss haben, ein bisschen mehr Energie bekommen als investiert werden muss.

Dieses Plus muss sich anfühlen wie ein warmer Wind, der die Segel füllt und dich voranträgt, wie die Frühlingssonne, die dich einfach so mit ihren Strahlen kitzelt, wie das Lächeln, das zu dir zurückkehrt, wenn du es verschenkst.

Liebe ist ein zwischen zwei Menschen gesponnener Faden, leicht und unsichtbar wie Spinnweb, zart und fein und nicht immer reißfest.

Liebe ist das Einfache, das schwer zu machen ist. Liebe ist ein Privileg, eine Möglichkeit, ein Konjunktiv der menschlichen Seinsform.


Berlin, 9.5.2009Kristine Leithold

12:26 09.05.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

krislei

Ostberlinerin, 45 Jahre, Interessen: Philosophie, Psychologie, Literatur
Schreiber 0 Leser 0
Avatar

Kommentare